Ausgabe 4/2000   Jul. / Aug.


Und sie bewegt sich doch!

Seit dem Verlust der rot/grünen Mehrheit bei den Kommunalwahlen im März 1997 war mächtig Sand ins Getriebe gekommen. Nun scheint die Stagnation überwunden. Es kommt wieder Schwung in das Projekt „Fahrradfreundliches Frankfurt".

Fachgespräche zum Radverkehr gehen weiter

Die Ergebnisse des ersten „Fachgesprächs zum Fortgang der Radverkehrsplanungen in Frankfurt am Main" unter der Leitung des neuen Planungsdezernenten Edwin Schwarz (CDU) geben Anlass zur Hoffnung, dass die „Radverkehrskonzeption Frankfurt am Main" auch den nächsten Wahlkampf unbeschadet übersteht.

„Das geht ja hier härter zu, als bei den Hochhausplanungen". So brachte Stadtrat Edwin Schwarz (CDU) nach zwei Stunden seine Eindrücke auf den Punkt. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn es ist in Boomtown „Mainhattan" allemal leichter, ein Hochhaus zu projektieren und zu bauen, als eine Fahrradroute.

Seit Mai 1997 hatte es keines mehr gegeben, zweimal war der Termin verschoben worden, nun hat es stattgefunden, das erste Fachgespräch unter der Leitung des neuen Planungsdezernenten.

1996 von Martin Wentz (SPD) unter dem Eindruck heftiger Auseinandersetzungen um die Radverkehrsplanungen aus der Taufe gehoben, vom damaligen Ordungs- und Baudezernenten Udo Corts (CDU) wohlwollend unterstützt, war in dieser hochkarätig besetzten Runde in den vergangenen Jahren harte Arbeit geleistet worden, um das zarte Pflänzlein „Radverkehrsförderung" am vorzeitigen Ableben zu hindern.

Wichtigster Punkt der Tagesordnung war die Vorplanung der Fahrradroute „Ostparallele Eschersheimer Landstraße". Die jahrelangen, teilweise heftigen Auseinandersetzungen um eine ganze Reihe von Problempunkten auf dieser zentralen Nord-Süd-Achse neigen sich ihrem Ende entgegen. Die verbliebenen Differenzen sind nicht geeignet, das Projekt als Ganzes zu gefährden. Der ADFC Frankfurt geht davon aus, dass die Vorplanung der Gesamtroute noch in diesem Jahr abgeschlossen und dem Parlament zur Beschlussfassung vorgelegt wird.

Zurückgestellt wurden die Planungen für die Wilhelm-Epstein-Straße. Der ADFC hatte die vorgelegte Planung als völlig unzureichend kritisiert und wird demnächst eine detaillierte Stellungnahme mit Vorschlägen zur Schaffung durchgehender Radverkehrsanlagen zwischen Ginnheimer Landstraße und Eckenheimer Landstraße im Verlauf von Wilhelm-Epstein-Straße/ Am Dornbusch/Marbachweg vorlegen.

Nach jahrelangem Stillstand soll es nun auch mit einer Reihe von Projekten im Frankfurter Norden vorangehen. Die Planungen für straßenbegleitende Radwege zwischen Harheim und Nieder-Erlenbach, sowie zwischen Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach stammen noch aus der Ära Wallmann und waren wegen Problemen mit dem Erwerb der nötigen Grundstücke auf die lange Bank geraten. Nun sollen endlich Nägel mit Köpfen gemacht und Planungsrecht geschaffen werden.

Nicht mehr behandelt wurde die Vorplanung für die Verlängerung der zur Zeit im Bau befindlichen Fahrradroute „Nordwestadt-Innenstadt" bis zur Stadtgrenze zwischen Niederursel und Weißkirchen. Da alle Differenzen im Vorfeld geklärt werden konnten, kann auch dieser vom ADFC von Anfang an geforderte Lückenschluss nun auf den Weg gebracht werden.

Voran geht es nach langem Stillstand auch mit der Fahrradroute „Museumsufer-Bockenheim". Die zuständigen Ämter haben eine Lösung für die Schließung der Lücke im Bahnhofsviertel zwischen Niddastraße und Holbeinsteg erarbeitet und abgestimmt. Damit steht der durchgehenden Umsetzung der Gesamtroute nichts mehr im Weg. Der politisch am heftigsten umstrittene Abschnitt dieser Strecke, die Querung der Mainzer Landstraße und die Durchbindung bis zur Niddastraße im Verlauf der Karlstraße wurde bereits im letzten Jahr im Zuge des Umbaus der Mainzer Landstraße fertiggestellt.

Das Thema Radverkehr im Europaviertel wurde nur kurz behandelt. Hier droht unter dem Druck milliardenschwerer Investitionen die Gefahr, dass die Planer den Beweis antreten, dass auch auf 60 Meter Breite kein Platz ist für Radverkehrsanlagen. Das Thema wird uns noch beschäftigen.

