26.07.2012

Leserbrief von Verkehrsdezernent Stefan Majer

Mit den Mitteln die für den Straßenbau zur Verfügung stehen mehr für den Radverkehr ereichen

Im Artikel "Das neue Tor zum Osten", FRANKFURT aktuell Heft 4/2012 Seite 4, heisst es im letzten Absatz:

Wie weiter mit dem Radroutennetz?

Der Ausbau dieses Teilstücks der Ost-Route wirft die Frage auf, wie es generell künftig mit dem weiteren Ausbau von Radrouten in Frankfurt bestellt ist. Im FR-Interview vom 5.7. erteilte Verkehrsdezernent Stefan Majer dem Routenkonzept ziemlich unverblümt eine Absage und kündigte die Verfolgung eines „Lückenschluss-Konzepts” als Leitlinie des künftigen Ausbaus der Radverkehrsinfrastruktur an. Das liest sich doch sehr wie „hier mal eine Schippe Teer ins Schlagloch, da mal einen Strich weiße Farbe auf die Fahrbahn, dort mal eine Bordsteinkante abgesenkt – Hauptsache es kostet nicht viel”.

Lückenschluss ist immer richtig, wenn dahinter ein Konzept steht, das auf die Realisierung eines alltagstauglichen Radverkehrsnetzes abzielt. In einer Stadt mit 700.000 Einwohnern mit ständig steigendem Radverkehrsanteil ist das eine anspruchsvolle Aufgabe, für die auch Geld in die Hand genommen werden muss. Gerade für einen grünen Dezernenten gilt: man kann nicht den steigenden Radverkehrsanteil als eigenen Erfolg feiern, aber dann nur noch die kleinstmöglichen Brötchen backen wollen, wenn es um Investitionen in die Radverkehrsinfrastruktur geht.

Dazu erhielten wir folgenden Leserbrief von Stefan Majer, Verkehrsdezernent der Stadt Frankfurt am Main:

Stadt Frankfurt am Main
Stefan Majer
Stadtrat
Verkehrsdezernent

ADFC Frankfurt am Main e.V.,
Redaktion Frankfurt aktuell
Fichardstr. 46
60322 Frankfurt am Main

Frankfurt am Main, 26.07.2012

Leserbrief zur Nr. 4/2012, Seite 4, letzter Absatz

Liebe Redaktion, lieber Bertram Giebeler,

Deine kritischen Anmerkungen nehme ich freudig zur Kenntnis und möchte dazu etwas klarstellen: Es geht bei dem von mir angekündigten Paradigmenwechsel nicht um eine Schippe Teer dort und ein wenig weiße Farbe hier. Es geht darum, mehr Brötchen zu backen, statt sich jahrelang nach wenigen, großen Torten zu sehnen.

Ich möchte, dass mit den im Straßenbau zur Verfügung stehenden Mitteln noch mehr als bislang zwei Ziele für den Radverkehr in unserer Stadt erreicht werden:

  1. Radverkehrsanlagen sind keine "Sonderpositionen", sondern selbstverständlicher Bestandteil von Planung und Bau. Das wird auch bedeuten, dass im Haushalt immer weniger Sondertitel auftauchen werden, einfach weil Baumaßnahmen (wie z.B. die kürzlich fertiggestellte Kurt-Schumacher-Straße) den Radverkehr selbstverständlich mit berücksichtigen.
  2. Umsetzbare Lückenschlüsse im bestehenden und sich stetig verbessernden Netz werden mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen prioritär angegangen. Das bedeutet keineswegs, dass die Abarbeitung langer, linearer Routen zu den Akten gelegt wird. Nur während wir versuchen, auch vom Fördergeber die notwendigen Millionen bewilligt zu bekommen, soll nichts liegenbleiben, was wir mit eigenen Mitteln zeitnah realisieren könnten.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die vielen Beiträge auf der Meldeplattform Radverkehr zeigen uns, dass vielen Radlern in unserer Stadt daran gelegen ist, Problemstellen im Netz zu beseitigen und das Netz als solches weiter zu knüpfen. Das können wir auch mit der fachkundigen Hilfe des ADFC schneller schaffen, wenn wir nicht jahrelang nur darauf warten, dass sich millionenteure und kilometerlange Radialrouten endlich am Stück umsetzen lassen.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Majer

Der ADFC Frankfurt dankt Verkehrsdezernent Majer für seine ausführliche Stellungnahme. Wir werden sowohl hier im Internet als auch in unserer Zeitung FRANKFURT aktuell das Thema weiter verfolgen.

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