Ausgabe 5/2000   Sep. / Okt.


Vier Männer und vier Flüsse

Wir, das sind Adrian (11), Karl-Heinz (43), Max (11) und Thorsten (41), starten am Sonntag früh in der Nähe von Heidelberg, bei schönem Wetter. Vor uns liegt eine selbst zusammengebastelte 7-tägige Fahrradtour mit dem Ziel, ohne große Anstrengungen viel Spaß zu haben. Obwohl der Wetterbericht jeden Tag Regen ankündigt, werden wir braun gebrannt und bleiben trocken. Ausgerüstet mit topografischen Karten sollte es kein Problem sein, die richtigen Wege zu finden.

Zuerst geht es am Neckar entlang, durch romantische Dörfchen. Wir fahren mit kleinen Fähren (die, technisch interessant, am Stahlseil oder Kettenzug geführt werden) mehrmals über den Fluss. In der Jugendherberge Mosbach kehren wir ein. Welch ein Haus! Gute Küche, schöne Umgebung, viel Spiel- und Sportmöglichkeiten und nette Herbergseltern. Zudem können wir das Europameisterschaftsendspiel (Frankreich-Italien) anschauen. Wärmegewitter wecken uns nachts mehrmals auf.

Nach dem Superfrühstück mit Cornflakes, Orangentee und frischen Brötchen, geht es wieder bei schönem Wetter weiter. Wir wollen ins Jagsttal. Um die Strecke abzukürzen fahren wir quälend über einen steilen Berg ins nächste Tal. Plötzlich stehen wir an einem schönen Aussichtspunkt: "Es ist vollbracht" (Inschrift des Kreuzes am dazugehörigen Parkplatz). Ab ins Jagsttal. Vorbei an Fischreihern und Störchen.

In Jagsthausen hat Max eine Touristinformation aufgespürt. Dort haben wir zwei Doppelzimmer in einem Gasthaus in Krautheim (nähe der Burg) gebucht. So wie der Tag begann, endet der Abend: mit einem steilen Berg, Riesenschnitzel und Riesen Schwäbische Maultaschen entschädigen uns.

Am nächsten Morgen starten wir mit zwei Kanus zu einer Tour auf der Jagst. Gleich am Anfang erwischt uns ein kurzer Regenschauer. Da wir keine Möglichkeit sehen, uns unterzustellen, beißen wir die Zähne zusammen und paddeln weiter. Schon nach wenigen Minuten kommt der Sonnenschein wieder. Wir sehen Fischreiher und Enten. Adrian entdeckt einen Aal. Am nächsten Wehr holt uns der Kanubesitzer mit seinem Offroader wieder ab. Wir bemerken im Auto einen Aufkleber: "Kippe aus, anschnallen, Schnauze halten".

Vor Dörzheim biegen wir in die Berge ab. Ziel: Taubertal. Wir müssen wieder schieben. Max wird von einem UFO bei der steilen Bergabfahrt getroffen: der Einstich muss mit Salbe behandelt werden.

Plötzlich versucht Adrian, seinen Drahtesel zuzureiten. Mitten in der Konversation auf dem Fahrradweg, triftet er an den Böschungsrand. Ein großer Sprung vom Rad mit anschließendem Spurt durchs Gelände rettet ihn davor, vom sich überschlagenden Drahtesel erschlagen zu werden.

In Bad Mergentheim an der Tauber schlecken wir noch schnell Eis, bevor wir am Golfplatz vorbei zur JH Ingersheim radeln. Die Voranmeldung für das warme Abendessen wurde ignoriert, so dass wir mit einer kalten Platte vorlieb nehmen müssen. Noch am Abend finden wir auf dem Feld neben dem Golfplatz noch viele Golfbälle. Der Tausch mit anderen Findern macht Spaß.

Am nächsten Morgen geht es entlang der Tauber Richtung Main. Zwischendurch spielen wir Fußball, um für Abwechslung im Strampelalltag zu sorgen. Viele kurze steile Anstiege und Abfahrten entlang der Tauber veranlassen uns, das "lieblich" aus der Bezeichnung "Liebliches Taubertal" zu streichen. Im schönen Wertheim bekommen wir eine Privatunterkunft in Grünenwört vermittelt, nachdem die JH Wertheim belegt ist.

Frau Szabo hat zwei tolle Doppelzimmer und macht uns ein exzellentes Frühstück mit Müsli, Kaba und Brötchen.

Nun geht es den Main entlang. Wir genießen den ebenen Fahrradweg und die vielen Ausflugsdampfer. Sportplätze laden zum Fußballspielen ein. In Miltenberg angekommen, suchen wir eine Privatpension, nachdem die Jugendherberge im nahegelegenen Amorbach belegt ist. Minigolf spielen und gutes italienisches Abendessen (Lasagne, Pizza, Tagliatelle Delizia) entschädigen für den Berganstieg zur Privatpension.

Am 6. Tag geht es am Main entlang bis Obernburg. Dort biegen wir ab zur Burg Breuberg. Bevor wir dort ankommen, müssen wir noch einige Berge hochfahren. Wir motivieren uns gegenseitig, z.B. mit folgenden Dialogen. Karl-Heinz: "Max wird gerade vom Trecker überfahren": Thorsten: "Haupsache, die Trinkflasche bleibt heil, die kann man noch gebrauchen". Die Jugendherberge auf Burg Breuberg gefällt uns. Gutes Abendessen (Pizza), ein gut ausgestatteter Workshop-Raum mit Spielen und Malsachen und einem Burghof mit Burggraben zum Tischtennis-, Fußball- und Versteckenspielen.

Am nächsten Morgen regnet es. Doch schon bald nach dem reichhaltigen Frühstück (Milch, Tee, Kaffee, Brot, Brötchen, Obst, Wurst, Nutella, Honig, Butter) hört der Regen auf und wir fahren den Berg hinunter. Als wir an einem steilen Berg durch den nassen Waldboden schieben müssen, bekommen wir nasse Füße. Zudem ist das Wetter richtig kalt geworden. Wir sind letztendlich froh, Samstag abends noch trocken zu Hause anzukommen. Nach gutem Chinesisch-Essen und Heimkino in Nauheim fallen wir alle zufrieden ins eigene Bett.

Ungefähr 310 km sind wir geradelt und haben viel interessantes gesehen und erlebt. Es war eine gute Fahrradtour.

Adrian, Karl-Heinz, Max, Thorsten

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