Zwei Jahre Fahrradroute Nordweststadt-Innenstadt - eine Bestandsaufnahme
Mit Baudezernent Franz Zimmermann (FDP) auf Erkundungstour
Am 11. September jährte sich der Tag zum zweiten Mal, da der damalige Baudezernent Martin Wentz (SPD) zur Einweihung der Fahrradroute Nordweststadt-Innenstadt am Rande der Kreuzung Hügelstraße / Raimundstraße / Ginnheimer Hohl geladen hatte. Schon damals gab es die eine oder andere hämische Nachfrage ob der Tatsache, dass die Route keineswegs so fertig war, wie sich die Benutzer das gewünscht hätten. Zwei Jahre später ist es ein neuer Baudezernent, der anlässlich der nächsten Einweihungsfeier (s. frankfurt aktuell 5/02 Es geht voran) dem ADFC-Sprecher das Angebot macht, einmal im Monat gemeinsam in den Sattel zu steigen, um sich der Realität zu stellen, die für Frankfurts Radfahrer/innen Alltag ist. Am 31. Oktober war Premiere auf der Fahrradroute Nordweststadt-Innenstadt. Treffpunkt 16 Uhr U-Bahn-Station Römerstadt. Mit von der Partie Stadtrat Franz Zimmermann (FDP), Stefan Majer, Stadtverordneter der Grünen, und für den ADFC Fritz Biel und Tom Orlowski. Gegenstand des Interesses: die Mängel, die noch immer die Radelfreude trüben auf dieser wichtigen Verbindung zwischen der Innenstadt und dem Frankfurter Nordwesten.

Wegweisung Fehlanzeige
Fahrradrouten sollen dem Radverkehr, wo immer es geht, einen Weg bahnen abseits der großen Rennstrecken des Autoverkehrs. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg dieses Konzepts ist die Wegweisung. Auf der Fahrradroute Nordweststadt-Innenstadt steht zwei Jahre nach der Eröffnung noch immer kein einziges Schild.
Schrankenlose Zukunft
Es war zunächst gar nicht so einfach, das Interesse von Franz Zimmermann auf das Hindernis zu lenken, das seit einigen Jahren den Vorwärtsdrang der Radfahrer unter der Brücke am Hadrianbunker bremst. Das Fahrrad von Tom Orlowski erschien ihm viel interessanter. Es ist ja auch immer wieder ein Erlebnis, wenn sich so ein Brompton-Faltrad auf sein Hinterteil setzt - immer bereit, sich zum Fortkommen seines Besitzers blitzschnell wieder zu entfalten.
Seit vor einigen Jahren anlässlich des Ausbaus der Geschwister-Scholl-Schule unter der Brücke eine breite Durchfahrt für die Zufahrt zur Baustelle geschaffen wurde, verwehrt eine massive Schranke die Nutzung der komfortablen Passage auch für den Radverkehr. Stattdessen teilen sie sich daneben einen schmalen Schlauch mit den Fußgängern, der in der einen Richtung als Gemeinsamer Geh- und Radweg (Zeichen 240 StVO) beschildert ist, während ihn das Schild in der Gegenrichtung als Getrennten Geh- und Radweg ausweist (Z. 241 StVO).
Der ADFC fordert: Ersatz der Schranke durch eine für Radfahrer passierbare Absperrung, Aufhebung der unsinnigen Führung über den Fußweg.

Herbstliche Rutschbahn
Wenige Meter weiter zeigte sich der Weg zum neuen Niddasteg in vollem Herbstlaub. Eine dicke Schicht von nassem Blättermatsch verbarg den hässlichen Asphalt - Anlass für den ADFC, den Stadtrat auf die Notwendigkeit der Reinigung von Fahrradrouten anzusprechen. Das gilt nicht nur für die Beseitigung der Blättermassen im Herbst, sondern auch für die Schneeräumung. Die Straßen in den Tempo 30-Zonen werden im Winter nicht geräumt.
Im städtischen Reinigungsprogramm sind die Fahrradrouten bislang kein Thema. So mussten die Radler in der Hansaallee tagelang auf die vielbefahrene Fahrbahn ausweichen, weil der stadteinwärts führende Radfahrstreifen wegen der vom Sturm gerupften Blättermassen nicht gefahrlos zu befahren war.
Der ADFC meint: Das muss sich ändern.

