Ausgabe 3/2001   Mai/Junil

"Es müssen halt auch mal Kompromisse gemacht werden"
(Verkehrskommission)

Die Bauverwaltung hat’s wirklich nicht leicht. Da werden für diese Randgruppe "Radfahrer" extra Radwege gebaut und dann ist’s auch wieder nicht in Ordnung. Die ADFC Ortsgruppe hat sich erlaubt, in Bezug auf jüngste Baumaßnahmen im Ortsteil Dortelweil darauf hinzuweisen, dass in einer Reihe von Planungsbelangen die StVO-Novelle an den Verantwortlichen spurlos vorübergegangen sein muss. Die hiesige Bauverwaltung ließ sich daraufhin — wie zu erwarten war — nicht zu einem Schuldbekenntnis hinreißen. Im Gegenteil, die Aussagen wurden mal wieder als Beleidigung einer unfehlbaren Verwaltung empfunden.

Tja, in dieser Stadt hat man noch die Chance, ganz unten anzufangen. Hier riecht man noch den herben Duft der Herausforderung.

So, was ist jetzt eigentlich konkret vorgefallen? Im vergangenen Jahr wurden die Arbeiten des Rückbaus der Friedberger Straße durch den Ortsteil Dortelweil abgeschlossen. Ein Rückbau mit gleichzeitiger Anlage eines Radweges. Dies klingt zunächst nach einer Verbesserung für den Radverkehr. Doch was sich dem engagierten Radfahrer nach Abschluss der Arbeiten offerierte, war typisch für die Bad Vilbeler Radverkehrsplanung. In Form eines kleinen StVO-Gutachtens inkl. einer Fotodokumentation wurden die Bedenken an die Stadtverwaltung weitergereicht. Das Schriftstück enthielt die gesamte Palette an StVO-relevanten Punkten wie Linienführung, Oberflächenbeschaffenheit, Breite,.... Ob die radfahrerfeindliche Führung in den Kreiseln, das gefaste Verbundpflaster, die Flachbordsteine an den Bordsteinabsenkungen, die Masten und Pfosten in lichter Breite, .... und das alles 3 Jahre nach Inkrafttreten der StVO-Novelle. Die Stadtverwaltung hat unser Gutachten an das beauftragte Planungsbüro IMB-Plan (Herrn Prof. Dr. Storost) aus Frankfurt weitergereicht. Herr Professor höchstpersönlich hat dazu eine Stellungnahme geschrieben, die in ihren Inhalten der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden sollte. Deswegen werden im Folgenden einige besonders gelungene Passagen wörtlich wiedergeben. Die Worte bedürfen wohl kaum einer Kommentierung.

Als warm-up gibt’s aber zunächst noch 2 Zitate von unserem zuständigen Stadtrat Frank. Er nahm zu den Vorwürfen in der örtlichen Presse Stellung.

  • "... es ist unvermeidlich, dass hin und wieder die Pfosten von Verkehrsschildern auf einem Geh- oder Radweg plaziert werden müssen. Dass sich hierbei punktuelle Einengungen beim Radweg ergeben, ist unvermeidlich und von den Straßenverkehrsvorschriften auch zugelassen."
  • "Wenn Radwege Fahrbahnen schneiden, werden die Bordsteine abgesenkt. Hierdurch ist schon ein Höchstmaß an Komfort für den Radfahrer geschaffen. Bordsteine sind kein Selbstzweck, sondern dienen der geordneten Entwässerung der Straßen. Deshalb können sie auch nicht ganz verschwinden, sondern müssen mit einer gewissen Mindesthöhe erhalten bleiben. Diese beträgt meist rund 3 cm. Das ist Radlern zuzumuten."
  • So, seit ihr jetzt mental bereit für unseren Hardcore-Professor:
  • "Aus Gründen der Verkehrssicherheit wurden die Flachbordsteine F-15 gewählt. Sie werden nur mit einem Überstand von 3,5 cm hergestellt und auch so eingebaut."
  • "Es kann nicht nachvollzogen werden, warum der Einbau von gefastem Pflaster keine ,zeitgemäße bauliche Ausführung` sein soll. Tatsächlich hat das gewählte Pflaster durch die Fase den Effekt, dass das Oberflächenwasser schnell und nahezu vollständig in den Untergrund abfließt. Das ist sowohl aus ökologischen Gründen erwünscht als auch aus Sicherheits- und Komfortgründen willkommen: Es bildet sich kein dicker Wasserfilm, Spritzwasser und Rutschgefahr werden vermieden.
  • Bei den gängigen Reifenarten — ausgenommen die der echten Rennräder — dürfte außerdem das vorhandene Pflaster keine gravierende Minderung der Laufeigenschaften hervorrufen."
  • "Die Bordüberstände der eingebauten Rundborde an der Kreisstraßen-Einmündung sind mit
    2-3 cm gering, Probleme bei der Befahrbarkeit dürften hier nicht auftreten. Eine weitere Absenkung ist straßenbautechnisch aufwendig (vor und hinter der Absenkung müsste der Bordsteintyp wechseln)."

Na, war das zuviel versprochen? Reinstes Gedankengut der 70er Jahre! Das es so etwas noch gibt.

Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, die ADFC Ortsgruppe hätte irgendwelche Vorbehalte gegenüber der Bauverwaltung. Wir können schließlich nicht nur die Peitsche, sondern auch Zuckerbrot geben. Das bringt doch auch absolut mehr Freude. Nach vielen Jahren des beharrlichen Nachfassens und des bedächtigen Wartens ist es nun soweit. Der Radweg-Lückenschluss zwischen Gronau und Niddauferweg wird endlich Wirklichkeit. Mit der Schließung der Lücke zwischen Gronauer Weg/Zufahrt Dottenfelder Hof und dem Niddauferweg wird ein notwendiger Schritt für die Sicherheit der Radfahrer zwischen Gronau und Bad Vilbel geleistet. Man muss auch mal Danke (!) sagen können. Weiter so Jungs, es geht doch, warum nicht gleich so.

Irgendwann werden wir auch noch über die Einbahnstraßenöffnung in der Einkaufsmeile "Frankfurter Straße" berichten können. Solange — vermutlich noch ein ganzes Weilchen — wird Wulfhard unachtsam auf dem Radweg laufende kleine wehrlose Geschöpfe erschrecken müssen.ADFC

Bad Vilbel, Joachim Hochstein

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