Leserbriefe

„Rad weg“ die 2.
Liebes Redaktionsteam,
dem Leserbrief „Radweg = Rad weg!“ von Eva Kröcher möchte ich mich voll und ganz anschließen. Auch ich halte die Benutzung von Radwegen für weit gefährlicher als das Fahren auf der Fahrbahn und wünsche mir ebenfalls eine Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht. In der Praxis beachte ich letztere auch sehr selten, würde mich aber wesentlich wohler fühlen, wenn mein Verhalten von der Straßenverkehrsordnung zugelassen wäre.

Als Ergänzung noch ein paar Beispiele für die Gefährdungen und Belästigungen, denen ich mich auf Radwegen ausgesetzt fühle:

  • Führung des (eigentlich) geradeaus verlaufenden Radweges rechts von der Rechtsabbiegerspur, bei Ampeln verbunden mit einer deutlich kürzeren Grünphase als für Geradeausfahrer auf der Fahrbahn;
  • Führung des Radweges über Zu- und Abfahrten an mehrspurigen Straßen weit ab von der Straße selber, wo zügig (60-80km/h) zu-/abfahrende Autofahrer nicht unbedingt mit Querverkehr rechnen;
  • Bushaltestellen auf dem Radweg.

Zum Abschluss noch ein großes Dankeschön an Eva Kröcher für ihre umfassende Darlegung der Argumente gegen die Radwegebenutzungspflicht.
Mit freundlichen Grüßen
Barbara Nölleke

