Ausgabe 5/1999   Sep. / Okt.


Fahrrad macht Schule

In ffa Mai/Juni 99 ("Die Kundschaft der Konkurrenz") bedauerten wir, daß nur die Mineralöl-Lobby mit Fahrrad-Unterricht auf Schulhöfen präsent ist. Der ADFC sollte doch — mit vielleicht mehr Kompetenz — dem Nachwuchs zeigen, wie toll Radfahren sein kann. Frommer Wunsch, nur können das berufstätige Ehrenamtliche bei allem Engagement nicht leisten.

Am 26. Juni 99 berichtete die FR von einer Gemeinschaftsarbeit im Rahmen der Projektwochen der Albert-Schweitzer- (ASS), Peter-Petersen- (PPS), und Wöhlerschule zum Thema Fahrrad. Alle drei Schulen liegen östlich der Eschersheimer Landstraße im Frankfurter Norden. Ein interessanter Ansatz! Wir besuchten spontan die ASS am Frankfurter Berg, wo gerade ein Stadtteilfest gefeiert wurde. (Die Projektpräsentation dort war nicht vorgesehen.)

Statt einer Gruppe junger Radler fanden wir daher einen freundlichen Konrektor, die Stellwände waren vom Schulamt bereits für die Präsentation abgeholt worden. Ferien haben begonnen, Schüler und Lehrer sind weg, dumm gelaufen - Projekt beendet? Das auch für Schulwegsicherung zuständige Schulamt gab freundlich Auskunft. Haben die Mädchen und Jungen etwa nur für Spaß und Schublade gearbeitet? Keineswegs: die nächste Präsentation findet im Herbst 99 auf der IAA statt! Danach bekommen die beteiligten Schulen sie für eigene Aktionen wieder zurück.

Das gemeinsame Schulprojekt soll keinesfalls nur in Aktenschränken landen. Für den Herbst ist ein internes Treffen einer eigens hierfür ins Leben gerufenen ämterübergreifenden Arbeitsgruppe anvisiert. Bei dem sollen die Radweg-Probleme im Rahmen der Schulwegsicherung im Frankfurter Norden besprochen werden. Die Arbeit der Schülerinnen und Schüler wird also Folgen haben - und hoffentlich guten und schnellen Erfolg.

Immerhin sind Eltern, die ihre Kinder aus Sicherheitsgründen (!) mit dem Auto zur Schule bringen, ein echtes Verkehrs- und Sicherheitsproblem im Umfeld von Schulen. Dabei haben in der Wöhlerschule ca. 70 % der Schülerinnen und Schüler ein Fahrrad; in der PPS liegt die Zahl etwas niedriger, und in der ASS (Grund- und Förderstufe) sind es noch ca. 30 %.

Warum das Projekt jetzt? Unser Artikel vom Mai war jedenfalls nicht der Auslöser. Das Pilotprojekt wurde entwickelt, um die Interessen der Radfahrer unter den Schülern stärker als bisher zu berücksichtigen. Zur Planung und Durchführung wurde der Verein "Umweltlernen in Frankfurt" beauftragt. Die tollen Fotos von Stellwänden belegen, daß man nicht "über 30" und "studiert" sein muß, um sachgerechte Vorschläge auszuarbeiten. Die Kinder haben aus eigener Erfahrung geeignete Schulwege fürs Fahrrad gesucht, Vorschläge erarbeitet, Fehlstellen kritisiert und dabei eindrucksvolles Expertenwissen produziert.

Das BIS-Konzept, Stadtverordnetenbeschluß aus dem Jahr 1993, war nicht Arbeitsthema - aber daß die 1995 beschlossene "Ostparallele zur Eschersheimer Landstraße" nötig ist, das haben sie konkret "erfahren". Auch die fehlende Radverbindung Marbachweg — Dornbusch wurde moniert. Um beide Projekte bemüht sich der ADFC Frankfurt seit Jahren - Kindern könnte man wohl kaum vermitteln, daß und warum das so lange dauert.

Eine gegenseitige Information und Zusammenarbeit Schulen - Schulamt - ADFC empfiehlt sich, damit dringende Fahrrad-Projekte in gemeinsamer Anstrengung oder gegenseitiger Ergänzung angegangen werden können. Denn Sicherheit der Fahrrad-Verbindungen ist die wichtigste Voraussetzung für echten Fahrrad-Spaß — gerade junge Leute dürfen das Verkehrsgetriebe per Rad nicht als Horror-Trip erleben.

Wir gratulieren zu der schönen Aktion, von der gelegentlich wieder berichtet wird.

Freya Linder

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