Ausgabe 4/1999   Jul. / Aug.


Strategien entwickeln - wozu denn das?

Schon viele honorige Firmen und Institutionen sind den Bach runtergegangen, weil sie sich auf ihren Lorbeeren ausgeruht und an ihrem Erfolgsrezept festgehalten hatten, mit dem sie groß geworden waren. Im Gegensatz dazu sprießen Firmen aus dem Boden, die - anfangs mitleidig belächelt - nach kurzer Zeit mit ihren Produkten für Furore sorgen. Die Börsianer können hier ein Lied davon singen, welchen Kurs manche Zukunftswerte einschlagen, während Traditionswerte als nicht mehr zukunftsfähig eingeschläfert werden.

Wozu diese Worte ins Stammbuch? Der Kreisverband Frankfurt hatte zu einem Strategietreffen aufgerufen - gerade neun Leute fühlten sich angesichts des herrlichen Wetters und der Abstiegssorgen der Eintracht bemüßigt, ins Bürgerhaus Bornheim zu eilen, über die Hälfte davon Vorstandsmitglieder.

Wir müssen nicht das Rad neu erfinden, aber vielleicht ein paar Speichen erneuern.

    Produkte haben oft sehr lange Lebenszeiten und brauchen nur relativ geringfügige Verbesserungen, die aber entsprechend unters Volk gebracht werden müssen ("Das beste Persil das es je gab"). Bei uns zählen dazu die Tourenangebote. Zu rund 150 Touren des Jahres 1998 kamen knapp zweitausend TeilnehmerInnen. Und das trotz einer Auflage unseres Tourenprogramms von 10-tausend Exemplaren. Woran mag das gelegen haben? Fehlte bei der einen oder anderen Tourenbeschreibung der letzte Pfiff? Sind unsere Touren maßgeschneidert genug, um z.B. Leute anzulocken, die Streckenlängen und Steigungen einer Drei-Sterne-Fahrt nur im Zwei-Sterne-Tempo meistern wollen? Sollen unsere bisher schon recht erfolgreichen Damentouren noch gezielter angeboten werden? Haben wir es versäumt, in der Lokalpresse für unsere Touren zu werben? Zu vorstehenden Fragen haben wir vielversprechende Antworten gefunden.

Was nützt es, wenn wir Gutes tun und keiner nimmt davon Notiz?

    Werbung - Image - Öffentlichkeitsarbeit. Der Umgang mit den Medien will gelernt und gekonnt sein. Noch haben wir das nicht perfekt im Griff. Angesichts immer mal neuer Ansprechpartner im Zeitungsgewerbe müssen wir die aktuellen Strukturen und Kommunikationswege erst einmal zentral erfassen und unseren Multiplikatoren, z.B. den Leitern unserer Arbeitsgruppen, zur Verfügung stellen. Gleichzeitig streben wir an, eine Person zu gewinnen, die uns hier die entsprechenden "Umgangsformen" in einem Seminar beibringen kann. Wie soll beispielsweise formuliert werden, um bei der Presse berücksichtigt zu werden? Welche Themen könnten ankommen? Welche Aktionen sind publikumswirksam? Als Beispiel wurde die Karfreitagstour nach Ilbenstadt angeführt. Ideal wäre es natürlich, die Öffentlichkeitsarbeit gezielt anzuschieben.

Das Geld liegt auf der Straße - und keiner hebt es auf

    Mit welchen Aktionen können wir neue Mitglieder werben? 1500 Mitglieder in Frankfurt klingt viel, ist aber sicher noch sehr ausbaufähig. Aber auf welche Art? Ideen sind gefragt. Wir haben Fahrradläden besucht, und sind nach einer halben Stunde um einen Mitgliedsantrag reicher wieder weggegangen. Beispiel Codierung: der Verfasser hat sich bereit erklärt, im Herbst ein praxisorientiertes Seminar zu leiten. Es geht dabei ums Renommee (und nebenbei auch um Geld), gewaltige Vorarbeiten sind schon geleistet - jetzt müssen wir die Früchte ernten.

Human Resources - auf ewig ein Fremdwort?

    Alle Firmenchefs verkünden, wie wichtig ihnen ihr Personal ist. Die Wirklichkeit sieht häufig anders aus. Unser Personal besteht nicht aus bezahlten "Sklaven", sondern aus ehrenamtlich tätigen Mitgliedern. Der Terminus "innere Kündigung" kommt bei uns kaum vor, denn man kann ja jederzeit seinen Austritt oder Rücktritt erklären oder stillschweigend die Mitarbeit einstellen. Oder man kann signalisieren, daß man/frau bereit wäre, aktiv zu werden - und keiner nimmt davon Notiz. Gerade Neu-Eintritte versprechen unverbrauchten Idealismus, nur der Leiter oder die Leiterin der AG erfährt zu spät oder gar nicht davon. Damit ist häufig eine unwiederbringliche Chance vertan. Oder jemand bringt Stunden und Tage für eine Arbeit auf, ohne dafür irgendeine Art von Anerkennung zu bekommen. Psychologen kennen die Reaktion. Wir wollen, daß sich unsere Mitglieder künftig noch gezielter zum Nutzen der gemeinsamen Sache einbringen können. Wie, das ist noch festzulegen. Allerdings, an der unbezahlten Ehrenamtlichkeit führt kein Weg vorbei.
    Die in meinen Augen überfällige Veranstaltung verlief ausgesprochen konstruktiv und harmonisch - sie darf aber im wahrsten Sinne nicht ohne Folgen bleiben. Denn in gut vier Stunden konnten viele Themen nur generell behandelt werden, die Feinarbeit steht noch an, viele Punkte wurden nur touchiert oder überhaupt nicht angesprochen. Vielleicht findet sich ein noch angenehmeres Ambiente für dieses Forum. Wer Ideen einbringen und mitarbeiten möchte, möge sich bitte telefonisch oder per E-mail melden beim Verfasser (Adressen siehe AG Klaunix ).

(al)

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