Polleritis
Kaum war der neue Steg über die Nidda fertig, wurden Benutzern wieder die ersten Poller in den Weg gepflanzt. Um die Befahrung durch Autos zu verhindern, brachte das zuständige Amt in der südlichen Zufahrt zwei Poller an, immerhin rot-weiß gestreift und nicht nachtgrau, wie so häufig. Dem Ortsbeirat 8 war das nicht genug. In einem Antrag forderten die Grünen, dass auch am anderen Ufer zwei Pfosten aufgestellt werden, um durch die so entstehende Unfallgefahr die Radfahrer zu bremsen. Als das Grünflächenamt ablehnte (Nur Drängelgitter hätten den erwünschten Effekt), legte die grüne Fraktion nach: Flehentliche Bitte um zwei Pfosten für sonnige Sonntage überschrieb sie den neuen Antrag. Die Probleme auf dem sonntags bei schönem Wetter zweifellos überbevölkerten Niddauferweg läst man auf diese Weise natürlich nicht, aber man macht halt ein bisschen Stimmung gegen die Radfahrer. Dass immer wieder schlimme Unfälle passieren durch diese Art von Hindernissen, nimmt man dabei in Kauf.
Besonders problematisch ist die am südlichen Ufer gewählte Anordnung von zwei Pollern, gerade auch im Gewimmel an sonnigen Sonntagen, da für niemanden eigentlich klar ist, wo er denn nun durchfahren soll. Im Zweifelsfall trifft man sich zwecks Kollision in der Mitte - trotz ausreichender Breite der Brücke.
Der ADFC hat Stadtrat Zimmermann vorgeschlagen, als Kompromiss auf beiden Seiten jeweils einen Poller in die Mitte zu setzen.

Unterführung Woogstraße
'Rutschgefahr - Radfahrer absteigen - so ein Schild auf einer Fahrradroute macht keinen guten Eindruck, abgesehen davon, dass sich sowieso niemand dran hält. Früher waren die Rampen der Unterführung an der Woogstraße gekachelt, wenn auch - wegen mangelhafter Ausführung - nicht lange. Seit einigen Jahren gibt es einen neuen, rutschfesten Belag. Es war vom Straßenbauamt zugesagt, dass die Schilder mit der Eröffnung der Fahrradroute verschwinden, aber sie hängen noch immer.
Der ADFC fordert: Endlich weg damit!
Wie verhindert man, dass Fußgänger und Radfahrer sich gegenseitig in die Quere kommen? Man stellt Ihnen Hindernisse in den Weg! So haben sich das zumindest die Planer der Unterführung gedacht. Sie hätten besser für vernünftige Sichtverhältnisse gesorgt. Die Edelstahlgeländer am Ende der Treppenabgänge (siehe Foto) leisten jedenfalls so, wie sie angebracht sind, keinen Beitrag zur Sicherheit. Im Gegenteil: Sie stellen eine Gefahr dar, weil sie ausgerechnet an den unäbersichtlichsten Stellen den Bewegungsraum einengen und Ausweichmanöver behindern.
Der ADFC fordert: Versetzung der gefährlichen Hindernisse.
Auf der Ginnheimer Seite stehen den Benutzern direkt am Beginn der Rampe gleich vier Poller im Weg (siehe Foto). Sie sollen wohl verhindern, dass Autofahrer die Treppe benutzen. Ob es dafür gleich so viele braucht, dar¸ber kann man sicher streiten. Warum aber ausgerechnet hier ein Papierkorb hängen muss, weiß wohl nur der Himmel.
Der ADFC meint: Die Hälfte der Poller tut's auch und der Papierkorb muss da weg!

