Ausgabe 6/1999   Nov. / Dez.


Jahrestreffen auf Burg Ludwigstein

Motivationsschub oder Orientierungsfahrt ins 3. Jahrtausend

Es treffen sich ADFClerInnen aus aller Herren Bundesländer, Gelegenheit zum Austausch in einer guten Mischung von Spaß und Arbeit. Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen kann hier jede/r aus eigenem Entschluß mitmachen, braucht also kein Mandat der eigenen Gliederung. Der neue Vorstand hatte sich vorgenommen herauszukriegen, wohin er den ADFC eigentlich steuern soll. Na, nicht so verschwommen, die wissen schon, was sie wollen - aber ob die Basis es auch weiß?

Ca. 120 Leute erklommen am Freitag abend die Burg, ein echt antikes Kleinod, funktional und ordentlich als Tagungsort hergerichtet. Aus Frankfurt reisten 7 Aktive an - und trafen dann nicht nur die erwarteten alten und neuen Gesichter aus dem Kreis des Gesamtvereins. Überrascht sah man drei Frankfurter als Workshop-Referenten. Wenn so viele Schwergewichte des Vereins zwei Tage lang diskutieren, dann muß doch was herauskommen. Die RAD WELT wird noch berichten. Hier nur kurz aus der Froschperspektive:

GPS (Global Position System)
Die Frage, ob das überhaupt ein Ding für den ADFC ist, muß bejaht werden. Eine Arbeitsgruppe wird sich mit dem Thema befassen müssen. Wenn der Verein sich nicht aktiv an die entwickelnde Industrie wendet, besteht die Gefahr, daß die GPS-Entwicklung am Radverkehr vorbei stattfindet. Das wäre in ein paar Jahren mit vertretbarem Aufwand nicht mehr zu korrigieren.

Probleme: GPS funktioniert z. Z. auf Satellitenbasis mit einer Abweichung bis 200 m; das reicht für Autos, nicht aber für Fahrräder. GPS funktioniert noch nicht in bewaldeten Gegenden und innerorts in Häuserschluchten. Wenn das System sich auf die immer dichter werdenden Boden-Funkstationen (Handynetze) stützen würde, wäre der Nutzen fürs Fahrrad gewonnen.

Touristik
Die existierende Radtourenkarte ist ein deutlicher Imagevorteil - es müßte nur besser dafür geworben werden. Für Reisemärkte fehlt ein einheitliches Konzept bzw. Kontinuität. Der Vorstand soll Ressourcen für die Erarbeitung eines Grundsatzkonzepts bereitstellen. Pauschalreisen erhalten einen Qualitätsschub durch die Zusammenarbeit mit "Rückenwind". Touristik ist das ADFC-Produkt, dessen Wert sich Nichtmitgliedern am leichtesten erschließt. Kontroverse: wie gründlich muß eine Beratung sein, um sich als wertvolle Leistung einzuprägen? Evtl. professionelle Tourenausarbeitung gegen Entgelt, zumindest für Nichtmitglieder?

Fahrradmitnahme im Fernverkehr der Deutschen Bahn AG
Drei Vertreter der DB Reise&Touristik diskutierten mit dem ADFC die Neuerungen und Bedingungen. Bisher noch nicht gab’s z. B. die (versuchsweise) Fahrradmitnahme im neuen ICE mit Neigetechnik (ICE-T), der seit Mai 1999 zwischen Stuttgart und Zürich fährt. Das Fahrradabteil wurde in Abstimmung zwischen ADFC und Bahn entwickelt. Außerdem haben sich die Mitnahmemöglichkeiten ins europäische Ausland verbessert, das Rad kann auch in die Schweiz und nach Tschechien im Zug mitreisen. ADFC-Mitglieder, die Kritik oder Verbesserungen zur Fahrradmitnahme anbringen möchten, wenden sich an den ADFC-Vorstand, Rene Hoevel, oder den Bundesfachausschuss öffentlicher Verkehr, da es in diesem Rahmen Arbeitsgruppen zwischen ADFC und DB AG gibt.

Organisation / Mitglieder
Noch intern/vertraulich ist die vorläufige Auswertung der Mitgliederbefragung. Gründe für Mitgliedschaften und Nutzungsverhalten wurden untersucht und bewertet. Auch unter Mitgliedern läßt der Informationsstand über die vielfältigen Leistungen des ADFC noch zu wünschen übrig.

Ist der ADFC überwiegend ein verkehrspolitischer Verein (Schwerpunkt Lobbyarbeit), oder sollten die diversen Serviceleistungen im Vordergrund stehen? Gutes Nebeneinander von Lobbyarbeit und Service ist angesagt: Wirkungsvolle Lobbyarbeit kann nur vor dem Hintergrund einer eindrucksvollen Mitgliederzahl geleistet werden. Die erreichten 100.000 Mitglieder genügen nicht angesichts der Konkurrenz mit ca. 15 Millionen.

