Ausgabe 5/2000   Sep. / Okt.


Ganz schön kompliziert ...

Ich habe Physiker, Techniker und Fahrradhersteller befragt und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass das Prinzip, nach dem ein Radfahrer handelt, um die Balance zu halten, nicht allgemein bekannt ist. Die vom Radfahrer befolgte Regel sieht folgendermaßen aus: Wenn er droht nach rechts zu fallen, lenkt er nach rechts, so dass das Fahrrad einen Schlenker nach rechts beschreibt. Dies bewirkt, daß die Zentrifugalkraft den Radfahrer nach links drückt und dass die Einwirkung der Schwerkraft, die ihn nach rechts zog, aufgehoben wird. Dieses Manöver wirft den Fahrer sofort nach links aus dem Gleichgewicht, dem er entgegenwirkt, indem er den Lenker nach links bewegt. Und so hält er sich im Gleichgewicht, indem er ununterbrochen entsprechende Kurven beschreibt. Eine einfache Rechnung ergibt, dass für einen bestimmten Neigungswinkel des Gefährts die Krümmung jeder Kurve umgekehrt proportional zum Quadrat der Geschwindigkeit ist, mit der sich der Radfahrer vorwärts bewegt.

Aber sagt uns dies nun genau, wie man radfährt? Nein. Man kann nicht bewußt die Krümmungen des Weges, den das Rad beschreibt, dem Verhältnis des Kippwinkels zum Quadrat der Geschwindigkeit anpassen, und selbst wenn man es könnte, würde man trotzdem vom Rad fallen, denn es gibt eine Vielzahl anderer Faktoren, die man in der Praxis beachten muss und die in der Formulierung dieser Regel nicht enthalten sind.

Aus Michael Polanyi, Personal Knowledge, London: Routledge & Kegan Paul, S.49; zitiert in Hubert L. Dreifuss, Die Grenzen künstlicher Intelligenz, Königstein/Ts.: Athenäum Verlag, S. 347, 1985

 

Ganz schön kompliziert. Jetzt bin ich richtig stolz darauf, dass ich schon mit sechs Jahren Fahrrad fahren konnte. Aber war da nicht noch etwas mit der Fliehkraft der rotierenden Räder, die hilft, die Balance zu halten? Wenn man das auch noch in die obige Formel einbezieht, braucht man sicherlich einen Computer, um aufrecht zu bleiben.

(rha)

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