Ausgabe 1/1999   Jan. / Feb.


Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 8.12.1998:

"Park-Petzen" helfen Hilfspolizei

Rund 30 "Ehrenamtliche" melden der Stadt Falschparker

sibi. Die Hilfspolizei wird nicht nur von privaten Leiharbeitnehmern beim "Knöllchen"-Verteilen unterstützt: Auch etwa 30 "Dauer-Anzeiger" melden regelmäßig beim Ordnungsamt Fahrzeuge, die im Stadtgebiet nicht korrekt abgestellt wurden und zwar unentgeltlich, wie Joachim Seidl, der beim Ordnungsamt für "Verfolgung und Ahndung von Ordnungswidrigkeiten" zuständig ist, bestätigte. Zum Teil sei das Anzeigen wohl Hobby, Manie oder Querulantentum der "Park-Petzen", zum Teil aber auch begründetes Interesse: Speditionen etwa, deren Hofeinfahrten zugebracht würden, erstatteten zum Teil 20 bis 30 solcher Anzeigen im Jahr.

Um den "Ehrenamtlichen" ihre denunziatorische Arbeit zu erleichtern, nennt das Ordnungsamt den Dauer-Anzeigern ein genaues Schema, nach dem jeder Falschpark-Fall zu melden ist: "Wir sagen den regelmäßig Anzeigenden, welche Angaben in der Computermaske in welcher Reihenfolge erfaßt werden, dann brauchen wir die Angaben anschließend nur noch so abzutippen das geht schneller." Einige besonders Eifrige wüßten auch schon die Nummern der Tatbestände etwa 2314 für unberechtigtes Parken auf einem Behindertenparkplatz. "Wenn man solche Anzeigen oft aufgibt, erspart das ziemlich viel Schreibarbeit." Jedes Jahr erhalte das Ordnungsamt zwischen 110.000 und 120.000 solcher Anzeigen, 99 Prozent davon schriftlich. Vordrucke, die nur noch auszufüllen sind, will man in Frankfurt aber noch nicht verteilen. In Köln soll das Ordnungsamt entsprechende Formulare unters Volks gebracht haben auch, um eine Überwachung von Halteverboten oder gebührenpflichtigen Parkplätzen rund um die Uhr besser gewährleisten zu können. "Auch in Frankfurt besteht in der Bevölkerung ein hohes Interesse daran, daß Falschparker verfolgt werden", sagte Seidl. Das zeigten die hohen Anzeigen-Zahlen. Zugeparkte Einfahrten, Bürgersteige oder Behindertenparkplätze störten viele Menschen. "Natürlich gibt es auch Querulanten, die ihren Nachbarn eins auswischen wollen", meint der Ordnungsamtsmitarbeiter. Wenn solche Fälle bekannt würden, gehe das Amt damit "vorsichtiger" um. Verfolgt würden jedoch alle Anzeigen. Gelegentlich sei die Motivation der "Park-Petzen" wohl auch Rache für den eigenen Schaden: "Wenn jemand selbst ein "Knöllchen" bekommen hat, zeigt er manchmal hinterher andere an."

Anmerkung der Redaktion:
Nicht gerade die feine Art, jemandem eines auszuwischen. Leserbriefe auf diesen Artikel sprachen von üblem Denunziantentum und Blockwartmentalität, gleichzustellen mit Beispielen aus unseliger Zeit. Dieser Vergleich ist absurd. Wer die Dreistigkeit mancher Falschparker kennt, kann im Einzelfall durchaus Verständnis für die Petzer aufbringen.

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