Rad weg - und Schepper (zu Eva Kröchers Beitrag in ffa6/01)
„Nein, Herr Wachtmeister, ich habe ihn nicht gesehen. Konnte ich auch nicht, er war ganz plötzlich da. Der ist viel zu schnell gefahren!!
Eine Stadtplage sind sie, diese Radfahrer. Verstecken sich aufm Gehweg hinter Büschen und Autos, und wenn du nichtsahnend abbiegst, tauchen sie aus dem Nichts auf. Und fahren dir, zickzackmäßige Haken schlagend, plötzlich quer vor den Kühler. Biegst du in eine Grundstückseinfahrt oder fährst aus einer raus, dich voll auf den Verkehr konzentrierend, musst du damit rechnen, dass mal wieder so ein Idiot auf dem Gehweg angerast kommt – gut versteckt natürlich. Du kannst heut nirgendwo mehr parken, ohne dass irgendsoein Spezialist sich verdammt eng am Auto vorbeiquetscht, Kratzer reinmacht – und volle Kanne in die Tür semmelt, machst du sie bloß einen Spalt auf. Und ist es noch mal gut gegangen, motzen sie einen auch noch an! Aber wenn so ein Selbstmörder doch sein Ziel erreicht, endlich hat's gekracht, soll unsereins auch noch für den aufgezwungenen Unfall zahlen, grummel!“
Hier habe ich mal versucht zu zeigen, wie die durch das beliebte Phänomen 'Rad weg' erzeugten Probleme aus der Windschutzscheibenperspektive wahrgenommen werden können. Viele sehen es tatsächlich so. Natürlich gibt es auch weniger ignorante Autofahrer, die sich wirklich bemühen, mit dem größten deutschen Radverkehrssicherheitsproblem so konfliktfrei wie möglich umzugehen – mich zum Beispiel (ich habe jahrelang als Berufskraftfahrer gejobbt und fahre manchmal immer noch Dose). Ich gehöre zu der besonders qualifizierten (also nicht repräsentativen) Minderheit unter den Dosentreibern, die als Alltagsradfahrer das Versteckspiel auch aus der Rolle des Versteckten kennt.
Bei den mir aus der Sattelperspektive bekannten Rad-wegs gelingt es mir noch, die Vorfahrt der versteckten Zickzackfahrer zu beachten. Da kommt der Gedanke „ach, hier war doch was“ rechtzeitig. Auch wenn es manchmal nervt, sich auf die simultane Beobachtung zweier inkompatibler Systeme (hie der geordnete, sichtbare Verkehr, dort der chaotische, versteckte) konzentrieren zu müssen. Solches „Multitasking“ ist sicherheitstechnisch ungünstig, man verliert eher den Überblick als bei dem gewohnten Singletasking – wie der normale, vollwertige Verkehr (also abgesehen von Rad-wegs) halt abgewickelt wird. Wenn dabei ein Auto hinter mir fährt, muss ich damit rechnen, dass es auffährt – weil der Fahrer sich nur „normal“ konzentriert oder (schon eher eine Entschuldigung) nicht ortskundig ist und nicht damit rechnet, dass ich, scheinbar aus heiterem Himmel, bremse, um einem von ihm unbemerkten Versteckspieler die Vorfahrt zu gewähren. Ist mir gottseidank noch nicht passiert, aber quietschende Reifen gab es schon.
Wo ich nicht ortskundig bin, ist mein Umgang mit Rad-wegs weniger vorbildlich. Trotz meiner Bemühungen, eventuelle versteckte „Radverkehrsanlagen“ (Gänsefüßchen, weil effektiv Radverkehrs-Gefährdungsanlagen) rechtzeitig zu orten, habe ich als Dosentreiber diverse nichtsahnend überfahren. Das „hoppla, hier ist ja ein Radweg“ kam zu spät. Einmal fuhr da auch wer, eine Autobahnabfahrt chaotisch kreuzend, seine de-jure-Vorfahrt beanspruchend (typisches Gelegenheitsradfahrer-Verhalten, der Illusion auf den Leim gekrochen). Voll in die Eisen, der hoch beladene Transporter brach aus und stellte sich quer. Glücklicherweise fuhr nichts hinter mir her.
Die typischen Rad-weg-Unfälle: Geradeausfahrer von rechtsabbiegendem oder quer einbiegendem Auto umgemäht, dito in Grundstückseinfahrten, und aufgeklappte Autotüren. Das sind strukturelle Probleme, die nie befriedigend gelöst werden dürften: Für die meisten Kraftfahrer hört der Verkehr, auf den sie achten, an der Bordsteinkante auf, Punkt. Änderung nicht in Sicht, dazu müsste man das Volk einem kritischen Psychotest unterziehen, nach dessen Auswertung mindestens die Hälfte der Fahrerlaubnisse erstmal entzogen werden müsste ...
Diese erschreckend vielen, „von Amts wegen“ produzierten Unfälle beschäftigen Versicherungen, Anwälte, Gerichte, Ärzte, Fahrradgeschäfte und Sachverständige wie mich. Der Anwalt des Autofahrers sagt normalerweise, der Radfahrer habe sich falsch verhalten und sei außerdem zu schnell gefahren. Was meiner Meinung nach auch stimmt – erfahrene Alltagsradler sind so schlau, dutzendmal pro Tag auf ihre Pseudovorfahrt zu verzichten bzw. auf rad-weg-adäquates Schrittempo runterzugehen. Dem Outler nutzt die Anwalts-Argumentation selten, seine Versicherung muss zahlen. Der umgemähte Radfahrer bekommt oft keinen gerechten Ausgleich aller Schäden, von Verletzungen nicht zu reden, plus dem Heckmeck drumherum. Eine typische lose-lose-Situation.
Achtung, zynisch: Besagte Profis verdienen ihr Geld zum Teil mit Rad-weg-Unfällen, die schaffen Umsätze und letztlich auch Jobs. Trotzdem dürfte die Rad-weg-Unfall-Gesamtbilanz negativ sein, weil die volkswirtschaftlichen Schäden durch schwere Verletzungen und Arbeitsunfähigkeiten wohl größer sind. Es gibt also kein wirtschaftliches Argument für Radwege, es sei denn, man arbeitet in den genannten Sparten oder in der Bauwirtschaft.
Diesen Exkurs zum Sicherheitsaspekt (es gibt andere, die auch gegen Zwangs-Rad-wegs sprechen), um zu begründen, warum ich wie Eva Kröcher der Meinung bin, dass der Einsatz von „Teilen des ADFC“ (im Unterschied zu anderen Teilen halt) für benutzungspflichtige Radwege ein Irrweg ist.
Wer die Leitartikel in Frankfurt Aktuell unkritisch liest, hat evtl. den Eindruck, es geht bergauf. Schließlich werden permanent Verbesserungen an Radwegen gelobt und „gute“ (einige davon wirken schon auf den Fotos sicherheitstechnisch zweifelhaft) neue gefeiert oder gefordert.
Wer sich in der Stadt umschaut, merkt aber, dass sich in den letzten Jahren in der Fläche wenig verändert hat, und auch das zum Teil sogar zum Nachteil des Radverkehrs. Der Großteil der existenten Radwege erfüllt nicht die seit 1997 gültigen StVO-Anforderungen – trotzdem blieben die Benutzungspflicht-Schilder hängen. Das wird auch noch lange so bleiben, wenn die Benutzungspflicht nicht durch Bundesrecht generell abgeschafft wird (wenig wahrscheinlich) oder der ADFC Frankfurt, wie etwa der ADFC in Hamburg, sich endlich mal massiv für die lokale Durchsetzung der Verwaltungsvorschriften einsetzt. Die bisherige Friede-Freude-Eierkuchen-Politik macht jedenfalls wenig Hoffnung. Ich bin schon 43. Was – vielleicht – in 50 Jahren passiert, interessiert mich nicht mehr ...
Rainer Mai

