Ausgabe 1/1999   Jan. / Feb.


Kleines ABC

großer Radfahr-Irrtümer

(9. Fortsetzung)
(Um Hinweise auf weitere Stichwörter bittet Harald Braunewell)

Die Gepäckverteilung am Rad sei dann optimal, wenn die Packtaschen möglichst tief hingen und der Abstand der Lenkertasche vom Lenker möglichst gering sei...

Mitnichten:
Zuerst mal muß festgehalten werden, daß jede Zuladung das Schwingungsverhalten und damit das Fahrverhalten des Gesamtsystems Rad-Mensch-Zuladung (in Wechselwirkung, auch untereinander!) verändert. In Tests hat sich erwiesen, daß es am günstigsten ist, wenn 1. die Hinterradtaschen (schwere Sachen nach unten!) unter Berücksichtigung der Hackenfreiheit möglichst weit vorn am Gepäckträger (auch unten!) eingehängt werden und 2. der Massenschwerpunkt des Systems Vorderrad-Gepäcktaschen/Lenkertasche auf der Lenkachse (d.i. die gerade Mittellinie durch den sich im Steuerrohr drehenden Gabelschaft) liegt: dann ändert sich zumindest das Lenkverhalten nur unwesentlich. In praxi bedeutet das in jedem Fall immer schwere Sachen näher am Lenker und je schwerer die Lenkertasche vollgestopft wird, um so weiter muß der Schwerpunkt der Vorderrad-Gepäcktaschen (hier besonders wichtig: gleiche Massenverteilung rechts und links!) hinter die Lenkerachse rücken wobei selbstverständlich auch hier das Hebelgesetz gilt: Kraft x Kraftarm = Last x Lastarm, d.h. die in den beiden Massenschwerpunkten vereinigt gedachten Massen der Gepäcktaschen und der Lenkertasche multipliziert mit dem jeweiligen Abstand von der Lenkachse sollten gleich groß sein. Zu bewerkstelligen ist dies mit relativ einfachen Mitteln, indem zum Ausgleich der Lenkertaschen-Masse keine schwergewichtigen Vorderradtaschen angehängt werden, sondern lange schmale Packbeutel oben am Lenker mit der Kordel, in der Mitte an der Gabel und unten an der Schutzblechstrebe per Spannriemen da muß niemand zu Handwaage und Zollstock greifen und bei langen Gepäckfahrten danken es die Arme...

Haifischzähne am Kettenblatt (1) bzw. ihr Fehlen vor der Straßenkreuzung oder -einmündung (2) sei kein Anlaß zum Nachdenken...

Mitnichten (1):
Wer diese unsymmetrisch ausgeschliffenen Zähne an seinem Kettenblatt entdeckt, den hat längst die Tücke der Materie bestraft - diese Kraftübertragung kann nur noch bis zu ihrem schleichenden Ende (Riß der Kette oder ihr überlaufen von Zahn zu Zahn) zerfahren werden... Da ist zur Pflege des Getriebes rechtzeitiger Kettenwechsel schon besser: spätestens nach 2000 km sollte die alte gegen eine neue ausgetauscht werden - ökonomischer noch in einem Turnus von jeweils ca. 1500 km mit insgesamt 3 Ketten (nach der 3. ist die gesamte Anlage so weit ausgeleiert, daß wieder die erste aufgelegt werden kann). Oder ist das alles heute kein Problem mehr, weil wir alle nach kurzer Zeit sowieso schon wieder alles neu haben müssen???

Mitnichten (2):
Viele von uns Radfahrern und Radfahrerinnen kennen sie überhaupt nicht, die weißen, mit der Spitze in die Ankunftsrichtung weisenden, aneinandergereihten Dreiecke vor der Kreuzung mit der nicht Vorfahrtberechtigten Querstraße oder der Einmündung in eine solche und dabei zeigen sie doch so wirkungsvoll an, daß der ankommende Verkehr sich dem von rechts kommenden unterzuordnen hat! Wie wirkungsvoll ließen sich damit z.B. für den (zugelassenen) Radgegenverkehr in Einbahnstraßen Gefahrenpunkte entschärfen! Auch in Hessen sind solche das gefahrlosere Radfahren fördernde Maßnahmen durchaus praktikabel, wie Beispiele an der Bergstraße zeigen ...

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