Väter- und Kindertour zur SPEZI nach Germersheim

Am 23. April haben zwei Familienväter mit einem fast fünfjährigen bzw. zwei Kindern im Alter von 6 und 2 Jahren eine Radtour zur SPEZI 2005 unternommen. Wer's noch nicht weiß: „SPEZI“ ist die Spezialradmesse für Liegeräder, Liegedreiräder, Vierräder, Falträder, Tandems, Familienräder, Velomobile, Lasten- und Transporträder, Elektroräder, Reha-Mobile, Erwachsenenroller, Kinder- und Lastenanhänger, Sonderkonstruktionen und Zubehör.

Unterwegs waren wir mit unseren Liegerädern, einem Ostrad mit selbstgebautem Anhänger und ein Flevo-Bike mit Ritschie-Kinderanhänger für die beiden Älteren.

Die Anreise

Mit dem Zug sind wir zunächst bis Mannheim gefahren. Die Kinder hielten uns in den Doppelstockwagen gut auf Trab und tobten oben und unten herum. Ab Mannheim Hauptbahnhof wurde es für uns ruhiger, da saßen die Kids ja im Hänger. Der Weg an den Rhein war schnell gefunden. Eine angenehme Wärme hatte sich auch eingestellt, der Fahrradtour stand nichts mehr im Wege. Unser Ziel war Philippsburg, wo wir uns auf dem – übrigens empfehlenswerten – Bett & Bike-Campingplatz angekündigt hatten. Bis wir ankamen war die Sonne verschwunden, es wurde kühler und sah auch schon nach Regen aus. Die Zelte waren rasch aufgebaut, auch weil sich die Kinder an der 1a-Lage des Zeltareals auf einer schönen Wiese am See mit Sandstrand prima selbst beschäftigen konnten. Bei Dauercampern erkundigten wir uns nach Möglichkeiten, wie Germersheim erreicht werden konnte. Es stellte sich heraus, dass entgegen den Eintragungen auf den Fahrrad-Karten die Autobahnbrücke als Rheinüberquerung genutzt werden konnte. Etwa 2 Stunden nach Ankunft brachen wir mit Kindern wieder auf, um in Germersheim mit weiteren Aktiven der EUSTAFF zu Abend zu speisen.

Bereits bei der Ankunft in Germersheim begann es zu regnen. Nach einem opulentem Mahl und müde getobten Kindern fand die Rückfahrt im Dunkeln und im Dauerregen statt. Leider hatte ich nur die Regenjacke mit, die Regenhose hatte ich zu Hause vergessen. Stefan D. ging es besser, er hatte seine Regensachen dabei und wurde nur an den Füßen nass. So war ich nach 12 Kilometern Rückweg völlig durchnässt. Die Kids ließen wir erst mal schlafen und nahmen die verdiente und nötige warme Dusche, bevor wir die Kleinen in die Schlafsäcke brachten und selbst dazu sanken. Summa summarum haben wir an diesem Tag insgesamt 64 Kilometer hinter uns gebracht.

Am nächsten Tag regnete es immer noch. Zum Frühstück hörte es zum Glück auf, so dass wir draußen essen konnten. Die nahe gelegene Bäckerei hatte auch sonntags offen, die Versorgung mit frischen Brötchen war gesichert. Meine Frau war inzwischen mit dem Auto gekommen, so dass wir unsere nassen Zelte und nicht mehr benötigte Ausrüstung verladen konnten. Dann ging's auch schon zur SPEZI nach Germersheim – den Weg kannten wir nun ja schon ganz gut.

Die Messe

Der Sonntag auf der SPEZI bot auch für Kinder jede Menge Unterhaltung, auch eine Betreuung war vorhanden. Auf dem Kinder-Parcours, einem Bewegungs-Parcours und einer Hüpfburg kamen unsere Kleinen auf ihre Kosten, während wir andererseits auch mal unseren Interessen auf der Messe nachgehen konnten. Auch bei den Erwachsenen kam der Spaß nicht zu kurz: Wir haben an einem Säge-Wettbewerb teilgenommen. Mit einem umgebauten Fahrrad wurde eine Holzscheibe von einem Balken abgesägt, dabei musste mit hoher Geschwindigkeit getreten werden. Stefan D. ging mit gutem Beispiel voran und legte 9 Sekunden hin. Dann habe ich mich auch überreden lassen – und lag kurzzeitig mit gar nicht so schlechten 7 Sekunden mit in Führung, bis die Zeit dann doch noch von einem anderen Probanten übertroffen wurde. Aber Spaß hat's gemacht...

