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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main   

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

Quelle (mit Genehmigung): Frankfurter Neue Presse, 16. März 2026

Wenn das Rad einen Wohnwagen zieht

Auf der Messe „Rad und Reise“ zeigt ein Tüftler einen solarbetriebenen Fahrradan-
hänger

Bornheim – Früher galt das Fahrrad vor allem als Verkehrsmittel von Kindern und Erwachsenen, denen das
Geld fürs Auto oder für bestimmte Zeit der Führerschein fehlte. Das Image hat sich geändert. Am Sonntag
veranstaltete der „Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club “ (ADFC) die Messe „Rad und Reise“ im Bürgerhaus
Bornheim. Hinter der 28. Ausgabe steckte eine neue Idee.

Über fehlendes Interesse braucht sich der ADFC einmal mehr nicht zu grämen. Beim Startschuss um 11 Uhr
steht eine Schlange vor den beiden Kassen. Bisher nannte sich die jährliche Veranstaltung „Radreisemesse“,
nun jedoch „Rad und Reise“. Die Organisationsleiterin Birte Schuch nennt den Grund für die kleine Namens-
änderung: „Wir wollten das Feld der Aussteller erweitern,“ neben den Vertretern einzelner Regionen und
Reiseveranstalter auch Radanbieter in den Saalbau locken. Schuch erzählt, vor zehn Jahren habe sie selbst
die Messe das erste Mal besucht, sei schließlich in den ADFC eingetreten. Im vergangenen Jahr organisierte
die 58-Jährige die Messe zum ersten Mal.

Als Radanbieter gelang es dieses Mal etwa Martin Pinsonnault von Faoug nach Frankfurt zu holen. Das
Schweizer Dorf liegt im Kanton Waadt, dessen Hauptstadt Lausanne bekannter sein dürfte. Der Gründer
von „CampCycle“ und IT-Spezialist entwarf die Variante eines Wohnwagens, der sich mit dem Fahrrad ziehen
lässt. Angebracht ist es jedoch, mit einem E-Rad unterwegs zu sein, denn 48 Kilo sind nicht locker einzig mit
Muskelkraft zu ziehen, schon gar nicht, wenn es hochgeht. Die Stromversorgung im 1,2 Meter hohen, 87
Zentimeter breiten und 2,06 Meter langen Anhänger läuft über Solar.

Das Teil wird dem Qualitätssiegel „Made in Switzerland“ voll gerecht. Die Mischung aus Kunststoff und Zelt-
plane lässt den Besitzer auch in stürmischen Nächten ruhig schlafen. Der in der Manufaktur gefertigte, mit
Ersatzrädern ausgestattete Anhänger kostet 7500 Euro, lässt sich binnen 15 Minuten zur Schlafkoje auf- und
in der gleichen Zeit auch wieder zusammenbauen.

Messeteilnehmer wie Ralf Lemster finden sich selten. Auch der 62-Jährige demonstriert, wie es möglich ist,
gleichsam auf dem eigenen Rad zu übernachten. Lemster ist kein Anbieter. Der Mann erzählt davon, seinen
Alltag komplett mit dem Rad zu erledigen. So fahre er etwa von Sindlingen nach Rheinhessen, um im Las-
tenrad 60 Flaschen Wein zu holen, „dann komme ich auf 100 Kilometer“. Auch hier gilt: „Ohne E-Motor wäre
so nicht möglich.“

Mit seinem Lastenrad von „Riese & Müller“ aus Mühltal bei Darmstadt sei er zu SpaceCamper/RW nach
Darmstadt gefahren. Die Fahrzeugbau GmbH baut Autos zum Camper um. Lemster wünschte sich jedoch,
sein Rad in einen mobilen Zeltplatz zu verwandeln: „In drei Stunden waren sie fertig.“ Auch der Sindlinger benötigt 15 Minuten, um zwischen den Reifen im Bett zu liegen: „Ich schlafe darauf blendend – mit und ohne Zelt.“

In jüngerer Vergangenheit kamen auch organisierte Touren in Mode. „Radtourlaub“ nennt sich die Geschich-
te, die Katja Weißenfels für die Festunion GmbH aus Dresden dreimal im Jahr organisiert. So geht es etwa
bei der „Tour de Süden“ mit vier großen Bögen über sieben Tage zwischen dem 5. und 13. September von
Schwabach nach Landshut.

Die gut 200 Teilnehmer teilen sich je nach Geschwindigkeit, E-Bike oder klassischem Rad in fünf Gruppen
auf. Wer will, kann in einem Hotel, einer Jugendherberge oder auch einer Sporthalle übernachten, „etwas
für jene, die sich an die Atmosphäre in der Jugend erinnern wollen“.

Mit am Stand steht Alex Nettenbusch, der 20 Jahre in Frankfurt lebte, dann in seine Heimat Neukirchen im
Saarland zurückzog. Von der Commerzbank habe er 2012 eine Abfindung bekommen, sich ein Rad gekauft
und im Internet „Radtourlaub“ entdeckt. Seit damals fahre er mit, „die Atmosphäre ist ungemein entspannt“.

Mittlerweile nutzt auch der 60-Jährige ein E-Rad. Durch seine Arbeit als Berater fehle zunehmend die Zeit,
sich oft genug auf Rad zu setzen, „darunter leidet leider die Form“.

Stefan Mangold