Fahrradcodierung - eine Erfolgsstory

Andrang am Codierstand vor dem Bürger-
haus Bornheim auf dem Radreisemarkt 2009. Im Zelt rechts der Autor
Foto: Peter Sauer

Bereits in einer früheren Ausgabe von Frankfurt aktuell hatte ich zum Besten gegeben, wie abhanden gekommene Räder wieder in den heimischen Keller zurückgefunden hatten. Der Artikel fand Zuspruch auch außerhalb unserer Region und vor allem bei den ADFC-Gliederungen, die sich wie wir der Codierung verschrieben haben.

Von Routine-Dechiffrierungen der Polizei konnten wir naturgemäß nicht berichten. Gelegentlich ist aber dort auch unsere Hilfe willkommen, dann nämlich, wenn die Bordmittel nicht mehr greifen oder der kleine Dienstweg schnellere Erfolge verspricht als der Amtsweg. Ich darf also mal ein paar ungewöhnliche Beispiele ausplaudern:

  • Eine Dame aus dem Rodgau hatte beim Hund-Gassi-Führen im Gebüsch ein codiertes Fahrrad entdeckt und wollte wissen, wem es gehört. Die Adresse ist schnell identifiziert, und die Google-Suche wird an besagter Stelle fündig: Sabine D. samt Telefonnummer. Kurzer Anruf, ob sie ein Fahrrad vermisst? Zwei Tage später erhalte ich die Nachricht, dass das Fahrrad wieder wohlbehalten in ihrer Garage steht.
  • Die Polizei in Marl landet via ADFC Bremen bei mir mit der Bitte, bei der Identifizierung eines Fundrades behilflich zu sein. Die Codierung führt nach Ludwigsburg bei Stuttgart. Über Google finde ich auch einen Bewohner, den ich anrufe. Nein, in seinem Hause wohne niemand außer seiner Familie, es könne sich vielleicht um den Vorbesitzer Peter F. handeln, der aber seit fünf Jahren einen Bootsverleih am Gardasee betreibe. Über e-mail kontaktiert und schon nach 24 Stunden die Antwort, es handele sich um sein Fahrrad, das er in Marl bei Freunden deponiert habe. Die Polizei möge mit seinem Rechtsanwalt A.B. Kontakt aufnehmen. Das Fahrrad steht zwischenzeitlich in Italien.
  • Der Leiter des hiesigen Fundamtes drückt mir einen Zettel mit einem Code aus Kamenz in die Hand. Dieser Kreis bestehe seit einigen Jahren nicht mehr, er sei im Kreis Bautzen aufgegangen. Aber auch die damalige Kreisgemeinde wurde bereits 1999 aufgelöst und ist seither ein Stadtteil von Kamenz. An der mutmaßlichen Adresse werde ich nicht fündig, aber bei der Nachbarin im Haus daneben. Sie erinnert sich, dass dort eine alte Dame wohnt, auf die die Initialen zutreffen. Ihr Sohn wohne gleich um die Ecke. Dieser ist über meinen Anruf erstaunt. Ja, er habe eine Nichte in Frankfurt, die dort bei einer Bank arbeite. Telefonnummer und Adresse seien ihm aber unbekannt. Der seltene Vorname lässt hoffen. Und in der Tat, auf der Homepage der Nassauischen Sparkasse taucht er wieder auf. Der Rest ist dann Pippifax.
  • E-mail von der Parkverwaltung der Wilhelmshöhe in Kassel. Dort wurde ein codiertes Fahrrad sichergestellt. Die örtliche Polizei könne nicht weiterhelfen. Verständlich, der Code führt nach Hannover, und die Kasseler Polizei hat keinen direkten Zugriff auf Codes aus Niedersachsen. Ein Anruf beim dortigen Einwohnermeldeamt führt auf die Spur zur Eigentümerin. Aber es meldet sich nur deren Anrufbeantworter, der Rückruf kommt einen Tag. Sie sei in einer Kasseler Klinik und habe bei einem Besuch der Wilhelmshöhe ihr Fahrrad eingebüßt. Nun wusste sie, wo sie es wieder abholen konnte.
  • E-mail der Polizei Heidelberg. Dort wurde ein Rad mit Frankfurt-typischer Codierung gefunden. Also wusste ich, es muss 1999 vom ADFC codiert worden sein. Die immer noch archivierten Anträge führen zum (inzwischen verstorbenen) Halter. Aber in Heidelberg wurde sein Rad gefunden! Antwort eines Angehörigen: Das muss dann meiner Schwester gehören. Sie ist gerade hier zu Besuch..

Rund 80% aller als abgängig gemeldeten Räder können nicht so beschrieben werden, dass Polizei und Fundamt damit etwas anfangen können. In den geschilderten Fällen hatte keiner der Eigentümer eine Verlustanzeige aufgegeben gehabt. Nur die Codierung führte zum Erfolg.

Alfred Linder

Inhalt Ausgabe 1 (Jan/Feb) / 2011


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