Ausgabe 5/2000   Sep. / Okt.


Kleines ABC
großer Radfahr-Irrtümer

19. Fortsetzung
Um Hinweise auf weitere Stichwörter bittet Harald Braunewell

Das RAHMENMATERIAL sei ausschlaggebend für das Gewicht des Rades...

Mitnichten: siehe unter Alurahmen in der 3. Folge (Ausgabe 6/97).

Die RAHMENHÖHE beim Fahrrad sei doch gar nicht so wichtig — Hauptsache sei es, sich beim Anhalten mit den Fußspitzen auf dem Boden abstützen zu können...

Mitnichten — es sei denn, der das Rad benutzende Mensch sei kleiner als 180 cm: Dann nämlich kann er einen Rahmen fahren, dessen Höhe nicht mehr als 60 cm beträgt! Größere Rahmenhöhen bei Herren-Rädern, erst recht von Damenrädern mit tiefem Durchstieg, sind für schnelle Abfahrten, erst recht mit Gepäck, nicht geeignet — sie geraten allzuleicht ins gefürchtete Flattern (s. unten unter 'Reiserad'). Im übrigen ist ja die Körpergröße keine unbedingt anzulegende Messlatte: bekanntlich spielt ja die Beinlänge die entscheidende Rolle und damit das Kriterium, ob man oder frau sich mit gespreizten Beinen über das Oberrohr stellen kann. Rahmen über 60 cm Höhe sollten, der Flattergefahr bei höheren Geschwindigkeiten wegen, dafür durch ein verstärktes Unterrohr oder ein zusätzliches Rohr gerüstet sein.

Das RECHTSFAHRGEBOT für alle Verkehrsteilnehmer sei als ein Fahrbahnrand-Fahrgebot auszulegen...

Mitnichten: Die STVO schreibt vor, sich möglichst weit rechts zu halten, nicht nur bei Gegenverkehr, beim Überholtwerden, an Kuppen, in Kurven oder bei Unübersichtlichkeit — also: möglichst!! In Folge seiner Einspurigkeit ist das Zweirad extrem empfindlich gegen abrupte Lenkbewegungen, wie sie unwillkürlich gemacht werden, wenn ganz plötzlich das Hindernis am Fahrbahnrand ins Blickfeld gerät, die rollende Flasche, eine huschende Maus, das berühmte Huhn... Besser als am Straßenrand fahrend den Überholvorgang des schnelleren Verkehrs geradezu herauszufordern ist es, gebührenden Abstand (ca. einen Meter) von der Bordsteinkante oder dem Fahrbahnrand zu halten, dann kann immer auch noch rechts ums Schlagloch z. B. herumgekurvt werden!

zu REIFENPROFIL siehe 17. Fortsetzung: Profiltiefe

Ein REISERAD sei ein mit ein paar zusätzlichen Anlöt-Ösen ausstaffiertes Stadtrad...

Mitnichten: Der Ferntourer-Rahmen muss vor allem steif genug sein, um auch bei den höheren Geschwindigkeiten, wie sie ja auf Abfahrten durchaus wünschenswert sind, die schon unter 'Flattern' beschriebenen, unvermeidbar auftretenden Schwingungen so zu verkraften, dass sie nicht ins Unangemessene steigen — was ja bekanntlich zur Unbeherrschbarkeit des Zweirads führen würde! Begreiflicherweise sollte beim Probefahren des Objekts der Begierde dieses Flattern nicht provoziert werden, es sei denn, man kenne den bereits erwähnten Trick, das sich aufschaukelnde Rad, mit Packtaschen hinten beladen, wieder in den Griff zu bekommen — Bremsen führt nämlich dann bereits zum Sturz: Mit einem Knie, in der Aufschwing-Anfangsphase fest an den schwingenden Steuerkopf gedrückt, wird das Resonanzverhalten des Systems Rad/Mensch so verändert, dass die Gefahr schlagartig beseitigt ist und sofort der Bremsvorgang eingeleitet werden kann! Ich wünsche jedem und jeder, dass er/sie das nie ausprobieren muss...

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