Raimundstraße - Lückenschluss
Sie misst keine 100 Meter, die Lücke im Radstreifen zwischen Hügel- und Pfeiferstraße, aber sie markiert mit aller Deutlichkeit den fortdauernden Vorrang des Autos, selbst auf Fahrradrouten. Weil einmal am Tag, wenn die nahe Telekom Feierabend macht, sich kurzzeitig hier die Autos stauen, sind an der Ampel in Richtung Hügelstraße zwei Fahrspuren als Stauraum markiert. Dazu kommen die Schleichwegespezialisten durch die Tempo 30-Zonen, die in der abendlichen Rush-Hour über die Platenstraße und die Stefan-Zweig-Straße dem Stau auf der Hügelstraße entgehen wollen.
Der Platz fehlt unübersehbar in den restlichen 23 Stunden des Tages für die Anlage des stadteinwärts führenden Radstreifens. Wehe dem Radfahrer, der sich hier zu weit in Richtung Bordstein abdrängen lässt, er wird ohne Rücksicht auf ausreichenden Seitenabstand auf engstem Raum überholt. Die ängstlicheren Gemüter weichen gleich auf den schmalen Gehweg aus - zu Lasten der Fußgänger.
In der Gegenrichtung ist zwar ein schmaler Radstreifen vorhanden, er wird aber rechts von den rechts abbiegenden Autos geführt. Das führt in Verbindung mit der viel zu kleinen Aufstellfläche vor der Ampel immer wieder zu gefährlichen Konflikten, wenn nicht die Autofahrer den Radstreifen gleich mitbenutzen, um ein wenig mehr Distanz zu den Staupartnern auf der Nachbarfahrbahn herzustellen.
Der ADFC fordert: Schluss mit dem Mut zur Lücke! Zwei Fahrspuren müssen an dieser Engstelle für den Autoverkehr reichen. Anlage von ausreichend breiten Radfahrstreifen in beiden Fahrtrichtungen und Vergrößerung der Aufstellfläche an der Ampel.

Raimundstraße - fehlende Markierungen
Seit 1993 gibt es in der Raimundstraße Radstreifen. Genauso lange fordert der ADFC, unterstützt vom zuständigen Ortsbeirat, dass endlich die auf weiten Strecken fehlende Trennmarkierung zwischen Park- und Radstreifen angebracht wird. Im September 1995 hatte der Magistrat dem Ortsbeirat versprochen, die fehlenden Markierungen kurzfristig anzubringen. Sie fehlen noch heute.
Der ADFC empfiehlt: Weiterbildung zur Bedeutung des Begriffs kurzfristig.

Raimundstraße - Falschparker
Falschparker auf Radverkehrsanlagen sind ein leidiges Thema. Das gilt auch für die Raimundstraße. Ein Kiosk, eine Bäckerei und eine Autowerkstatt sorgen gegenüber der Einmündung Stefan-Zweig-Straße für Dauerbelegung. Die zuständige Ordnungsbehörde erklärt in Sachen Falschparken in zahlreichen Magistratsberichten seit Jahren faktisch ihre Kapitulation.
Der ADFC fordert: Der Magistrat muss endlich ein Konzept vorlegen, wie er der grassierenden Wiedergeburt des Faustrechts Einhalt gebieten will.

