Ausgabe 4/2000   Jul. / Aug.


Auf der Spuren von Schimanski und Grönemeyer

Der Pütt per Rad – ein Tourbericht

Das sind die Orte, wo jeder schon mal Urlaub machen wollte: Herne, Gelsenkirchen, Castrop-Rauxel! Nein, gefällt nicht? Dann eben Recklinghausen, Bottrop und Wanne -Eickel!

Manche mögen es für eine skurile Idee gehalten haben, dass im ADFC-Tourenprogramm eine Mehrtagestour ausgerechnet ins Ruhrgebiet angeboten wurde, aber dies hatte einen konkreten Hintergrund:

In den 90er Jahren fand die IBA, die Internationale Bauausstellung, in der Emscher-Region im nördlichen Teil des Ruhrgebiets statt. Die oben erwähnten Städtenamen sprechen für sich, mit der ganzen Region assoziiert man landläufig niedergehende Industrien, Naturzerstörung, soziale Brennpunkte, deprimierend-hässliches Ambiente. Mit der IBA wurde versucht, dieser Region mit städtebaulichen und landschaftsplanerischen Mitteln – über 5 Milliarden Mark wurden investiert – zu mehr Attraktivität und zu höherer Lebensqualität zu verhelfen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Zwar ist dort nicht gerade eine Naturidylle wie im Altmühltal eingekehrt, aber es entstand ein zusammenhängender, gestalteter Landschaftspark mit einer Ost-West-Ausdehnung von gut 100 Kilometern. Teil dieses Landschaftsparks ist der „Emscherpark-Radweg", der sich in 2 parallelen Routen durch das ganze nördliche und zentrale Ruhrgebiet zieht, und an dem unsere Freunde vom ADFC NRW entscheidend mitgeplant haben. Auf diesem Radweg verlief unsere Pfingst-Tour ca. 140 km weit.

Auf der gesamten Strecke gibt es Sehenswürdigkeiten ganz besonderer Art, wie sie sonst in Deutschland nirgends zu bestaunen sind: Monumente der Industriekultur von gigantischen Ausmaßen, heute genutzt für kulturelle und touristische Attraktionen. Wir besuchten auf unserer Tour:

  • die Zeche Zollverein in Essen, bis 1986 größte Zechen- und Kokereianlage Europas, Bauhaus-Industriearchitektur vom allerfeinsten, heute genutzt u.a. für die enorm beeindruckende Ausstellung „Sonne, Mond und Sterne", die wir besuchten

  • den Innenhafen Duisburg, ein Beispiel für moderne Umwidmung von Hafen- und Speichergebäuden zu Büros und Kulturbauten

  • den Alsumer Berg in Duisburg, weltweit in Fotografenkreisen bekannt für seine atemberaubende Aussicht auf die Stahlwerke der „Stadt Montan"

  • den Landschaftspark Duisburg-Nord, wo man auf der stillgelegten ehemaligen Meidericher Hütte 60 Meter hoch auf den Hochofen steigen kann

  • den Gasometer in Oberhausen, ein heute für Ausstellungen und Pop-Events genutzter Raum von 117 Metern Innenhöhe (Frankfurter Dom zum Vergleich: keine 30 Meter)

  • der Halden-Tetraeder in Bottrop, ein besteigbares Kunstwerk, von dem man die beste Sicht über das ganze Ruhrgebiet genießt

  • den Nordstern-Park in Gelsenkirchen, Schauplatz der 1997er Bundesgartenschau, ein sehenswertes Kunststück des Hochleistungs-Gartenbaus

Bei strahlendem Sonnenschein konnten wir das Ruhrgebiet als Freizeitpark erleben – einmal eine ganz neue Perspektive! In einem Biergarten am Rheinufer in Duisburg kamen wir auch zu unserem kulinarischen Höhepunkt: Currywurst, Pommes rot-weiß und ein frisches Pils!

Anne Wehr, Bertram Giebeler

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