Als letzter Punkt stand die Auswahl von weiteren sechs Fahrradrouten aus der 1992 beschlossenen Netzplanung auf der Tagesordnung. Die Vorschläge des ADFC Frankfurt wurden allgemein als sinnvoll angesehen und eine Reihenfolge für die Bearbeitung festgelegt.

Bleibt noch nachzutragen, was das Straßenbauamt zum Stand der Umsetzung der bereits beschlossenen Projekte zu berichten hatte. Noch in diesem Jahr ist eventuell Baubeginn auf der Fahrradroute Bornheim-Bockenheim. Für das nächste Jahr hat man sich einen großen Brocken vorgenommen, die Fortsetzung der Fahrradroute „Nordweststadt-Innenstadt" über die Bremer Straße hinaus bis ins eigentliche Zentrum jenseits des Eschenheimer Tors.

Die im Juni 1998 beschlossenen Pläne sehen einen durchgehenden Fahrradstreifen auf der Eschersheimer Landstraße von der Bremer Straße stadteinwärts bis zur Schillerstraße vor.

Ebenfalls zur Umsetzung vorgesehen ist laut Auskunft des Straßenbauamtes die erste Fahrradroute südlich des Mains vom Holbeinsteg nach Neu-Isenburg.

Reichlich Gelegenheiten also für Einweihungsfeiern, meint
Fritz Biel

Neues von der StVO-Novelle

Das Beispiel Marbachweg
Er war zweifellos in keinem guten Zustand, der Radweg im Marbachweg, aber es gibt schlimmere in Frankfurt. Vor vielen Jahren schon war der eigentliche Radweg zum Parkstreifen geworden, der Ersatz-Radweg per weißer Linie den Fußgängern entwendet worden. Auch wenn von der weißen Farbe nicht mehr viel übrig war, wussten doch die meisten, wo sie hingehörten. Die Breite war ein bisschen knapp, kein Streifen zum Schutz vor sich öffnenden Autotüren, die Führung hinter den parkenden Autos barg an den Einmündungen die bekannten Gefahren. Ein ganz normaler Radweg also, ein Fall von „Anderer Radweg", solange die Sanierung auf sich warten lässt. Die bereits sanierten Abschnitte sind leider nicht viel besser. Überbreite, wunderbar glatt asphaltierte Parkstreifen, daneben die Radwege in Mindestbreite mit dem sattsam bekannten Rüttelpflaster, die Auffahrten hektisch verschwenkt auf den letzten Metern ohne Sicherung gegen Falschparker (siehe Foto auf Seite 1).

Plötzlich im letzten Herbst waren sie dann da, die neuen Schilder: Fußweg – Radfahrer frei! Bis heute wissen die wenigsten Menschen, dass das Schritttempo bedeutet. Schritttempo – den ganzen langen Marbachweg entlang. Wer schneller fahren will, muss auf die Straße, muss sich die Fahrbahn mit den Autos teilen. 18 000 sind das pro Tag, sagt das Ordnungsamt. Den meisten reicht es schon, dass sie das in der Gegenrichtung ohnehin müssen, denn dort gibt es keinen Radweg. Nun deuten sich auch hier Korrekturen an im Geiste der StVO-Novelle. Verbesserungen für den Radverkehr sind angesagt, nicht Verschlechterungen. Langsam spricht es sich rum!
(fb)

Fahrradkultur

Lange Zeit sah es so aus, als drohten die von der Planung für die Kulturmeile Braubachstraße betroffenen drei Fahrradrouten durch das Gerangel um die geplanten Änderungen der Verkehrsführung ins Hintertreffen zu geraten. Auf 13 Seiten war dem Magistrat in seiner Vorlage zur Umgestaltung der Braubachstraße der Radverkehr kein einziges Wort wert. Nun scheint gesichert, dass die wichtige Verbindung zwischen nördlicher und südlicher Fahrgasse über die Berliner Straße hinweg im Verlauf der Parallelroute zur Konrad-Adenauer-/Kurt-Schumacher-Straße nicht behindert wird. Ein gemeinsamer Antrag von CDU, Grünen und FDP kippte zwar die SPD-Vorstellungen erst einmal aus dem Rennen, im Gegenzug erhielt dafür der Antrag der Grünen (NR 999 – Auch mit dem Fahrrad in und durch die Kulturmeile) eine Mehrheit. Darin wird der Magistrat aufgefordert, bei den beabsichtigten Umbaumaßnahmen die drei Radrouten zu berücksichtigen und einzuplanen. In der Braubachstraße wird Tempo 30 angeordnet und zur Erleichterung des Radfahrens das Kopfsteinpflaster zwischen den Schienen durch Asphalt ersetzt. Danke für die Unterstützung!
(fb)

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