Ausgabe 1/1999   Jan. / Feb.


Von Bad Vilbel nach Thyrnau bei Passau

Ich war schon oft mit dem Auto oder der Bahn von Frankfurt nach Passau gefahren. Nun, in meinem Herbsturlaub vom 12.-18.10.98, wollte ich die Strecke mal mit dem Fahrrad zurücklegen. Dazu besorgte ich mir Radwanderkarten für die Radfernwege durch Maintal, Taubertal, Altmühltal und Donautal.

Das war natürlich nicht der kürzeste Weg, es war im Vergleich zu der Autobahn, bzw. der Bahnstrecke rund 200 km weiter. Dafür wurde mir eine herrliche Landschaft verschiedener Gebiete Süddeutschlands geboten. Um es vorwegzunehmen, es war herrlich, wenn auch das Wetter nicht hundertprozentig mitspielte.

Aber dafür hatte ich vorgesorgt, ich war warm angezogen und hatte auch gute Regenkleidung in den Satteltaschen.

Am ersten Tag kam ich leider erst zur Mittagszeit von Zuhause weg und so kam ich nicht, wie ich es vorher geplant hatte, durch das Maintal bis Wertheim. Ich hatte keine Lust, bei Dunkelheit zu fahren und so übernachtete ich in einem Gasthof in Kleinheubach.

Ich hatte da trotzdem schon ca. 90 km auf gut ausgebauten Radwegen des Maintals zurückgelegt. Leider war aber die Beschilderung des Maintalwegs nicht sehr gut und so mußte ich oft den richtigen Weg suchen. Ich hatte vorher die Karte nicht sorgfältig genug studiert. Das werde ich mir fürs nächste Mal merken.

Das Wetter war erträglich. Es gab einige Schauer, die mich zu Pausen unter Brücken zwangen. Aber ansonsten kam häufig die Sonne raus und ich konnte die Fahrt genießen.

Für die Übernachtung fand ich einen Gasthof mit einem Radfahrerlager. Das war ein Zehn-Bett-Zimmer und sehr preiswert. Außerdem war ich sowieso der einzige Gast.

Am zweiten Tag fuhr ich nach dem Frühstück gegen 10.00 Uhr los und erreichte bald Wertheim, wo ich auf den Radfernweg "Liebliches Taubertal" abbog. Dieser Weg ist, im Gegensatz zum Maintalweg, erstklassig beschildert. Ich hätte hier eigentlich keine Karte gebraucht, aber es war doch beruhigend, eine dabei zu haben.

Das Wetter war den ganzen Tag optimal. Die Sonne schien, aber dennoch war's angenehm kühl - ein wunderschönes Radlerwetter. So konnte ich mich während der Fahrt und bei meinen Pausen am wunderschönen Taubertal erfreuen.

An diesem Tag erreichte ich nach 110 km Weikersheim, wo ich im Jugendgästehaus übernachtete.

Nach der Übernachtung startete ich gegen halb zehn und erreichte bald Rothenburg ob der Tauber. Nun gings auf dem Altmühlweg weiter und ich erreichte nach 115 km die Stadt Muhr am Altmühlsee, wo ich in einem Gasthof übernachtete.

Auch der Altmühlweg ist sehr gut beschildert, bis hier zumindest. So hatte ich keine Probleme, auf dem richtigen Weg zu bleiben.

Am Tag drauf wurde die Tour etwas schwieriger. Ab Gunzenhausen sind auf den Wegweisern meistens nur die nächsten kleinen Ortschaften angegeben und die kannte ich nicht immer. So mußte ich häufig die Karte verwenden, aber die Karte war sehr gut und so blieben mir ernsthafte Umwege erspart.

Nun hatte ich auch meine erste Panne. Auf einem Waldweg lag ein spitzer Stein, der mir am Hinterrad den Schlauch platzen ließ. Natürlich hatte ich einen Ersatzschlauch dabei und so war die Reparatur nicht sehr schwer, da ich aber dafür das Hinterrad ausbauen mußte, ging von da an die Schaltung nicht mehr exakt.

Ich durchquerte die herrliche Universitätsstadt Eichstätt und übernachtete in Arnsberg. In diesem Dorf fragte ich einfach auf der Straße einen Passanten, ob er mir eine günstige Übernachtungsmöglichkeit nennen kann. "Klar", meinte er, "fahren Sie einfach diese Straße hoch und klopfen Sie bei dem Haus dort ans Fenster. Das Ehepaar dort vermietet ein Zimmer für durchreisende Radfahrer." So war's dann auch und ich verbrachte die Nacht in einem kleinen, gemütlichen Schlafzimmer. Am nächsten Morgen frühstückte ich gemeinsam mit der Familie und es gab eine nette Unterhaltung über meine Radtour und das Wetter, das nicht so gut war. Danach fuhr ich weiter.

Vor der Abfahrt stellte ich fest, daß die Bremsbacken abgenutzt waren und das, obwohl ich sie vor der Abfahrt in Gronau erneuert hatte. Sonst halten die an meinem Rad immer ein bis zwei Jahre. Ich bekam sie in Kipfenberg und tauschte sie aus.

Zur Mittagspause ging ich in eine kleine Gaststätte am Rand der Altmühl. Dort gab's einen köstlichen, frisch gefangenen Karpfen aus dem Fluß. Frisch gestärkt setzte ich meine Tour fort und war bald in Kelheim, wo für mich der Donau-Radwanderweg begann.

Nachdem ich Regensburg hinter mir hatte, verbrachte ich die Nacht in Tegernheim.

Am Tag drauf ließ ich es etwas ruhiger angehen. Mein Ziel war Plattling, wo ich meine Verwandtschaft besuchte, und bis dorthin waren es "nur" 80 km. So konnte ich mir auch etwas mehr Zeit lassen und machte mehr Pausen als in den vorangegangenen Tagen. Ich kam am frühen Nachmittag in Plattling an und so hatten wir den restlichen Tag Zeit zum Erzählen und gönnten uns ein köstliches Abendessen beim Griechen.

So fuhr ich auch am nächsten Tag erst nach dem Mittagessen weiter. Allerdings verschätzte ich mich in der Entfernung. Mit dem Auto sind es von Plattling nach Passau gerade mal 50 km, allerdings über die Autobahn. Der Donauradweg macht aber die Donauschleifen mit und außerdem liegt mein Zielort Thyrnau ca. 12 km hinter Passau. So hatte ich am letzten Tag meiner Radtour noch 90 km zu bewältigen. Es war ein tolles Gefühl, als ich das Ortsschild von Thyrnau vor mir sah geschafft!!!

Am Tag drauf wurde erst mal das Rad geputzt, es war jede Menge Schlamm zu entfernen. Danach machte ich eine Inspektion und stellte fest, daß am Hinterrad zwei Speichen gebrochen waren. Außerdem war ja die Schaltung noch korrekt einzustellen. Da ich noch ein paar Kleinigkeiten entdeckte, brachte ich mein Fahrrad in den Nachbarort zu einer Fahrradwerkstatt, wo alle diese Schäden für DM 30,Ñ behoben wurden. Ich blieb noch eine Woche in Thyrnau und kurierte meinen Muskelkater aus. Größere Radtouren machte ich in dieser Woche nicht mehr und danach fuhr ich mit dem Zug zurück.

Ich werde diese Tour auf jeden Fall noch mal machen, allerdings im Frühjahr oder im Sommer und ich werde mir beim nächsten Mal mehr Zeit lassen. Diesmal wollte ich die sportliche Note erleben und hatte keine Lust, viel auf der Strecke anzuschauen. Das Wetter war zum größten Teil schlecht und so hatte ich auch keine Lust auf längere Aufenthalte. Ich machte jeden Tag in kleinen Gasthöfen eine Mittagspause und setzte mich sonst alle 20 km für eine Viertelstunde auf eine Bank. Das reichte mir.

Eines fiel mir auf meiner Tour negativ auf. Leider gibt es an diesen sehr schönen Radfernwegen fast keine Schutzhütten, die ein Radler für Pausen oder zum Schutz vor Regen aufsuchen kann. Es gab dafür nur Bushaltestellen, aber die waren natürlich selten, denn ich fuhr fast nur auf reinen Radfahrwegen. Die einzige Alternative dazu waren Brücken. Das könnte man noch verbessern.

Josef Brückl

zur Hauptseite des ADFC Frankfurtzürück zum Inhaltsverzeichniss der Ausgabe 1/1999zum Seitenanfang

frankfurt aktuell 1/1999 (199916)   © Copyright 1999 by ADFC Frankfurt am Main e.V.   
Impressum | Kontakt