Hansaallee / Miquelallee - tödliche Falle
Am 29.11.2000 - mehr als zwei Monate nach der Einweihung der Fahrradroute - antwortete Herr Bruss vom Straßenbauamt auf eine Intervention des ADFC: 'Wir sind uns der Wichtigkeit der Radmarkierung an der Hansaallee bewusst und versuchen mit Hochdruck die fehlenden Markierungen noch in diesem Jahr aufzubringen.' Heute, zwei Jahre später, warten wir an der gefährlichsten Stelle der ganzen Strecke noch immer auf die Furtmarkierungen über die Miquelallee. Stattdessen parken dort unmittelbar vor der Kreuzung regelmäßig bis zu drei Fahrzeuge auf dem Radweg und blockieren damit die lebensnotwendigen Sichtbeziehungen. Das Ordnungsamt, vom ADFC mit Fotos unter anderem auf ein tagelang dort abgestelltes Unfallfahrzeug aufmerksam gemacht, konnte, laut schriftlicher Auskunft, dort keine Falschparker feststellen. Wie auch, wo die meisten der Falschparker in den angrenzenden Wohnungen leben und mit ihren Autos dort erst eintreffen, wenn auch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes bereits ihren verdienten Feierabend genießen.
Vor wenigen Wochen wurde ein Radfahrer an dieser Kreuzung von einer Autofahrerin aus Richtung Eschersheimer Landstraße angefahren und tödlich verletzt. Noch steht die Unfallursache nicht definitiv fest, aber nach allem was hier bekannt ist, hat die Autofahrerin sehr wahrscheinlich die rote Ampel missachtet. An dieser Stelle tut man dies oft und mit hoher Geschwindigkeit. Es handelte sich aber nicht um den von uns seit langem befürchteten Abbiegeunfall. So zynisch es angesichts des tragischen Unfalls klingt, aber der Magistrat müsste seiner jahrelangen Untätigkeit wegen an dieser Stelle zum Dank eigentlich sämtliche Glocken Frankfurts läuten, dass es nicht anders kam.
Hat man diese gefährliche Stelle wohlbehalten hinter sich gebracht, droht wenige Meter weiter neue Gefahr. Weil sich das Land als Betreiber der Universität seit vielen Jahren nicht mit dem Bund über die Abwicklung der Grundstücksangelegenheiten im Gefolge des Abzugs der Amerikaner einig wird, kann die Stadt nicht wie geplant den Bürgersteig verlegen, und so fehlen an dieser kritischen Stelle noch immer etwa 25 Meter Radweg. Das hinderte das Straßenbauamt freilich nicht daran, bei der Markierung des weiterführenden Radstreifens so zu tun, als gäbe es die Lücke nicht. Sollen die Radfahrer doch illegal über den Gehweg fahren.
Der ADFC fordert: Markierung der fehlenden Furt über die Miquelallee zum Schutz des Radverkehrs vor Rechtsabbiegern, aber nur bis Fahrbahnmitte, solange die Fortführung des Radwegs auf der anderen Straßenseite nicht gewährleistet ist. Schnellstmögliche Verlegung des Gehwegs und Schließung der Radwegelücke, entsprechend den bereits 1995 beschlossenen Plänen. Sicherung der Sichtbeziehungen durch wirksame Maßnahmen gegen die Falschparker auf dem Radweg Hansallee / Ecke Miquelallee.
Fortsetzung folgt - wann?
Die Route, von der hier die Rede ist, umfasst 4 Kilometer und erstreckt sich von der Bremer Straße bis zum Erich-Ollenhauer-Ring am Nordwest-Zentrum. Sie ist nur eine Teilstrecke der in der Radverkehrskonzeption vorgesehenen Verbindung zwischen der Innenstadt und Weißkirchen. Die Fortsetzung in Richtung Innenstadt ist bereits seit 1998 beschlossen und wird hoffentlich im nächsten Jahr endlich umgesetzt. Die Weiterführung stadtauswärts befindet sich seit vielen Jahren in der Ämterabstimmung.
Der ADFC fordert: Es muss endlich auch für die Radverkehrsprojekte eine mittelfristige Investitionsplanung aufgestellt werden, um eine verlässliche Zeitplanung zu ermöglichen und zu einer kontinuierlichen Umsetzung beschlossener Planungen zu kommen.

Fazit
Am Ende hat sich Franz Zimmermann doch über die vorgesehene Stunde hinaus Zeit genommen. Nun ist er nicht der erste Baudezernent, der sich mit dem ADFC auf's Rad schwingt - das haben andere vor ihm auch schon getan - aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass dieser Stadtrat einen sehr direkten Zugang hat zu den vielen kleinen Unzulänglichkeiten, die leider noch immer geeignet sind, aus der besten Vorplanung schlechte bauliche Realität werden zu lassen.
Wem hier die ein oder andere Problemstelle fehlte, dem sei gesagt: Wir kennen sie alle, aber wir haben uns bewusst auf Fragen konzentriert, die in die direkte Zuständigkeit des Baudezernenten fallen. Die Tour hat Franz Zimmermann sichtlich Spaß gemacht und wir waren uns einig, dass wir diese Treffen in regelmäßigen Abständen fortsetzen wollen.
Auf das nächste Mal freut sich schon
Fritz Biel

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12. November 2002 ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt