Fahrraddiebstahl im Studenten-Wohnheim

Sehr geehrter Herr Ludewig,
von einem Bewohner dieses Studentenwohnheims wurden wir angeschrieben, da er immer wieder von seinem Zimmer aus beobachten kann, wie auf dem Fahrrad-Abstellplatz nächtens (meist kurz vor Mitternacht) Jugendliche sich an den dortigen Rädern zu schaffen machen.  Wir haben uns die Gegend selbst angeschaut und neben einer recht großen Anzahl von Billigst-/Schrotträdern auch eine Anzahl recht brauchbarer Räder, teilweise aber mangelhaft gesichert, insgesamt etwa 200 Stück, gezählt.

Die vorhandenen Abstellvorrichtungen sind dem „Verkehrsaufkommen“ in keiner Weise gewachsen und entsprechen nicht den vom ADFC und der Polizei gewünschten Standards. Das gebotene Bild ist auch keine wirkliche „Visitenkarte“ für das Wohnheim.  Uns ist durchaus bekannt, dass die Studierenden die wesentlich bessere Lösung des Parkens in der Tiefgarage nicht annehmen, wohl aus Bequemlichkeit und fehlender Einsicht in die Kriminalitätsbereitschaft hiesiger Jugendbanden. Mögen ja im Einzelnen auch durchaus für das dort geparkte Rad auf dem Flohmarkt gerade mal 20 Euro bezahlt worden sein. Ohne jemand zu nahe zu treten, fürchte ich, dass sich darunter einige Räder befinden, die in den Polizeiakten als abgängig geführt werden.  Herr Kohl bestätigte die von unserem Informanten gegebenen Zustände und regte an, dass ich mich mit Ihnen darüber austausche. Ich gebe zu, dass ich auf Anhieb keine Lösung anzubieten habe, die allen gerecht wird. Herr Kohl erwähnte, dass nach Semesterbeginn die schrottreifen Räder eingesammelt und entsorgt werden, um Platz für die noch intakten Räder zu schaffen. Sicher eine vernünftige Sache. wir regen an, die Rahmennummern der verschrotteten Räder an die Polizei zu melden, damit dort Altfälle aus den Akten getilgt werden können.  Sinnvoll und etwas abschreckend für Diebe könnte es sein, wenn Bewegungsmelder Flutlicht in den entsprechenden Geländen auslösen, damit die Täter nicht die Dunkelheit nutzen können. Der Polizeiladen in der Zeil wäre bereit, bei einem Ortstermin entsprechend zu beraten.  Eine zusätzliche Möglichkeit besteht darin, die Fahrräder codieren zu lassen. Wir gravieren seit 12 Jahren in verschlüsselter Form Adresse und Initialen der Eigentümer in das Sattelrohr, so dass gefundene oder kontrollierte Räder schnell dem wirklichen Eigentümer zugeordnet werden können. So gekennzeichnete Räder sind am Flohmarkt oder im Internet nur noch schwer absetzbar, entsprechend geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls – Komponentenklau natürlich ausgenommen. Vorteil ist, dass herrenlos gewordene Räder schnell identifiziert werden können, was ja bei der großen Fluktuation häufiger vorzukommen scheint. 

Wir vom ADFC wären durchaus bereit, die Codierung zu einem stark verbilligten Preis durchzuführen, da uns die finanzielle Situation der Studierenden nicht ganz unbekannt ist. Allerdings ist uns klar, dass niemand zu so einer Codierung gezwungen werden kann. Inwieweit Sie über Ihr Hausrecht Auflagen verfügen können, ist uns nicht geläufig.  Desweiteren wäre es angebracht, mittels Aushang am Schwarzen Brett und mit Handzetteln die Besitzer von Fahrrädern mit Tipps zu versorgen, wie sie am besten ihr Fahrrad sichern können und wie sie sich beim Beobachten von strafbaren Handlungen verhalten sollten.  Gerne würde ich mit Ihnen ein direktes Gespräch führen, bei dem wir die vorhandenen Möglichkeiten diskutieren können.

Mit freundlichen Grüßen

Alfred Linder

Sehr geehrter Herr Linder,
wir sehen gegenwärtig keine Veranlassung, unsere Vorgehensweise
bezüglich der Fahrräder zu ändern. Wir stellen Ihnen anheim, unsere
Mieter per Postwurf über die Möglichkeit einer verbilligten Fahrradcodierung
zu informieren.

Mit freundlichen Grüßen
In Vertretung
Gerd Zoller
stellv. Geschäftsführer
MainSWerk
Studentenwerk Frankfurt am Main
Anstalt des öffentlichen Rechts
Wohnheimabteilung

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07.09.2007 I ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt