Ausgabe 1/1999   Jan. / Feb.


LESER BRIEFE III

zu Leserbriefen in ffa 6/98

 

Zu "Ehrenamtlichkeit und Professionalität"

Alle Jahre wieder taucht, nicht nur zur Weihnachtszeit, das Thema der sogenannten "Professionalität" im Verein auf.

Mir ist nicht einsichtig, warum die Vorgehensweise "verteilt nur Geld unter einigen Aktiven und schon geht alles besser" so viel erfolgreicher als der "Laienstand" sein soll. Es ist lediglich viel einfacher Menschen zu entlohnen, als sich selber kritisch zu hinterfragen, warum so viele Freiwillige bereits nach kurzer Zeit wieder fluchtartig in der Versenkung verschwinden. Das Problem liegt meines Erachtens bei den bereits Aktiven, die bislang nicht bemerkt haben, daß sie mit einem sehr kostbaren Gut hantieren, nämlich dem Engagement von Menschen in ihrer Freizeit.

Auch mir ist geläufig, daß in vielen Fällen die Neuaktiven zur Tätigkeit gepreßt werden, wie vor vielen Jahren die Seeleute zur Mitfahrt auf einem Seelenfänger. Man/frau hat eine tolle Idee, die sofort zum Nutzen des Vereins umgesetzt werden muß. Anstatt diese Idee mit anderen Menschen weiter zu entwickeln, werden lediglich Statisten für die Arbeit gesucht. Diese Denkweise merken die Angesprochenen bald und bleiben weg, da sie häufig schon tagsüber im Beruf mit dieser Vorgehensweise konfrontiert werden und wenigstens in ihrer Freizeit eigene Ideen und Vorstellungen einbringen möchten.

Ein weiterer Aspekt ist der Zielkonflikt zwischen "Profis" und "Laien". Der eine Mensch wird für die Arbeit bezahlt und muß sie daher tun, der andere ist in seiner Freizeit und läßt sich nur kurz zu Aktivitäten verleiten, die er/sie nicht möchte.

Selbstverständlich soll Selbstbereicherung nicht sein; nur wer will die Grenzen festlegen? Bei dem Beispiel des Tourenleiters, der sich Kartenmaterial zulegt und Telefonate führt, empfinde ich die Grenze schon als überschritten. Wer unterschreibt für den Verein den Überweisungsträger über die angegebene Summe der Telefonkosten? Wie soll der Nachweis der Rechtmäßigkeit erfolgen? Das Urteil der Selbstbereicherung wird sehr schnell gefällt, da bislang keine Regeln aufgestellt wurden. Beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf und wir sollten möglichst diese Problematik aus dem Verein lassen.

Ich stelle dem Verein gerne einen Teil meiner Freizeit und meines Engagements zur Verfügung. Niemand zwingt mich, dies zu tun. Ich brauche keine "Profis", die mir sagen, was zu tun ist, nur weil sie sich einen Informationsvorsprung erarbeitet haben und schnell meinen, die Geschicke des Vereins lenken zu dürfen. Für "professionelle" Arbeiten stehe ich zwar nur in geringem Maße zur Verfügung, dann allerdings für 120,- DM/h, etwa so viel, wie meine Firma für mich verlangen würde. Wer das nicht bezahlen will oder kann, für den arbeite ich nur ehrenamtlich. Was sollen Bezahlungen von z.B. 20,- DM für einen Nachmittag Arbeit?

Um den Unterschied zwischen einem Wirtschaftsunternehmen und einem gemeinnützigen Verein sichtbar zu machen, schlage ich vor, im nächsten Schritt das frankfurt aktuell in eine Tochterfirma auszugliedern (die dann nach 2 Monaten pleite ist) und die Geschäftsstelle aufgrund der günstigeren Miete nach Rendel zu verlegen. Dadurch spart der Verein viel Geld, weil "unprofitable" Bereiche die Kasse nicht mehr belasten und somit viel mehr Geld zur Abrechnung von Telefonkosten und Brotzeiten zur Verfügung steht.

Ralf Paul

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