Mainradweg auf gutem Weg

Der südliche Mainuferweg ist eine der wichtigsten Verbindungen für den Radverkehr im Stadtgebiet von Frankfurt. Er nimmt mit dem  Mainradweg und dem Hessischen Radfernweg Nr. 3 nicht nur zwei bedeutende radtouristische Fernstrecken auf, sondern stellt auch eine der wichtigsten Achsen regionaler Nahmobilität dar. Über lange Jahre waren große Teile der Strecke zwischen Offenbach und Kelsterbach in einem beklagenswerten Zustand, der ihrer Verkehrsbedeutung in keiner Weise angemessen war. Der ADFC hat die Probleme auf allen Ebenen immer wieder thematisiert. Seit 2003 sind mehrere Abschnitte saniert und mit einer hochwasserfesten Asphaltdecke versehen worden. Mit der Sanierung des wichtigen Abschnittes zwischen Gerbermühle und Offenbacher Stadtgrenze wurde nun in den letzten Wochen eine der schlimmsten „Seenplatten“ beseitigt.
Seenplatten trockengelegt

Aus ökologischen Erwägungen war die Oberfläche des Mainuferwegs in weiten Teilen als wassergebundene Decke ausgeführt worden, die mit großer Regelmäßigkeit vom Hochwasser des Mains zerstört wurde, ohne dass ausreichende Unterhaltsmittel für die nötigen Reparaturen zur Verfügung standen. Die Folge waren ausgedehnte Pfützen, die nur über die angrenzenden Wiesenflächen umfahren oder umgangen werden konnten, was diese ebenfalls in ausgedehnte Morastflächen verwandelte. Vor einigen Jahren setzte ein Umdenken ein und im Sommer 2003 beschloss das Stadtparlament die Grundsanierung des sogenannten Mainwasenwegs zwischen der Flößerbrücke und der Gerbermühle. Das war der Startschuss für eine ganze Reihe weiterer Sanierungsmaßnahmen. 2006 wurde der Mainuferweg im Bereich Schwanheim asphaltiert, 2008 folgte der Abschnitt nördlich von Goldstein (siehe Foto). Mit der Fertigstellung des Weges im Bereich der Offenbacher Schleuse Anfang Dezember (siehe Titelbild) ist der südliche Mainuferweg nun bis auf einen kurzen Abschnitt westlich der Schwanheimer Brücke durchgehend befestigt und damit auch mit Reisegepäck ganzjährig befahrbar.
Und was tut Offenbach?

Tom Orlowski ist einer, der nicht locker lässt. Der seit Jahren in der AG Verkehr des ADFC aktive Radler hatte in der Hessenschau 2005 eindrucksvoll demonstriert, wie schwierig es ist, mit dem Fahrrad die matschigen Uferwege zu befahren. Nun, da mit dem Weg zwischen Gerbermühle und Offenbacher Schleuse eine der schlimmsten Problemstrecken saniert wurde, schrieb er umgehend an die Stadt Offenbach: „... nachdem die Stadt Frankfurt den Mainuferweg zwischen der Schleuse Offenbach und der Gaststätte Gerbermühle asphaltiert hat, ist der auf Offenbacher Gemarkung gelegene Herrnrainweg das letzte Stück Mainufer-Radweg, wo der Radler und die Radlerin bei schlechtem Wetter durch schlammige Pfützen fahren müssen. Es ist das kurze Wegstück zwischen der Kaiserleibrücke und der Offenbacher Schleuse. Das sind mal höchstens 500 Meter. Können Sie nicht veranlassen, dass diese kurze Strecke auch asphaltiert wird? Ich und ganz sicher viele, viele weitere Radfahrer und Radfahrerinnen würden darüber sehr dankbar sein, auch Ihr fahrradbegeisterter HerrOberbürgermeister fände das sicher sehr gut“.

Die Antwort kam innerhalb weniger Tage:
„Sehr geehrter Herr Orlowski, vielen Dank für Ihren Hinweis. Der von Ihnen beschriebene schlechte Zustand des Radweges ist uns bekannt. In Kürze wird ein Teil des Radweges, von der Strahlenberger Straße 149 in Richtung Kaiserleibrücke, mit einer Asphaltdecke ausgebessert. Auf Grund der finanziellen Situation bei der Stadt Offenbach ist es derzeit nicht möglich den gesamten Radweg mit einer Asphaltdecke zu überziehen.“
Steht es wirklich so schlimm um die Finanzen der Stadt Offenbach, dass man die Sanierung einer solch überschaubaren Strecke noch einmal aufteilen muss? Die Frage ließ Tom Orlowski keine Ruhe. Diesmal schrieb er direkt an Oberbürgermeister Horst Schneider. Die Antwort steht noch aus.

Der Mainradweg ist inzwischen auf den dritten Platz der beliebtesten deutschen Radfernwege vorgerückt. Seit 2007 beteiligen sich auch die hessischen Anrainergemeinden an der gemeinsamen touristischen Vermarktung. 2008 wurde er vom ADFC als erster deutscher Radfernweg mit fünf Sternen zertifiziert, der höchsten Kategorie. Der ADFC Frankfurt ist der Meinung, dass Offenbach Besseres verdient hat, als den zahlreichen Nutzern als die Stadt mit dem schlechtesten Wegezustand zwischen Bamberg und Mainz in Erinnerung zu bleiben.

Auch im Westen gibt’s Neues Dass seit einigen Wochen nun auch die schlammige Spaßbremse nördlich von Goldstein der Vergangenheit angehört, haben wir schon erwähnt. Aber auch weiter westlich tut sich was. Der Mainabschnitt zwischen Schwanheimer Brücke und Sindlingen gehört seit langem zu den Problemstrecken. Große Teile des Mainufers sind seit vielen Jahren unzugänglich, nachdem sich die Farbwerke Höchst vor einigen Jahrzehnten von ihrem angestammten Werksgelände über den Main hinweg nach Süden ausgedehnt hatten.

