Ausgabe 6/2001   November/Dezember

Sich regen bringt Segen
Oder: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!

Wochenlang ärgerte ich mich im Sommer über den provisorischen "Fuß- und Radweg" entlang der Baustelle des Polizeipräsidiums in der Eschersheimer Landstraße: ein grober Schotterbelag, gemischt mit Bauschutt, uneben, gespickt mit Löchern, dazu lehmige Bereiche, die bei Regen glitschig waren, auf beiden Seiten von Baugittern eingezwängt, deren Betonfüße als Stolperfallen in den Weg ragten, bei Dunkelheit weitgehend unbeleuchtet, natürlich ohne Abschrägung bei Auf- und Abfahrt.
Am 14. Juli hatte ich die Nase endgültig voll und machte meinem Ärger in einer E-Mail an das Straßenbauamt (für potenzielle Nachahmer: strassenbauamt@ stadt-frankfurt.de) Luft. Von der örtlichen Bauleitung erhielt ich zur Antwort: "Die von Ihnen genannten Mängel wurden in einem Ortstermin besprochen und, sofern möglich, bereits abgestellt". Psychologisch geschickt wurde die Werbung um Verständnis für die Unannehmlichkeiten ("Leider führen Baumaßnahmen im Straßenraum immer zu zeitweiligen Einschränkungen aller Verkehrsteilnehmer") verbunden mit der Verheißung einer besseren Zukunft: "Durch die Baumaßnahme werden die Verkehrsverhältnisse für Fußgänger und Radfahrer im Übrigen entschieden verbessert."
Der erboste Bürger beruhigte sich also wieder und versuchte weiterhin, auf dem – unverändert schlechten – Wegstück nicht zu fallen. Immerhin hoffte er ja auf die angekündigte wesentliche Verbesserung der Lage nach Ende der Arbeiten. Stattdessen wurden allerdings ein paar Wochen später neue Schikanen aufgefahren: Am nördlichen Ende der Baustelle wurde als Übergang eine Schlammfläche eingerichtet und vom angrenzenden Rest-Radweg durch einen durchgehenden Graben mit Absperrung getrennt. Warnschilder, Beleuchtung etc. fehlten ganz.
Daraufhin riss mir der Geduldsfaden und ich fuhr massiveres Geschütz auf: In einer weiteren E-Mail forderte ich den Bauleiter auf, diese unhaltbaren Zustände innerhalb von zwei Werktagen abzustellen und unverzüglich die angemessenen und unabdingbaren Maßnahmen zur Sicherung durchzuführen. Um meinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, behielt ich mir ausdrücklich juristische Schritte vor (nach meiner Erfahrung ein probates Mittel, um den Amtsschimmel in Trab zu setzen).
Und das "Wunder" geschah. Am Nachmittag desselben Tages erhielt ich die Nachricht, dass bei einem weiteren Ortstermin vereinbart wurde, "den Weg in voller Länge mit einer bituminösen Decke zu befestigen. Auch der zur Zeit geschotterte Bereich der Haupteinfahrt zur Baustelle des Polizeipräsidiums wird mit einer provisorischen Bitu-Decke versehen. Hier werden außerdem die Entwässerung und die Führung der Radfahrer und Fußgänger verbessert."
Ob man es mir glaubt oder nicht: Bereits am selben Abend hatte ich das Vergnügen, über den nunmehr glatt geteerten Pfad inklusive Auf- und Abfahrten nach Hause zu "gleiten" – wie das auf einmal so schnell gehen konnte, ist mir rätselhaft, aber es ging! Schade nur, dass ich nicht früher auf Abhilfe bestanden hatte...
Szenenwechsel
Am Dienstag, den 30. Oktober, kam es so "dick", dass ein Zaudern nicht angebracht war: Ich fuhr gegen 18.00 Uhr, d.h. bei Dunkelheit, auf dem Radweg von der Messe Richtung Bockenheimer Warte entlang des Alleenringes. Plötzlich stieß ich mit dem Kopf bzw. der darauf sitzenden Brille gegen die Unterkante eines Plakates. Nachdem ich mich von meinem Schreck erholt hatte, stellte ich fest, dass an sämtlichen Masten zwischen Radweg und Bürgersteig solche Plakate ("Tune in") angebracht waren. Die meisten davon versperrten den Radweg in Augenhöhe der Radfahrer, viele in voller Breite.
Immerhin war das doch so absurd, dass das Ordnungsamt (ordnungsamt@stadt-frankfurt.de) am nächsten Morgen umgehend auf meine Nachricht reagierte: Gegen Mittag erhielt ich die Meldung, die verantwortliche Firma sei zwischenzeitlich ermittelt und aufgefordert worden, die Plakate zu entfernen bzw. so anzubringen, dass kein Verkehrsteilnehmer gestört oder gefährdet werden kann. Die Firma habe zugesichert, die Plakate bis 14.00 Uhr umzuhängen. Der Spätdienst werde die Ausführung nochmals kontrollieren, und sie würden sich umgehend nach Abschluss der Prüfungen wieder an mich wenden.
Ich habe daraus zweierlei gelernt: Die menschliche Dummheit ist unermesslich (oder war's nur eine zu kurze Leiter?), und in lohnenden Fällen kann eine nachdrückliche und dringliche Beschwerde durchaus auf fruchtbaren Boden fallen.

Wolfgang Preiser

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