Ausgabe 1/1999   Jan. / Feb.


Welche Radfahrkarte wofür?

Auf der Brombacher Hütte (beim Herbsttreffen des Kreisverbands) regte Freya an, auch einmal in Frankfurt aktuell zu erläutern, was so auf dem Markt ist an papiernem und elektronischen Informationen über das, was wir in unserer näheren Umgebung unter die Reifen nehmen. Jetzt füge ich noch hinzu: auch zu erwarten ist ...

Was wir wollen, wissen wir: Einmal vor der Tour (oder vor dem Kampf durch den Straßendschungel der Großstadt) die bestmögliche Route ausbaldowern und dann unterwegs die Stelle auf der Karte finden, wo wir gerade sind, um zu erkennen, wo wir jetzt lang müssen.

Als Planungskarte für die Radferntour bietet sich im Maßstab 1:150'000 die Radtourenkarte der Bielefelder Verlagsanstalt, die RTK 150, an: ihre Signaturen lassen, deutschlandweit auf 27 Blättern, empfehlenswerte Strecken, spezifiziert nach Kfz-Belastung, hervorragend erkennen und Steigungspfeile verweisen auf mittlere (3-7%) bzw. stärkere Anstiege.

Führt die Karte allerdings - was ja immer vorzuziehen ist - den Radverkehr autofrei, also abseits der Straße durchs Gelände, kann schon an der ersten Abzweigung oder Gabelung des Wegs die Weiterfahrt zum Problem werden: der große Maßstab läßt Detaildarstellung nicht zu. Dies gilt genauso - die RTK 150 ist eine hochvergrößerte 200.000 auch für die 200.000-er Deutsche Generalkarte der Shell-AG und für die französische Michelin-Karte (die als besonderes Bonbon für uns Radfahrer vorbildlicherweise Höhenzahlen an Kreuzungen und Kuppen zu bieten hat).

In Hochgebirgen sind dann schon wieder sogar noch größere Maßstäbe (325'000 Norwegen, 400'000 Schweiz) auch als Unterwegs- Karte durchaus brauchbar: da gibt es zur Straße ja gar keine Alternative...

Haben wir also eine Route nach der (Planungs-)Karte vorgesehen, dann suchen wir uns im Gelände, mit Hilfe einer der topographischen Karten mit Maßstäben von 50Õ bis 75Õ000 den Weg sie weisen Höhenlinien auf (in der Stadt mit Stadtplänen; siehe unten).

Einschränkend muß allerdings zu diesen Höhenlinien gesagt werden, daß sie im Gelände für uns nur an übersichtlichen Steilstellen Orientierungshilfen bieten: sie sind wirklich nur zeitaufwendig zu deuten (erst mal die nächste Höhenzahl in ihrem Verlauf ausfindig machen zur Vergewisserung des Standorts: die Zahl ist so herum eingedruckt, daß eindeutig zu sehen ist, ob das Gelände ansteigt oder abfällt, auch wenn die Höhenzahl der nächsten Linie nicht im Blick ist: wo bei den Ziffern oben ist, ist's auch im Gelände...) und dann überprüfen, welche Alternative die wahrscheinlichere ist!

Entscheidend für uns ist, daß in Landkarten dieser Maßstäbe 1:50'- bis 1:75'000 erst recht mit eingedruckten Radverkehrsbeziehungen und diese obendrein noch differenziert nach gemischt genutzt oder autofrei, wie bei der TF50, der Topographischen Freizeitkarte des Hessischen Landesvermessungsamtes mit nur wenigen Ausnahmen, alle Wege eingezeichnet sind, Sodas wir zum Beispiel im Wald die Kreuzungen abzählen können und auch bei wolkenverhangenem Himmel die Orientierung nicht verlieren.

Empfehlenswert sind auch die topographischen ADFC-Regionalkarten der BVA (teils 75.-, teils 50.000): sie haben zudem den Vorteil eingedruckter Ausfallstraßen-Namen, differenzierter Wegebeschaffenheits-Signaturen, ausgeklügelter Faltung und zahlreicher Vorschläge erprobter Radtouren. Für den Frankfurter Raum ist die Erstellung eines Netzes mit der Empfehlung von gut einem Dutzend Tagestouren zwischen Darmstadt, Wiesbaden, Bad Nauheim und Hanau im Lauf des Frühjahrs und Frühsommers durch die Kartographie-AG vorgesehen (Maßstab und Blattschnitt müssen noch vom Verlag festgelegt werden, das ist Marketing-Entscheidung): wenn die BVA die Regionalkarte Frankfurt wie auch immer auflegen will, geht die Bitte um Mitarbeit an die Mitglieder der Kartographie-AG in den Postausgang...

Karten mit noch kleinerem Maßstab sind die Stadtpläne, von denen es in der Rhein-Main-Region eine ganze Reihe mit eingedruckten Radverkehrsbeziehungen gibt, zum größten Teil unter Mitwirkung der örtlichen ADFC-Gliederungen erstellt. Liegt der Maßstab unter 1:20'000, sind alle Straßennamen angegeben (und auch zu entziffern!), dann erleichtert die Beschilderung die Orientierung bei der GrünGürtel-Freizeitkarte der Stadt Frankfurt mit dem Maßstab 1:20'000 war die Angabe der Namen allerdings nur an Durchgangsstraßen möglich aber auf eine solche stößt man ja doch immer wieder.

Bleibt noch der Hinweis auf die flächendeckende CD-ROM der TF50 des Hessischen Landesvermessungsamtes: Auf das Erscheinen einer solchen mit den ausgewählten Radverkehrsmögligkeiten der Papier-Ausgabe müssen wir noch warten...

Ach ja, da gibt es ja noch die zahlreichen Radwanderführer verschiedener Verlage, keiner ohne Kartenausschnitte der Routen. Die bieten neben der obligatorischen Wegebeschreibung erfahrungsgemäß stehen selbst ausgefuchste Pfadfinder vor unlösbaren Orientierungsproblemen vor Ort aufgrund Platzmangels in der kartographischen Darstellung kniffliger Gegebenheiten - weitere Vorteile: Beschreibung von Sehenswürdigkeiten, Hinweise auf Beherbungs- und Verpflegungsmöglichkeiten, Sportstätten, öPNV-Anschlüsse, Fahrrad-Reparaturwerkstätten und manches andere, sind aber bestimmungsgemäß immer nur auf bestimmte Strecken oder auch Rundkurse beschränkt und vergleichsweise unhandlich. Vergleichsweise: Jede Landkarte hat im Gebrauch ein unmögliches Format da hilft nur ein ausgeklügeltes Falten und das am besten immer wieder in neuen Knicken (damit die Karte nicht so schnell an den Kreuzungspunkten der Faltungen einreißt!)

Zum "Kennenlernen, Benutzen und Verstehen Topographischer Karten" verweise ich auf das entsprechende, hervorragend gestaltete Faltblatt des Hessischen Landesvermessungsamtes, erhältlich im Infoladen.

Harald Braunewell

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