Fahrraddiebstähle in Frankfurt
Wer selbst einmal davon betroffen war, weiß, wie weh ein Fahrraddiebstahl tut (nicht nur finanziell) und wie viel Zeit er kostet. 

Die erst kürzlich veröffentlichten Statistiken der Kriminalpolizei Hessen für 2005 sprechen eine deutliche Sprache: 3.752 Räder im Gesamtwert von rund 1,6 Mio € kamen 2005 ihren Eigentümern in Frankfurt abhanden, eine deutliche Steigerung gegenüber 3.126 gemeldeten Diebstählen im Jahr davor. Die Ursache für diesen gravierenden Anstieg der Fallzahlen ist unbekannt. Man erwartet aber bessere Zahlenwerte für 2006.

Was irritiert, ist die verhältnismäßig geringe Aufklärungsquote von 5,4 %. Das heißt im Klartext, dass nur jedes zwanzigste Rad zum ursprünglichen Eigentümer zurück fand, die übrigen neunzehn auf Flohmärkten (oder in e-bay) ungestraft verscherbelt worden sein dürften. Diese Zahlen sind eher noch geschönt, denn hohe Aufklärungsquoten von 18 % beim „Einfachen Fahrraddiebstahl“ besserten die miserable Quote von 3,6 % bei den „Schweren Fahrraddiebstählen“ erheblich auf. Unter Einfachem Diebstahl versteht man den Klau ohne Gewaltanwendung, hier also von unverschlossen abgestellten oder miserabel gesicherten Rädern. Diese werden auch für Spritztouren verwendet und irgendwo stehen gelassen.

Die Täter sind häufig im Drogenmilieu angesiedelt, aber auch Gelegenheitsdiebe fanden gute Beute, vor allem im Innenstadtbereich, für den das 1. Polizeirevier (auf der Zeil) zuständig ist, und in Bockenheim (13. Revier).

Besagte Täter finden meist genügend Ware, ohne sich sonderlich anstrengen zu müssen. Ein billiges Drahtseil widersteht nicht einmal der Kneifzange, geschweige denn dem Bolzenschneider. Gerade hier eröffnet sich vielen Jugendlichen „die Chance“, nach einigen gelungenen einfachen Coups in eine kriminelle Karriere einzusteigen. Schwimmbäder und Schulen sind geradezu Magneten. Hochwertige Schlösser sind dagegen nur von Spezialisten zu knacken. Es lohnt sich also, dafür etwas zu investieren.

Zwei Drittel aller gestohlenen Räder sind in der Preisklasse bis 500 € angesiedelt, etwa ein Drittel darüber, darunter immerhin 42, die mehr als 2500 € gekostet hatten.

Die besprochene Statistik differenziert nicht zwischen codierten und uncodierten Rädern. Das ist schade. Klar finden auch codierte Räder ihre Liebhaber, besonders, wenn sie mangelhaft verschlossen sind oder hochwertige Komponenten wie Rohloff-Naben und Nabendynamos, aufweisen. Generell gilt aber als sicher, dass die deutlich sichtbare Codierung einen Weiterverkauf auf dem Flohmarkt oder in e-bay sehr schwierig macht. Zu viel an Zeit muss dann investiert werden, um die Codierung wieder unsichtbar zu machen. Die wendet der Dieb in aller Regel nicht auf, sondern entscheidet sich für die leichter absetzbaren Räder.

Alfred Linder

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