Radfahrer frei? 

Nach der Sperrung der Emser Brücke war mir aufgefallen, dass auf keinem der Sperrhinweise ein Vermerk zu entdecken ist, dass Fußgänger und Radfahrer von dieser Sperrung nur selten oder gar nicht betroffen sind. Dies tat ich der Straßenverkehrsbehörde per E-Mail am 6.11.2006 kund: 

„Hallo, vor der südlichen Auffahrt zur Emser Brücke weist ein großes Schild auf die Sperrung der selben hin. Nicht erwähnt wird dort, dass für Fahrradfahrer durchaus eine Möglichkeit besteht, auf diesem Weg nach Bockenheim zu gelangen.

Könnte man nicht einfach ein ergänzendes Hinweisschild wie „Fahrradfahrer frei“ oder „Durchgang für Radfahrer und Fußgänger frei“ anbringen? Nicht nur Ortsunkundigen, auch Ortskundigen, die nicht regelmäßig diesen Weg nutzen, würden größere Umwege erspart bleiben.

Beste Grüße aus Bornheim ...“ 

Eine prompte Antwort erhielt ich bereits am nächsten Tag:

„Vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse am Verkehrsgeschehen im Stadtgebiet von Frankfurt am Main.

Der Radverkehr über die Emser Brücke wurde vor den Bauarbeiten über einen Radfahrstreifen auf der Fahrbahn geführt. Da die Fahrbahn nun voll gesperrt wurde, der Radfahrverkehr aber weiterhin in beide Richtungen die Emser Brücke passieren soll, wurde seitens der Straßenverkehrsbehörde verfügt, dass an der Stelle, an der der Radfahrstreifen jeweils endet, der Gehweg angerampt und mit dem Verkehrszeichen ,Gemeinsamer Geh- und Radweg‘ (VZ 240 StVO) beschildert wird. Ich gehe davon aus, dass aus dieser Beschilderung ersichtlich ist, dass die Brücke von Radfahrern und Fußgängern passiert werden kann.

Ich werde aber unsere Baustellenüberwacher bitten die vorhandene Beschilderung an der Baustelle auf Vollständigkeit zu überprüfen.

Für weitere Rückfragen stehe ich Ihnen zwischen 7.00 Uhr und 12.00 Uhr gerne zur Verfügung.

(Mitarbeiterin) Ordnungsamt
Straßenverkehrsbehörde“ 

In einem Telefongespräch, das zwischen 7.00 Uhr und 12.00 Uhr geführt wurde, erklärte ich der Mitarbeiterin des Ordnungsamtes, dass es zwar (wenn auch nur teil- und zeitweise) richtig sei, dass am Ende der Radfahrstreifen die von ihr erwähnte Beschilderung stände, dass aber diese Beschilderung unter normalen Umständen gar nicht in den Sichtbereich des Radfahrers gelange. Dann nämlich, wenn dieser die Hinweisschilder auf die Vollsperrung der Emser Brücke ernst nähme und sich von diesen dazu verleiten ließe, auf die Fahrt nach Bockenheim oder ins Gallus zu verzichten.

Die Mitarbeiterin wollte das Thema in die regelmäßigen Besprechungsrunde im Ordnungsamt einbringen und  mich über den weiteren Verlauf informieren. Dies tat sie am 10. 11. wieder per Mail:

„Sehr geehrter Herr Sauer,

bezüglich unseres Telefonates wegen der Hinweisbeschilderung der Emser Brücke möchte ich Ihnen mitteilen, dass wir Ihrer Anregung leider nicht entsprechen werden. Im Zuge der Baumaßnahmen ist es in der nächsten Zeit eher erforderlich die Emser Brücke zeitweise auch für Fußgänger und Radfahrer zu sperren. Die von Ihnen angeregte Beschilderung müsste auf beiden Seiten der Emser Brücke an den jeweiligen Hinweistafeln angebracht werden und zu den Zeiten der Vollsperrung wieder abgedeckt werden. Dies ist ein nicht unerheblicher Mehraufwand für die Baufirma, der außerdem immer durch die Straßenverkehrsbehörde überwacht werden müsste, da es sonst zu erheblichen Beschwerden kommen würde.

Da die Arbeiten auch bereits seit Februar diesen Jahres andauern und es zu keinen nennenswerten Beschwerden oder Nachfragen bezüglich dieses Themas kam, ist aus Sicht der Straßenverkehrsbehörde keine ergänzende Beschilderung erforderlich. ...

Mit freundlichen Grüßen ...“ 

Meine Antwort ging in Kopie an den Verkehrspolitischen Sprecher des ADFC Frankfurt, Fritz Biel.

„Liebe Frau (Mitarbeiterin),

danke für Ihre schnelle Antwort, die aber natürlich aus meiner Sicht enttäuschend ist. Dass die Belange des Radverkehrs bei Baumaßnahmen oft unberücksichtigt bleiben, bin ich gewohnt. Dass es jedoch bei einem Bauprojekt wie der Emser Brücke, einer wichtigen Verbindung zwischen Bockenheim und Gallus, nicht möglich sein soll, Beschilderungen für den Rad-/Fußgängerverkehr einzurichten, ist nahezu unglaublich. Dass es für die Baufirma, die an diesem Millionenprojekt arbeitet, ein nicht unerheblicher Mehraufwand sein soll, Zusatzschilder anzubringen bzw. diese bei Bedarf abzudecken, kann mich nur wundern. Es handelt sich hier um genau zwei Schilder, die sicherlich nur an wenigen Tagen wegen einer Vollsperrung verdeckt bzw. geändert werden müssten. Das soll nicht zumutbar sein?

Natürlich sucht sich der Radverkehr seine Wege auch ohne diese Beschilderung. Natürlich weiß der Ortskundige, dass die Emser Brücke trotz der Sperrschilder einen Durchlass für Radfahrer und Fußgänger offen lässt (deswegen sicher auch die fehlenden Beschwerden). Aber wahrscheinlich steht genauso natürlich dieser Radfahrer oder Fußgänger bei einer Vollsperrung ohne Vorwarnung vor dem bisherigen Durchlass. Und muss sich, gerade als Fußgänger, mit kilometerweiten Umwegen abfinden.

Eigentlich ein Zumutung, oder?

Leicht verärgerte Grüße ...“

Mitte Dezember erhielt ich dann von Fritz Biel die Information, dass man sich (nach seiner Intervention bei der Straßenverkehrsbehörde in dieser Sache) eines Besseren besonnen habe und meiner Anregung folgen wolle. Eine Information der städtischen Mitarbeiterin an den Rad fahrenden Bürger blieb dann aber aus, ebenso eine Änderung der Beschilderung.

Mitte Februar, auf einer Fahrt in Richtung Gallus, konnte ich es dann nicht lassen, vor der Ampel am Fuß der Emser Brücke den Kopf zu wenden. Und siehe da: Direkt vor der Auffahrt zur Emser Brücke steht ein neues Schild. Etwas windschief zwar, in der ultraleichten Papier-in-Kunststoffhülle-Ausführung, steht darauf deutlich zu lesen „Fußgänger und Radfahrer frei“. Allerdings lässt die „Light“-Ausführung fast daran zweifeln, ob dieses Schild von der Baufirma angebracht wurde. Ist da vielleicht ein Rad fahrender Bürger eigeninitiativ tätig geworden?            (ps)

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