Ausgabe 4/2000   Jul. / Aug.


Verkehrsminister bewegt sich für das Fahrrad fort

Neue Wege und Regeln sollen Pedaleuren helfen

Der Verkehrsminister liebt nicht nur Auto und Bahn, er sieht sich auch als "Fahrradmann". SPD-Politiker Reinhard Klimmt will nun das für Kurzstrecken "optimale Verkehrsmittel" fördern.

Das Rad sei mit einem Branchenumsatz von acht Milliarden Mark im Jahr mittlerweile ein Wirtschaftsfaktor. Dennoch gesteht Klimmt ein, noch keine praktische Erfahrung beim Radeln im Berliner Regierungsviertel im abenteuerlichen Slalom zwischen Baustellen, Bussen und Autos gesammelt zu haben. Seine Dienststelle in Bonn besitzt vier Dienstfahrräder, in Berlin liegt die Zahl noch bei null.

Zwar ist die Radförderung in erster Linie Sache von Ländern und Kommunen, doch auch die Bundesregierung will das Radfahren als "umweltfreundliches, gesundes und kostengünstiges Fortbewegungsmittel" fördern. 75 Millionen Fahrräder gibt es in Deutschland. Im Nahbereich von drei Kilometern sei das Rad das "optimale Verkehrsmittel", betont Klimmt. Bis Ende dieses Jahres 2000 sollen 15.000 Kilometer Radwege an Bundesstraßen befahrbar sein. Jedes Jahr sind dem Ministerium zufolge dann 300 bis 400 Kilometer neuer Bundesradwege geplant.

Neben dem Ausbau dieser Radfernstraßen will sich die Regierung um mehr Verkehrssicherheit für Radler kümmern. "Der Radfahrer ist mit das verletzlichste Element im Verkehr", betont SPD-Politiker Klimmt.

In verkehrsberuhigten Einbahnstraßen der Zone 30 solle künftig nach einer Änderung der Straßenverkehrsordnung das Radeln gegen die Fahrtrichtung erlaubt sein. Ein Pilotprojekt in Saarbrücken habe eine "sonst kaum zu beobachtende Koexistenz zwischen den sonst rechthaberischen Auto- und Fahrradfahrem" gezeigt, weiß Klimmt aus eigener Anschauung in seiner Heimatstadt.

An eine allgemeine Helmpflicht für Fahrradfahrer denkt der Minister nicht. Er appelliert aber an die Radfahrer, den Kopfschutz freiwillig aufzusetzen. Klimmt setzt auf Aufklärung, denn trotz rückgängiger Unfallzahlen blieben Radfahrer besonders gefährdet.

Agnes Tandler, Frankfurter Rundschau vom 18.05.2000

 

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