Belästigung durch Pkw-Verkehr auf landwirtschaftlichem Weg
Folgende E-Mail habe ich am 20. November 2002 an das Bürgertelefon im Römer (buergerberatung@ stadt-frankfurt.de) gesandt:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich fühle mich auf dem landwirtschaftlichen Weg, der von Frankfurt-Kalbach (Carbone) an Autobahn und U-Bahn entlang zur Olof-Palme-Straße im Merton-Viertel führt, zunehmend durch Pkw-Verkehr belästigt. Da der Weg nur für Landwirtschaft und Fahrräder freigegeben ist und ich nicht davon ausgehe, dass es sich um landwirtschaftlichen Verkehr handelt, bitte ich darum, durch stichprobenhafte Kontrollen auf eine Einhaltung der Verkehrsregeln auf diesem Weg zu dringen.
Mit freundlichem Gruß
Göttlich
Ich vermute, dass es anderen Fahrradfahrern ähnlich ergeht und schlage vor, dass sich diese ebenfalls an die Bürgerberatung wenden. Von dort erhielt ich umgehend die Antwort, dass man mein Schreiben an das Ordnungsamt weitergeleitet habe. Richard Göttlich

Radwege als Parkplatz
Ihr lieben Leute, ich habe mehr oder weniger zufällig Eure Frankfurt-aktuell-9/10/2002-Ausgabe beim Fahrradhändler mitgenommen und dann begeistert gelesen.
Auf meinem täglichen Weg mit dem Rad von Eschersheim zur Arbeitsstelle in den Gallus begegnen mir immer wieder zahlreiche Autofahrer (insbesondere Taxis, Lieferwagen und Ortskundige), die Fahrradwege als Kurzzeitparkplätze nutzen.
Macht es Sinn, solche Falschparker zu fotografieren, um sie dann anzuzeigen? Haben Sie dahingehende Erfahrungen? Sind von Ihnen aus solche Aktionen geplant oder schon durchgeführt worden?
Mit freundlichen Grüßen
Hansjörg Hennemann

frankfurt aktuell europaweit
Guten Tag,
seit 3 Jahren schon sendet Ihr mir frankfurt aktuell nach Italien nach. Es ist Zeit, endlich einmal Danke schön zu sagen. Von den Fortschritten im Ausbau des Fahrradwegnetzes zu lesen macht doch schon etwas Freude. Weiterhin viel Erfolg bei Eurer Arbeit.
Mit freundlichen Grüßen,
Hartmut Püchner

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15. Januar 2003 ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt