rechts: Da es praktisch keine Polizeikontrollen gibt, helfen leider nur die optisch wenig ansprechenden Poller.
Ansgar Hegerfeld (2)
Modalfilter gerichtlich bestätigt
Der Rechtsstreit um die Modalfilter in der Cronstettenstraße und Humbrachtstraße ist in der ersten Instanz entschieden: Die Poller dürfen bleiben, der klagende Anwohner unterliegt vorm Verwaltungsgericht Frankfurt.
Im Zuge der „fahrradfreundlichen Nebenstraße“ Oeder Weg gab es im Jahr 2022 Beschwerden, vor allem aus der Cronstettenstraße, über zusätzlichen Autoverkehr im Holzhausenviertel. Der Ortsbeirat 3 beschloss daraufhin weitere Maßnahmen: Zwei neue Modalfilter in der Cronstettenstraße und Humbrachtstraße sollten zur Verkehrsberuhigung installiert werden, die Stadtverwaltung setzte diesen Wunsch rasch um. Ein Anwohner aus dem Holzhausenviertel versuchte nun per Klage, die zusätzlichen Modalfilter wieder entfernen zu lassen. Am 12. November 2025 fand die mündliche Gerichtsverhandlung statt, der ADFC Frankfurt war natürlich mit im Gerichtssaal.
Der Kläger und sein Anwalt konnten bei der Verhandlung nicht nachweisen, dass der Wohnort des Klägers nicht mehr rechtzeitig durch Rettungskräfte erreicht werden kann. Auch wurde mit verlängerten Anfahrtswegen von mehreren Feuerwachen argumentiert. Die Richterin stellte mit Karten dar, dass es an den vom Kläger genannten Adressen keine Feuerwachen gibt oder diese am anderen Ende der Stadt (Griesheim) lagen. Selbst letztere wäre dem Gericht zufolge aber durch die Himmelsrichtung nicht von den Modalfiltern betroffen. Der Kläger warf der Stadt Frankfurt einen Willkürakt ohne Bürgerbeteiligung vor, obwohl der Ortsbeirat 3 als politisches Gremium die Einrichtung der Modalfilter mehrheitlich in einer demokratischen Abstimmung und mit öffentlicher Bürgerbeteiligung beschlossen hat.
Die Richterin ließ bereits bei der mündlichen Verhandlung durchblicken, dass sie die rechtliche Grundlage der Stadt Frankfurt nachvollziehen und diesbezüglich keine Probleme erkennen kann. Im Gegensatz dazu konnte sie der Argumentation des Klägers und seines Anwaltes über weite Teile nicht folgen. Das Gericht sah die Maßnahme aufgrund der Zunahme des Kraftverkehrs und durch die damit einhergehende gestiegene Gefährdung als gut begründet und verhältnismäßig an. Die Poller wurden dabei auch als recht mildes Mittel angesehen, weil weiterhin jede Adresse per Kfz erreichbar bleibt. Auch mit Blick auf die Rettungskräfte sah sie keine Probleme, schließlich hatte die Branddirektion den Maßnahmen zugestimmt.
Bis Redaktionsschluss war unklar, ob der Kläger auch in die nächste Instanz gehen wird. Wir werden den Fall aber weiter verfolgen.
Die positiven Effekte überwiegen immer
Modalfilter sorgen in Frankfurt schon seit Anfang der 2000er Jahre für Verkehrsberuhigung, weniger Lärm in Wohnvierteln und mehr Sicherheit. Anfangs sind die Maßnahmen praktisch jedes Mal umstritten, aber die positiven Effekte überwogen bisher nach der Eingewöhnung immer. Nach einer Weile fordern häufig sogar die anfänglichen Kritiker:innen noch mehr Verkehrsberuhigung, nachdem sie selbst von den positiven Effekten profitieren.
Der Rückbau aller circa 90 baulichen Modalfilter in Frankfurt (siehe dazu Frankfurt aktuell 3-2023) hätte drastische Folgen für Kinder, die Anwohner:innen und auch die Fahrradstraßen: Sobald die Navigationsgeräte und Menschen die erneute Freigabe verinnerlicht hätten, würden die bequemsten und kürzesten Wege wieder mit dem Auto gefahren werden – egal ob man dabei durch ein Wohngebiet fährt oder nicht. Diese verlockenden Angebote würden weitere Menschen zum Umstieg ins Auto motivieren, bevor sich dann mittelfristig der Stau wieder vergrößert.














