Ausgabe 4/1999   Jul. / Aug.


Ein blauer, gelber, roter und grüner "Radweg"

Eindrücke von Radwege-Erfassern

Die AG Verkehr hat, neben anderen aktiven ADFClern, auch die Stadtteilgruppe Frankfurt-West dazu vergattert, die "Radwege" zu erfassen. Damit gemeint sind alle Straßen, Bürgersteige, Wege etc., die mit einem runden blauen Verkehrsschild zuzüglich Radsymbol geschmückt sind, also alle Fahrradstreifen, alleinigen Radwege sowie die gemeinsamen und getrennten Rad- und Fußwege, die von Radfahrern benutzt werden müssen. Versehen wurden wir mit einem Stoß Karten und einer Legende, aus der hervorging, welche farbliche Markierung für welche Radwegeart vorzusehen ist.

Wir machten uns also an das Abradeln und zwar anfangs mit gemischten Gefühlen, da wir nicht wußten, wieviel Arbeit das insgesamt bedeuten würde. Auch konnten wir uns des Eindrucks nicht erwehren, das zu tun, was eigentlich die Straßenverkehrsbehörde schon längst hätte machen müssen: bis 1.10.1998 zu überprüfen, inwieweit gemäß den Vorgaben der Novelle zur StVO die Benutzungspflicht entfallen muß. Dann sagten wir uns aber, eine möglichst lückenlose Erfassung sowie eine u.U. später folgende, (vom ADFC?) vorzunehmende Bewertung liege sicher im Interesse aller Radfahrer, um deren Anliegen wir uns ja intensiv kümmern (sollten). Das war schließlich Motivation genug.
    Wir versuchten mit Adleraugen, die runden, einschlägigen Schilder zu entdecken. Manchmal sind wir zunächst bei rückwärtiger Ansicht auf die ebenfalls runden Verkehrszeichen für Halteverbote bzw. Geschwindigkeitsbeschränkungen hereingefallen. Wir konnten feststellen, daß seitens der Stadt schon - ein wenig - getan wurde. Im wesentlichen sind Schilder abgehängt worden, also sogenannte "andere Radwege" entstanden, wo die Voraussetzungen der StVO-Novelle ganz offenkundig nicht erfüllt waren. Nicht zu unterschätzen war auch der hohe Unterhaltungswert des Abradelns, sahen wir doch manche kabarettreife Beschilderung. So finden sich auf der rechten Seite der Hoechster Farbenstraße vor dem Sindlinger Kreisel auf ca. 200 m dicht hintereinander folgende Schilder: alleiniger Radweg, gemeinsamer Rad- und Fußweg, getrennter Rad- und Fußweg, alleiniger Radweg. Die AG Verkehr wird sich demnach über unsere bunte Markierung - auch bei anderen Stellen - freuen. Ebenso lustig gestaltet sich die Beschilderung am Tor Nord der ehemaligen Hoechst AG. Die Unterführung zwischen S-Bahn und Tor Nord ist per Schild als "Radweg" ausgewiesen, doch ein Zusatztext fordert kategorisch: Radfahrer absteigen, Motor abstellen und schieben! Die Bodenschwellen auf diesem absurden Weg sind dabei schon fast eine Gratiszugabe zu nennen.
    Nachdem wir die Erfassung abgeschlossen haben, kennen wir jetzt wahrscheinlich alle einschlägigen Verkehrszeichen in Sossenheim, Griesheim, Nied, Unterliederbach, Höchst, Zeilsheim und Sindlingen. Wir haben mittlerweile die Markierungen so verinnerlicht, daß uns nunmehr auf privaten Strecken bei jedem betr. Verkehrsschild automatisch die entsprechende Markierung ("aha, ein "roter" Radweg!") einfällt. Das wird sich hoffentlich im Laufe der Zeit wieder geben.
    Neugierig sind wir jetzt natürlich darauf, wie es weitergehen wird, wenn die "Radwege" für das gesamte Stadtgebiet erfaßt sind. Die Kärrnerarbeit des Erfassens ist wohl nur der Auftakt zu neuen Aktivitäten (für die Stadt, den ADFC?).

Eva Kröcher, Katharina Surhoff, Christian Kümmerlen

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