Da die Infraserv als Verwalterin des immobilen Erbes der Farbwerke Höchst bislang nicht bereit war, die Ausschilderung der am Main entlang führenden Radfernwege über ihr Gelände zuzulassen, mussten alle ortsunkundigen Radfahrer dem ausgeschilderten Weg durch den Schwanheimer Knoten folgen, im Volksmund treffend „Schlangennest“ genannt. Der Zustand dieser Verbindung hat sich in den letzten Jahren etwas verbessert, aber noch immer ist sie eine Zumutung für alle nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer.

Zwar gab es schon immer auch eine Verbindung nördlich der B 40, aber die war nur etwas für ortskundige Alltagsradfahrer, die bereit waren, sich die mehrspurige Straße südlich des eingezäunten Werksgeländes mit dem Autoverkehr zu teilen. Vor einigen Jahren hat die Infraserv zur Verbesserung des Images in Zusammenarbeit mit dem Umweltdezernat einen ausgeschilderten Radweg rund um das Werksgelände angelegt, aber auch der mäanderte wenig radlerfreundlich über Parkplätze, unbefestigte Seitenräume von Werksstraßen und Ampelkreuzungen, deren Planer an alles Mögliche gedacht hatten, nur nicht an autoscheue Freizeitradler.

Ausgerechnet das expansive Wachstum des Industrieparks eröffnet nun neue Chancen für eine attraktivere Umfahrung des Werksgeländes südlich des Mains. Die Verlegung eines Werksgleises erzwang die Kappung des bisherigen Radwegs zwischen dem südlichen Werkstor und den Mainbrücken bei Sindlingen verbunden mit dem Bau einer neuen Straße nördlich der B 40. Entlang dieser Straße wurde ein asphaltierterRadweg angelegt, der es nach Abschluss der Umbauarbeiten im Frühjahr 2009 ermöglichen wird, das „Schlangennest“ im Norden zu umfahren. Diese Verbindung führt zwar über das Gelände des Industrieparks und ist damit vom Goodwill der Infraserv abhängig, aber es scheint so, dass deren Manager die Zeichen der Zeit erkannt haben und bereit sind, dem Radverkehr eine Gasse zu bahnen.

Mit der neuen Verbindung rückt auch die bislang wenig befriedigende Führung der Radfernwege zwischen Schwanheim und Höchst wieder in den Fokus. Die Stadt Frankfurt tut derzeit einiges, um die Höchster Altstadt mit ihrem wunderschönen Main-Panorama aufzuwerten. Gerade von der Schwanheimer Seite ist das besonders gut zu sehen. Es wäre schade, wenn die Radler auf dem Mainradweg an dieser Perle vorbeirollen würden, ohne sie zu besuchen. Die Radfernwege sollten deshalb so geführt werden, dass Höchst möglichst direkt angebunden wird.
Ein Schritt in die richtige Richtung wurde in den letzten Monaten gemacht. Nach dem Bau der Leunastraße war die direkte Anbindung der Höchster Fähre an die neue Straße zunächst gekappt worden. Ortsunkundige hatten einige Mühe, den richtigen (Um)Weg von der Fähre auf die andere Mainseite zu finden. Viele landeten am Fuß der Straßenböschung und quälten sich über einen Trampelpfad die steile Schräge zur Brückenauffahrt hinauf. Inzwischen wurde dieser unmögliche Zustand abgestellt. Der Ortsbeirat 6 hatte auf Antrag der Grünen den Magistrat im letzten Sommer aufgefordert, „die Radwegeverbindung Leunabrücke Höchst–Schwanheimer Ufer und Schwanheimer Mainufer–Höchst, die im Zuge der Anbindung der Leunabrücke abgeschnitten wurde, wieder einzurichten.“ Die Stadt reagierte schnell. Das Ergebnis kann sich sehen lassen (siehe Foto)

Was bleibt zu tun?
Nach all den positiven Anstrengungen bleibt zu hoffen, dass im neuen Jahr auch der letzte unbefestigte Abschnitt des Mainuferwegs zwischen der Schwanheimer Brücke und der Höchster Fähre eine hochwasserfeste Decke erhält. Wenn dann noch die Stadt Offenbach im gewünschten Sinne reagiert, ist das Gröbste geschafft.
Letzter Problembereich ist dann das Niederräder Mainufer. Aber auch hier ist die Hoffnung nicht unbegründet, dass die Stadt in absehbarer Zeit eine Lösung findet, die sowohl den Interessen der Bootsvereine als auch den Freizeitinteressen der Allgemeinheit Rechnung trägt, ohne die ökologischen Belange zu vernachlässigen. Die heutige Führung entlang der Niederräder Uferstraße versprüht den spröden Betonpflastercharme des Straßenbaus der 70er-Jahre und ist wenig attraktiv.
Ein weiteres Sorgenkind insbesondere im Alltagsradverkehr ist die schlechte Anbindung der Bürostadt Niederrad an den Mainuferweg im Bereich der Lyoner Straße. Bisher wurden alle Versuche, hier zu einer Verbesserung für Fußgänger und Radfahrer zu kommen, zugunsten der freien Fahrt des Autoverkehrs abgeschmettert. Der ADFC weiß sich mit dem Ortsbeirat 5 einig, dass das nicht das letzte Wort sein kann.
Viel Spaß beim Radeln am Main im neuen Jahr wünscht

Fritz Biel

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