Bärige Kurzkur in Bad Mergentheim

Von dem sehenswerten Wildtierpark von Bad Mergentheim hatte ich vor geraumer Zeit durch Zufall erfahren. Dass es dort auch unter naturnahen Bedingungen lebende Braunbären gibt, weckte unser Interesse. Nachdem wir ohnehin eine Woche auf Tour gehen wollten, ließ sich das sehr gut kombinieren. Die Route soll uns über Lohr und Würzburg führen, aber weitgehend abseits des Mains. Die Quartiere (Privatpensionen) suchen wir uns aus den Internetseiten der genannten Städte, werden fündig und reservieren vorab telefonisch.

Gesagt getan. Um den Weg etwas abzukürzen, nahmen wir ab Ffm bis Hanau die Bahn, im Doppelstockzug nach Wächtersbach lässt es sich sehr komfortabel ein- und aussteigen.

So, 10.6.2007 (Hanau-Kahlgrund-Engländer-Lohr, 80 km)

Am Sonntagmorgen ging es bei sommerlichen Temperaturen um 30 Grad dann von Hanau aus los. Auf bekannten Pfaden gelangen wir Richtung Kahl und von dort auf den Kahlgrundradweg. Diesem folgen wir gemächlich steigend bis Schöllkrippen. Statt der empfohlenen Radroute orientieren wir uns an der Landstraße über Vormwald, geplante Einkehr ist auf der „Passhöhe“ beim „Engländer“. In Schöllkrippen ist die Steigung relativ stark, wird dann aber sachter, gleichmäßig lässt es sich dem Berg entgegenkurbeln.

Der Engländer hat leider zu (letzter Tag des Jahresurlaubs). Wir lassen uns auf der anderen Seite den Berg „hinunterfallen“ nach Jakobsthal und stärken uns bei Kochkäs' und Kuchen in der „Knöpphütte“.

Ausreichend gestärkt folgen wir weiter der Landstraße Richtung Heigenbrücken. Kurz vor dem Ort verzweigen wir auf einen parallelen Forstweg. Das dortige Freibad hat leider (vermutlich für immer) geschlossen. Es war schon mal ein Erfrischungspunkt auf einer Zelttour vor über 10 Jahren. Ehe wir uns versehen, sind wir wieder auf einer Radroute (Kahl-Spessart-Route). Wir folgend dieser abschnittsweise, sie ist recht gut ausgeschildert, aber einige (unnötige) Berge lassen wir aus. Es ist halt leider so, dass auf derartigen Strecken Radler/innen immer wieder unnötig die Berge hinaufgeschickt werden, obwohl im Tal eine wenig befahrene Landstraße auch ans Ziel führt. Ob das an der Ahnungslosigkeit der Planer oder an einer Straßenphobie einiger Radler/innen liegt, lässt sich nicht ergründen. Schließlich gelangen wir (wieder auf der Route) nach Lohr. Unser Quartier in einem über 500 Jahre alten Haus liegt ruhig und sehr zentral. Einem ausgiebigen Stadtbummel schließt sich ein Abendessen im empfehlenswerten Gasthaus Mehling an.

Mo, 11.6.2007 (Lohr-Steinfeld-Urspringen-Würzburg, 45 km)

Nach ausgiebigem Frühstück (mit Eiern von ‚glücklichen Hühnern') geht es los. Es hat sich etwas abgekühlt. Bei leichtem Nieselregen überqueren wir den Main, um Richtung Steinfeld anzusteigen. Die einsame Hochfläche um Urspringen erinnert entfernt an Touren im französischen Jura. Über Billinghausen geht es abwärts nach Leinach. Dort wieder am Main angelangt, gönnen wir uns eine Erfrischung in einem Badesee, den wir für uns allein haben. Nach dem Picknick rollen wir weiter, diesmal entlang des Mains und erreichen am frühen Nachmittag Würzburg. Dies ist Absicht, denn die Stadt lohnt sich. Unser Quartier liegt wieder sehr zentral, ist aber nicht ganz so ruhig. Würzburg ist sehenswert, wir bummeln durch die Altstadt und den großen Park an der Residenz, Abendessen im „Sternbäck“ mitten in der Stadt.

Di, 12.6.2007 (Würzburg-Steinbachtal-Tauberbischofsheim-Bad Mergentheim, 58 km)

Frisch gestärkt folgen wir wenige Kilometer dem Main, um dann ins Steinbachtal abzuzweigen. Im Schatten der Bäume geht es kontinuierlich aufwärts. Leider sind weiter oben die Waldwege von einer schlechten Oberfläche (loser Kleinschotter), der bergauf Kraft und bergab hohe Aufmerksamkeit fordert, es regnet etwas.

Wir verlassen den Wald bei Kleinrinderfeld und kommen wieder auf bessere Wege. In Ilmspan werden wir Zeuge eines unerfreulichen Ereignises: Die Feuerwehr löscht gerade einen Dachstuhlbrand. Weiter erreichen wir über Großrinderfeld (woher der Ortsname wohl kommt?) Tauberbischofsheim. Dort pausieren wir, bevor wir dem Tauberradweg nach Bad Mergentheim folgen. Es liegt ein Gewitter in der Luft, entgegenkommende Radler sind in Regensachen gehüllt, während wir munter in luftigen Klamotten fahren – aber an unserem Ziel muss ein kräftiges Gewitter niedergegangen sein. Das Quartier für die nächsten zwei Tage liegt ruhig, durch Grünanlagen führt ein kurzer Fußweg in die Stadt. Wir richten uns ein.

Mi, 13.6.2007

Heute besuchen wir den etwa 4 km entfernten Wildtierpark. Ein Abzweig vom Tauberradweg führt hinauf (ca. 200 Höhenmeter). In dem Park werden nahezu alle bei uns heute und einst lebenden Wildtiere in weitgehend naturnaher Umgebung dargestellt. Mittlerweile selten gewordene Nutztierarten werden ebenso gezeigt wie das Durchführen landwirtschaftlicher Tätigkeiten in früherer Zeit. Es gibt drei Braunbären, die in einem naturnahen Gehege mit Felsen und Badesee (Bären baden gerne) leben. Sie haben Rückzugsmöglichkeiten, lassen sich aber auch gut beobachten.

Wir beschließen den Tag (wieder) bei einem guten Essen im Gasthof Johanniter.

Do, 14.6.2007 (Bad Mergentheim-Tauberbischofsheim-Hardtheim-Miltenberg, 63 km)

Nach wiederum hervorragenden Frühstück folgen wir dem Tauberweg bis Tauberbischofsheim, um dann auf den „Odenwald-Madonnenweg“ abzubiegen. Dessen Name ist selbsterklärend: Entlang des Weges gibt es viele Kapellen, Marienkreuze und Kreuzwege. In etwa der Bundesstraße folgend, aber teils in ordentlichem Abstand. Steigend, aber ohne unnötige Steigungen, folgen wir dem Weg bis Hardtheim. Von dort führt uns eine wunderbare, wenig befahrene Landstraße über mehr als 20 km leicht bergab bis kurz vor Miltenberg, wir können es rollen lassen.

In Miltenberg (von hier wären es noch ca. 80 km) beenden wir die Tour bei einem ‚Kräusen' im Gasthaus zum Riesen.

Abschließend rollen wir zum Bahnhof und erreichen nach Umsteigen in Aschaffenburg wohlbehalten Frankfurt (wer Zeit hat, kann natürlich auch noch mal übernachten und am nächsten Tag die rd. 80 km bis Frankfurt unter die Räder nehmen). Eine schöne Tour bei durchweg angenehmen Wetter getreu dem Motto „Man muss nicht immer in die Ferne schweifen…“ geht zu Ende.

Text und Fotos: Jürgen Johann

Hilfreiche Adressen im Netz

Als Quartiere nutzen wir vorzugsweise zentral gelegene Privatzimmer, diese haben wir über unten genannte Adressen recherchiert und telefonisch gebucht. Anbei ein paar Verweise zu Quartieren und weiteren Informationen, die bei der Planung hilfreich waren.

Lohr http://www.lohr.de/msp-branche/branche_searchresult.asp? SID=cms28062007120651236322&BID=cms28062007120651236322&bmsr=1&seite=2

Würzburg http://www.wuerzburg.de/hotelswue/?was=suche&id=5& su[obj]=ja&sp[was]=d

http://www.wuerzburg.de/tourismus/radfahren/index.html

Bad Mergentheim http://www.bad-mergentheim.de/Unterkunft-suchen.767.0.html#c584

www.wildtierpark.de

Miltenberg: http://www.miltenberg.info/

Wer wissen will, was es mit Kräusen auf sich hat, schaue nach unter www.faust.de.

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