Die SPEZI hat nach wie vor den Charme, dass neben der Information über Neuentwicklungen von Fahrrädern, Zubehör und Komponenten oftmals direkt beim Hersteller auch immer der persönliche Kontakt möglich ist – sei es zu den vielen kleinen und innovativen Entwicklern, als auch zu Gleichgesinnten. Die Übersichtlichkeit bleibt gewährleistet, das Angebot ist insgesamt überschaubar und es gibt nicht, wie auf anderen großen Messen, massenhaft gleiche Produktangebote und Einheitsabfertigung. Der Einzelne wird nicht als lästiger Schaulustiger abgefertigt, sondern als Kunde ernst genommen. So erhielten wir zum Beispiel eine sehr gute und ausführliche Beratung zu einem größeren Kinderanhänger und konnten auch mal eine Sitzprobe machen – der Hänger wurde kurzerhand von dem hoch stehenden Präsentationspodest gehoben. Gut angekommen ist auch der Fahrradparcours, der in einen kleineren für Kinder und einen größeren für Erwachsene eingeteilt war und auf dem vergleichende Probefahrten mit vielen verschiedenen Rädern möglich waren. Dazu gab es – und das spricht wieder für die SPEZI – zusätzlich Aussteller, die vom Stand Räder verliehen, die auch außerhalb des Parcours Probe gefahren werden konnte. Zusätzlich war der Vorplatz der Stadthalle mit verkleideten Rädern und anderen größeren Rädern belegt, auch hier konnte getestet werden. Selbst die fußläufig leicht zu erreichende 3. Halle war in das Gesamtkonzept eingebunden: Mit Mehrpersonen-Fahrrädern wurde ein Pendelverkehr angeboten. Den gab es übrigens auch zum Bahnhof Germersheim.

Das Fazit der Messe selbst fällt uneingeschränkt positiv aus. Lediglich an den Randbedingungen besteht Verbesserungsbedarf. So sind die Übernachtungsmöglichkeiten, besonders die preiswerteren, sehr knapp. Campingplätze in unmittelbarer Nähe von Germersheim sind geschlossen bzw. waren im Vorfeld nicht erreichbar. Wir mussten auf einen 12 Kilometer entfernten Platz ausweichen.

Die Heimfahrt

Gegen halb fünf machten wir uns dann auf den Rückweg.  Zunächst folgten wir der Beschilderung der Veloroute am Rhein, die jedoch leider unvollständig war und uns auch mal in die Irre führte. Auch ständig wechselnde Schildarten und unterschiedliche Zielangaben überzeugten nicht besonders. Deshalb – und auch um etwas Zeit zu sparen – kürzten wir Richtung Speyer etwas ab und wählten den direkten Weg, statt am Rhein zu bleiben. In Speyer wurden die Wolken schon dichter, es regnete aber noch nicht. Mit einer kleinen Rheinfähre überquerten wir den Fluss, ein letzter Höhepunkt für die Kinder. Auf der anderen Seite begann es kurz zu regnen, aber nachdem wir die Regensachen an hatten, hörte es wieder auf. Kurz darauf begann es aber wieder zu tröpfeln und entgegen unserer Hoffnungen regnete es sich ein. Nach kurzer Zeit waren wir komplett nass, zu allem Unglück haben wir uns dann auch noch verfahren. Auf Umwegen gelangten wir nach Mannheim, wo wir hoffnungsvoll der Fahrrad-Beschilderung Richtung Zentrum folgten. Leider hörte diese Ausschilderung bald auf und wir folgten der allgemeinen (Auto-)Beschilderung. Das Vergnügen endete an einem Fahrradverbotsschild. Wir landeten in einem Mannheimer Vorort. Immer noch im Dauerregen passierten wir eine Bahnstation in einem Industriegebiet. Kurz darauf platzte Stefan D. der Hinterradreifen. Die spätere Obduktion im trauten Heim ergab einen Gewebeschaden im Mantel. Damit war die Fahrradfahrt beendet. Der nächste Zug fuhr leider erst eine Dreiviertelstunde später zum Mannheimer Hauptbahnhof. Entsprechend spät fanden wir Anschluss nach Frankfurt und weiter nach Friedrichsdorf, wo unsere Kinder und Teile der Ausrüstung von unseren Frauen im Auto abgeholt wurden, während wir beide noch mit dem Rad im Regen von Friedrichsdorf nach Burgholzhausen bzw. nach Wehrheim heimfahren mussten.

Stefan Pohl / Stefan Daniel, alle Fotos: Stefan Pohl

http://www.spezialradmesse.de/

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