Ausgabe 4/2001   Juli/August

Casablanca an Christi Himmelfahrt

Es gibt sie, die seltenen Momente, in denen sich Menschen und Gruppen unterschiedlichster Überzeugung und Herkunft zusammentun, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Der Moment, von dem hier berichtet wird, heißt Christi Himmelfahrt und war seit Urzeiten Feiertag in unserer abendländischen Kultur. Doch die Bosse der Standort Deutschland AG haben ihn uns weggenommen.
Nun müssen nicht nur die Dienste an diesem Feiertag arbeiten, ohne die das gesellschaftliche Leben nicht funktioniert (Gesundheit, Ordnung, Gastronomie u.ä.), sondern auch Banken und Börse zwingen immer mehr Arbeitnehmer zu Feiertagsarbeit.
Dagegen protestierten etwa einhundert Menschen vor der Börse. Sie kamen von der Kirche, von Vereinen und von den Gewerkschaften und folgten dem Demonstrationsaufruf der ver.di, der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft. Wir vom ADFC unterstützten die Aktion durch eine Radtour mit dem Arbeitstitel "Insider-Tour durch Bankfurt". Als besondere Punkte wurden angesteuert: die Landeszentralbank, das technische Zentrum der Commerzbank, die EURO-City-Baustelle auf dem ehemaligen Hauptgüterbahnhof, die bws-bank, die Neue Börse und die Deutsche Bundesbank. Sogenannte Insider gaben an Ort und Stelle einige Informationen und auch die eine oder andere Anekdote zum Besten.
Freie (Vor-)Fahrt wurde uns gewährt und durchgesetzt von Polizeibeamten auf Motorrädern. Deshalb an dieser Stelle noch mal unser Dank an die Polizei für die Unterstützung. Eine Steigerung der guten Zusammenarbeit hätte es nur noch geben können, wenn auch unsere uniformierten Begleiter auf Dienstfahrrädern der Polizei mitgefahren wären.
Das ist natürlich der Traum eines jeden Tourenleiters, dass er mit seiner Gruppe vorfahrtberechtigt und unter Polizeischutz alle gefährlichen Stellen im Stadtverkehr mühelos passieren kann. Und so war es für uns Tourenleiter ein wahres Vergnügen, etwa 50 Teilnehmer die 16 km lange Strecke von der Börse bis zum Gartenlokal Adler in Ginnheim zu lotsen. Bei schönstem Wetter waren natürlich auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bester Laune. Ein Vater berichtete ganz stolz, dass dies die erste größere Tour und die erste Demo für seine kleine Tochter war. Und, dass wir keine Panne hatten, ist sicher höheren Ortes so ausgehandelt worden. Denn von der Evangelischen Kirche fuhr mit Pröpstin Helga Trösken ein "ganz hohes Tier" mit.
Zufrieden mit dem Verlauf der Tour kehrten wir im Adler ein und gedachten beim Äppler einen kurzen Augenblick derer, die sich mit der Vorbereitung der Tour so große Mühe gemacht hatten und dann doch lieber in das Elsass zu einer Radtour gefahren sind. So konnten wir Tourenleiter allein die zufriedenen Gesichter der ver.di-Leute über die Veranstaltung sehen. Sie schienen sagen zu wollen: "Das könnte der Beginn einer langen Freundschaft sein".
Mitwirkende:
Georg Stingl und Bertram Giebeler: Vorschläge zur Tour, Anne Wehr: Ausarbeitung der Strecke, Koordination und Organisation, 4 Probefahrten, Hartmuth Lange: Tourenleitung, Ulrike Wübbena: Co-Tourenleiter, Günter Tatara: Co-Tourenleiter, Grußwort des ADFC, Jürgen Johann: Touren-Schlusslicht bei gleichzeitiger Rufbereitschaft für seinen Arbeitgeber (Bank)
Michael Weingärtner wünschen wir an dieser Stelle gute Besserung. Er sollte die Tour ursprünglich leiten.

Günter Tatara

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