Ausgabe 1/2001   Jan. / Feb.


Licht aus der Flasche

Der Aigner Bottle Ghost. Ein Plädoyer wider die StVZO

Statt die Dunkelheit zu verfluchen, sollte man lieber ein Licht anzünden, so sagt ein asiatisches Sprichwort. Da ich mein Fully im Winter nicht einmotten wollte und der klassische Steckscheinwerfer sich als nimmersatter Batteriefresser erwiesen hatte, war ich auf der Suche nach einer wahren Erleuchtung.

Eine Suche im Internet war zwar etwas mühselig, aber letzlich fand ich unter http://www.staffas-fahrradladen.de/gstest/test1/test1.htm  doch noch die passenden Informationen: Einen Artikel aus Tour 11/99, der sechs verschiedene Akku-Lichtsysteme bewertete.

Schließlich entschied ich mich für den Bottle Ghost von Aigner ( http://www.aigner-bike.a-e.de ), einer Elektronik-Firma aus dem Bayerischen. Zwar galt die Anlage als "nicht die beste Beleuchtung im Test", doch überzeugte sowohl die Tester als auch mich das Preis-Leistungs-Verhältnis. Zugegeben, der Preis von 500 DM ist - verglichen mit den 79 DM für die StVZO-zugelassenen Sigma - enorm, doch bietet der Flaschengeist für dieses Geld auch einiges. Die ersten Fahrten im unbeleuchteten Gelände und auch im Stadtverkehr haben mich darin bestätigt.

Das komplette Gerät hat mit 700 Gramm ein einigermaßen erträgliches Gewicht. Die Anlage besteht aus dem Ni-Cad-Akkupack in einer Flasche für den Trinkflaschenhalter, einem Spiralkabel und zwei Cateye-Scheinwerfern, die mitttels eines Klicksystems am Lenker montiert werden. Mitgeliefert werden ein Steckernetzteil, ein auf den Akkupack abgestimmtes elektronisches Ladegerät und ein Kabel für den Zigarettenanzünder im Auto.

Die Scheinwerfer haben je eine Birne zu 10 und zu 4 Watt, eine Birne zu 2,4 Watt wird mitgeliefert. Für den "Normalfall" im beleuchteten Stadtverkehr reichen die 4 Watt vollkommen, der Akku hat dann eine Lebensdauer von knapp 5 Stunden. Wer sich für die kleinere Lösung entscheidet und die Birne zu 2,4 Watt einsetzt, kann sogar lt. Hersteller mit einer Stromleistung von ca. 8 Stunden rechnen. Heftig wird es nur, wenn das "Fernlicht" zum Einsatz kommt, beide Scheinwerfer verheizen dann bei 14 Watt die Ladung des Akkus in ca. 80 Minuten. Dafür wird man aber auch mit einem nett ausgeleuteten Weg belohnt, so dass auch im Finsteren eine flotte Fahrt möglich ist. Da die Scheinwerfer getrennt schaltbar sind, kann das Fernlicht bei Bedarf zugegeben werden, das ist auf jeden Fall akkuschonend. Mit ca. 1500 Ladezyklen haben die Akkus eine lange Lebensdauer, sie werden dann vom Hersteller fachgerecht gewechselt. Technisches Fazit: Eine zwar teure, aber lohnende Anschaffung.

Eines sollte jedoch von vornherein klar sein: Der Geist der Erleuchtung ist für den Straßenverkehr nicht zugelassen, d.h. offiziell darf er nur für Fahrten abseits öffentlicher Straßen eingesetzt werden. Doch letztlich spielte das keine Rolle für mich, mir war eine zuverlässige und lichtstarke Beleuchtungsanlage am Fahrrad wichtiger als die Gefahr, wegen einer Ordnungswidrigkeit belangt werden zu können. Leider erweist sich die StVZO hier als erhebliches Hindernis, wie auch in dem Tour-Artikel kommentiert wurde - vernünftiges Licht am Fahrrad wird durch veraltete Vorschriften blockiert. Dahinter steckt auch immer noch die autozentrierte Sichtweise, Fahrräder seien Sport- und Freizeitgeräte, die nach Einbruch der Dunkelheit und im Winter sowieso im Keller verstauben und Rost ansetzen. AlltagsradlerInnen, die ganzjährig unterwegs sind, kommen in diesem Szenario nicht vor.

Insofern plädiere ich dafür, sich gelegentlich nicht so sehr von Vorschriften gängeln zu lassen, sondern ein wenig flexibler zu sein - der eigenen Sicherheit zuliebe. Im Rahmen der Duldung ist einiges möglich, so stellt auch Tour fest: "Geduldet, obwohl nicht erlaubt, sind auch die hier getesteten Beleuchtungen." Sind doch die Ordnungshüter prinzipell schon froh, wenn wir unsere Fahrräder überhaupt beleuchten und nicht als lebensmüde Dunkelmänner und -frauen durch den Verkehr rauschen. Mein Plazet: Es werde Licht!

Eva Kröcher

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