Mitgliedergewinnung/Service
Sogenannten "einfachen" Leuten hat sich der Vorteil einer ADFC-Mitgliedschaft noch zu wenig erschlossen. Viele ADFC-Leistungen stehen auch Nichtmitgliedern (fast oder ganz) kostenlos zur Verfügung. Wir sollten mit unserer fraglos vorhandenen Kompetenz nicht zu freigiebig umgehen. Beispiel: beim ADAC wird am Beginn der Homepage gefragt "Mitglied J/N?" Nur das Mitglied erhält die begehrten Vereinsleistungen, Außenstehende werden allgemein informiert. Unseren ADFC-Infoläden, aber auch anderen AGs sei entsprechendes Verhalten ans Herz gelegt.

Der KV Bremen hat im Laufe von knapp 5 Jahren seine Mitgliederzahl von 2.500 auf 3.500 erhöht. Dies war möglich durch eine gute finanzielle Basis und einige hinzugewonnene Sponsoren. So wird attraktiver Service möglich. Z. B. nimmt man für Tagestouren grundsätzlich DM 10,- pro Teilnehmer, Mitglieder zahlen nur DM 4,-.

Die Kommunikation nach innen und außen muß verstärkt werden, damit sich die Erfolge verbessern.

Ehren-/Hauptamt
Angesichts gewachsener Aufgaben und Mitgliederzahlen ist Professionalisierung erforderlich. Für Ehrenamtliche soll die Fortbildung verstärkt werden; Hauptamtliche sollen vor Einstellung noch mehr auf Qualifikation geprüft werden. Dafür nötig: bessere Finanzbasis (siehe vorhergehenden Abschnitt). Kommunikation ist eine Möglichkeit, Kompetenz zu streuen.

Mittelakquisition
Die zahlreichen Chancen sind in den Gliederungen noch kaum bekannt, geschweige denn genutzt. Auch hier soll die Kommunikation verstärkt werden. (Jean, wir verlassen uns auf Dich!)

Codierung
Eine der Serviceleistungen, die in der Öffentlichkeit die Kompetenz des ADFC vermitteln kann. Ziel für 2010: alle neuen Räder werden vom Händler codiert ausgeliefert - über Einheitlichkeit der Handhabung und Ziffern wacht der ADFC. Zusammenarbeit mit Handel und Versicherungen soll angestrebt werden, Aufklärungsarbeit ist von/mit Polizei/Kriminalämtern zu leisten. Die Vorteile der Codierung, auch für andere diebstahlgefährdete Gegenstände, sind noch zu wenig bekannt.

Resumee
Vielseitige und lebendige Diskussion. In jedem Workshop fast das gleiche Problem: KOMMUNIKATION muß verbessert und professionalisiert werden! Bedeutung der Lobbyarbeit muß nach außen getragen werden: Stärkere Einwirkungsmöglichkeiten würden Spielräume erweitern. Den Radverkehr fördern Bund / Land / Kommunen, es sind also durchaus Chancen fürs Rad zu nutzen. Ziel ist es, den Fahrradanteil an mobilen Kilometerleistungen zu verbessern.

Der Bundesvorstand braucht die FunktionsträgerInnen in den Gliederungen auch für den Erfolg seiner eigenen Arbeit. Diskussion horizontal + vertikal soll aufrechterhalten werden - jeder Brief, jede Mail, jedes Fax an den BuVo wird dort auch gelesen! Also Leute, mailt mal wieder! Und Telefonieren mit Billig-Vorwahl (z.B. 01051) spart - noch - Geld.

Slogans für Kampagnen der Zukunft könnten sein: "Einlenken statt Ausrasten" & "Fahrrad - eine Spur Freiheit".

Uns wurde eine Einladung des KV Werra-Meißner angekündigt, man möchte die Kontakte verbessern und Gast- und Dachgeber für uns sein. Außerdem hat die Landschaft viel zu bieten, wovon wir in Frankfurt nur träumen können. (Wird wahrscheinlich ins Tourenprogramm aufgenommen.)

Nächster Burg-Termin: 13. bis 15. Oktober 2000. Als Themen wurde u. a. vorgeschlagen: "Markt der Möglichkeiten" - "Gliederungen stellen sich vor/Erfahrungsaustausch" und "StVO-Novelle". Das kann etlichen Gliederungen einen Schub nach vorn geben, denn das Rad muß nicht überall neu erfunden werden. Es soll dann nach den Mahlzeiten sogar Kaffee geben; das preiswerte Catering war durchaus verbesserungsfähig (Peanuts für Idealisten). Dann wird auch ein leistungsfähiger Kopierer den nachträglichen Versand des Ergebnisprotokolls ersetzen. Bei besserem Wetter wird uns der Bundes-Nachtwanderführer H. H.-K. dann wirklich um die Burg und zurück führen, und den Hauptgewinn der Tombola, das 3000,- DM - Mountainbike, wird nächstes Jahr nicht der Vereinsvorsitzende gewinnen (wir gönnen es ihm). Also schon mal vormerken!

(fl)

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