Green Goal: Klimaschutz im Abseits!

Ende November präsentierte Bundesumweltminister Gabriel in Köln die ökologische Bilanz der Fußball-WM. Neben den unbestreitbaren Erfolgen, die durch die Umsetzung des Konzepts „Green Goal“ erreicht wurden, hat die Bilanz jedoch auch Lücken aufzuweisen: Die Klima-Auswirkungen, die die Fans aus dem Ausland bei ihren Flügen und beim Mehrverkehr durch die Fahrten zu Public Viewing-Stätten verursachten, wurden nicht berücksichtigt.

Was auf den ersten Blick wie eine Nebensächlichkeit erscheint“, so Stefan Lieb, Sprecher des Informationsbüros für Verkehr und Umwelt UMKEHR, „ist jedoch eigentlich das Hauptproblem!“ Ein Vergleich der Kohlendioxid-Mengen zeigt das: Das Organisations-Komitee der WM geht von rund 90.000 zusätzlichen Tonnen CO2 aus. Sie sollen durch CO2-reduzierende Projekte in Entwicklungsländern ausgeglichen werden, um die WM als „klimaneutral“ bezeichnen zu können. Unsere Berechnungen ergaben, dass durch den Fern-Flugverkehr mindestens 2,1 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich ausgestoßen wurden.

„Wer stolz ist, wenn er nur fünf Prozent eines Schadens wieder gutgemacht hat, sollte noch mal in sich gehen“, so Stefan Lieb weiter, „Deutschland ist also auch kein Öko-Weltmeister geworden!“ Jedoch sollte der Blick jetzt nach vorne gerichtet werden. Mit Südafrika sei in vier Jahren ein Land WM-Gastgeber, das angesichts seiner geografischen Lage noch viel mehr und viel längere Flüge verursachen wird.

Die FIFA sollte daher Südafrika umgehend logistische und finanzielle Hilfe zur Erfüllung des Ziels „Klimaneutralität“ anbieten. Bei allen zukünftigen Weltmeisterschaften muss der Welt-Fußballverband den Fern-Flugverkehr und die Public-Viewing-Veranstaltungen in ein erweitertes Green-Goal-Konzept aufnehmen. Sonst, so Stefan Lieb von UMKEHR, werde aus Green Goal ein „Own Goal“ (dt.: „Eigentor“) für den Klimaschutz.

Das Problem der Verkehrserzeugung durch Public Viewing sollte man auch nicht unterschätzen: Laut Angaben der ARD haben bis zu 17 Millionen Fußball-Fans Spitzenspiele „außer Haus“ – aber nicht in den Stadien – gesehen. Rund die Hälfte ging zu Public Viewing-Stätten, der Rest fuhr zum Fernsehen zu Freunden.

Hintergrundinformation

Der Verkehrssektor von „Green Goal“ umfasst den Flugverkehr aus dem Ausland sowie den inländischen Verkehr, der durch die Besuche der „Public Viewing“-Stätten verursacht wurde, nicht. Während man vor rund vier Jahren, als man Green Goal konzipierte, noch nicht ahnen konnte, dass der Verkehr zu den Großbildleinwänden denjenigen zu den Stadien weit übertreffen würde, hat man offensichtlich beim Flugverkehr, dem Klimakiller Nr. 1, nicht so genau hinschauen wollen.

Unsere Berechnung der Treibhausgasemissionen ist extrem konservativ, die angegebene Zahl ist als das absolute Minimum an zusätzlichen CO2-Emissionen zu verstehen. Wir haben bei der Berechnung nur ausländische Gäste erfasst, die (mindestens eine Nacht) in einem Beherbergungsbetrieb bzw. auf einem Campingplatz untergebracht waren. Privatunterkünfte wurden also vernachlässigt. Annahme war, dass die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zusätzlichen ausländischen Gäste im Juni–Juli 2006 durch die WM „angelockt“ wurden. Schließlich nahmen wir auch an, dass Fans aus einigen Nachbarländern gar nicht flogen und dass aus etwas weiter entfernten Staaten die Hälfte der Besucher mit Pkw, Bus oder Bahn kamen.

Links

Anzahl der Übernachtungen: vom Statistischen Bundesamt:
http://www.destatis.de/themen/d/thm_binnen.php

Berechnung CO2-Ausstoßes pro Kopf: http://www.atmosfair.de/fileadmin/user_upload/image4/PDF_Dokumentation_deutsch.p df

UMKEHR-Berechnungen zusätzliche CO2-Emissionen durch Fern-Flugverkehr (PDF): http://www.fuss-ev.de/download/WM-CO2-Emissionen-Fern-Flugverkehr.pdf

UMKEHR e.V. – Informations- und Beratungsbüro für Verkehr und Umwelt

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