Ausgabe 6/1999   Nov. / Dez.


Radfahren - das reine Vergnügen

Wer kann schon behaupten, daß Fahrradfahren ungetrübte Freude bereitet. Zumal in einer Stadt wie Frankfurt, die ihre Radfahrer immer noch weitgehend ungebremst dem Autoverkehr aussetzt und Kreativität bei der Deeskalation von Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern vermissen lässt.

Und doch gibt es das Vergnügen pur auf dem Velociped. Es bedarf einer guten Organisation, zahlreichem Zusammentreffen von Radlerinnen und Radlern und einer rechtzeitigen Ankündigung in der lokalen Presse. Und wenn dann auch noch auf eine Besonderheit wie z. B. auf zu besichtigende außergewöhnliche Fahrräder hingewiesen wird, dann schlägt die öffentliche Meinung um von Skepsis auf Interesse, ja sogar Begeisterung.
    So geschehen auf dem 7. Nordbayerischen Pedersentreffen vom 17. bis 19. September 1999 in Coburg. Dem Ruf von Thomas Leißle folgten mehr als 80 Pedersen-Begeisterte aus dem gesamten Bundesgebiet und aus Dänemark, dem Heimatland des Erfinders eines der interessantesten und bequemsten Fahrräder. Durch geschickte Pressearbeit gelang es Thomas, Interesse und Neugier bei der Bevölkerung des Coburger Landes zu wecken. Veröffentlichung von Rast- und Zeitpunkten auf den geplanten Routen ließen einige Schaulustige gezielt zu diesen Orten kommen. Dort entwickelten sich rasch Gespräche und Diskussionen über das Radfahren im allgemeinen und das Pedersen im besonderen. Unterwegs auf der Strecke wurden die Radlerinnen und Radler oft mit "schau mal, die Pedersens" begrüßt. Dies dürfte für die meisten von uns ungewohnt geklungen haben, da im Alltag viel häufiger der Zuruf zu hören ist: "Was iss’n das für’n komisches Rad?"
    Es war diese informierte Kenntnisnahme von Schaulustigen und zufälligen Passanten an unserer Tour, das gute Wetter in einer schönen Landschaft, verständnis- und rücksichtsvolle Autofahrer auf der Strecke und das harmonische Gruppenerlebnis höchst individueller Menschen mit einer gemeinsamen Begeisterung für das Pedersen, das dieses Treffen und die Touren zu einem dreitägigen Vergnügen hat werden lassen.

Günter Tatara

 

Das Pedersen-Rad

…von dem Dänen Mikael Pedersen (1855-1929) entwickelt und 1893 in England zum Patent angemeldet.

Die dünnen Rohre sind zu geschlossenen Dreiecken verbunden. Das gibt der filigranen Rahmenkonstruktion eine hohe Steifigkeit in Laufrichtung sowie eine gute Verwindungsstabilität bei geringem Materialgewicht. Der auch scherzhaft als Hängematte bezeichnete Sattel ist mit einem Gurt und vier Zugfedern zwischen den Sattelrohren und dem Lenkerbaum befestigt. Die so erreichte Beweglichkeit des Sattels verhindert das Scheuern und trägt wesentlich zu einem außerordentlich bequemen Fahrgefühl bei.
    Das Pedersen-Rad wird heute wieder produziert und über den Fachhandel vertrieben.

Günter Tatara

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