Bitte nicht drängeln

Der Volksmund nennt sie Drängelgitter, der Fachmann spricht von Umlaufsperren. womit schon zwei wesentliche Aspekte des Themas angesprochen wären: Wo sie angebracht werden, erzeugen sie bei entsprechendem Verkehrsaufkommen Gedränge und zum Befahren sind sie im Allgemeinen nicht gedacht. In Amtsstuben sind sie ebenso beliebt wie in Stadtteilparlamenten.

Sie gelten als probates Mittel zum Stoppen unbotmäßiger Radfahrer und sind bei Unfällen oder Konflikten schon deswegen gerne das Mittel der Wahl, weil sie ganz handgreiflich belegen, dass man etwas unternommen hat. Sie sind sozusagen der in Eisenrohr gebogene Tätigkeitsnachweis. Ob sie nützlich sind im Sinne der Auftraggeber, darf in den meisten Fällen durchaus in Zweifel gezogen werden.

Während ihr Nutzen sich also in engen Grenzen hält, sind ihre Nachteile durchaus gravierend. Wer schon einmal versucht hat, mit einem Kinderwagen, einem Dreirad oder einem Fahrrad mit Anhänger ein „scharf eingestelltes“ Drängelgitter zu passieren, kann ein Lied davon singen. Das gilt umso mehr für behinderte Dreirad- und Rollstuhlfahrer. Kommt dann, wie an der Querung der Bockenheimer Anlage im Verlauf des „Trutz“ (s. Foto) oder am „Gaasebrickelsche“ über die Nidda in Höchst noch ansteigendes Gelände oder eine Bordsteinkante hinzu, geht ohne fremde Hilfe nichts mehr.

Um nicht missverstanden zu werden: Zweifellos gibt es Situationen, in denen es angebracht ist, den ungestümen Vorwärtsdrang rennender Kinder oder rollender Radfahrer zu bremsen und in geordnete Bahnen zu lenken. Aber dafür braucht man keine Eisenkonstruktionen, die selbst für Fußgänger nur als Einbahnstraße passierbar sind und die Konflikte zwischen den Betroffenen eher vermehren, während sie von der angepeilten Zielgruppe rücksichtsloser Radfahrer allenfalls als sportliche Herausforderung angesehen werden.

Querung von Straßen

Sicher gibt es Fälle, wo es Sinn macht, die ungesicherte direkte Querung einer vielbefahrenen Straße durch den Einbau von Schutzgittern zu verhindern. Ein Lehrbeispiel, wie man es nicht machen soll, ist die Querung der Homburger Landstraße im Verlauf des Niddauferwegs. Obwohl der Überweg mit einer Ampel gesichert ist, wurden dort zusätzliche Drängelgitter aufgebaut, die geeignet sind, bei entsprechendem Andrang am Wochenende massive Konflikte und Gefahren zu erzeugen. Oder macht es irgendeinen Sinn, einen Passanten, der verbotswidrig die Straße bei Rot überquert, daran zu hindern, die Fahrbahn schnellstmöglich zu verlassen?

Querung von Schienen

Noch immer schreiben die einschlägigen Richtlinien für die Querung von Schienen an ungesicherten Übergängen Umlaufsperren vor. Gerade dort aber können zu eng angelegte Sperren schwerwiegende Folgen haben. Voll darauf konzentriert, sich durch das Hindernis zu winden, kann man schon mal die Gefahr vergessen, wegen der es angebracht wurde. Schlechtes Beispiel aus den letzten Jahren ist die Querung der Zufahrt zum U-Bahn-Betriebshof der Stadtwerke am Erlenbruch. Zumindest hier ist Abhilfe in Sicht. Im Zuge der Einrichtung der Fahrradroute Fechenheim-Innenstadt soll eine automatische Schranke die Sicherung des Übergangs übernehmen, die nur dann geschlossen wird, wenn Züge in den Betriebshof ein- oder ausfahren.

Was tun?

Zum Glück gibt es auch Beispiele der eher positiven Art. Peter Sauer hat schon im letzten Heft über die nach dem tödlichen Unfall in Alt-Fechenheim neu eingerichtete Sicherung der dortigen Schienenquerung berichtet.

Im Ortsbeirat 8 wurde ein CDU-Antrag angenommen, das Rohrlabyrint an der U-Bahn Haltestelle Wiesenau etwas zu lichten (OM 339 vom 15.8.06)

In Sachen „Gaasebrickelsche“ in Höchst hat der Ortsbeirat 6 den Magistrat „beauftragt“, die Schutzgitter so zu versetzen, dass sie besser passierbar sind (OM 417 vom 26.9.06).

Der Ortsbeirat 9 bittet den Magistrat, die Gitter an der Bahnunterführung Dreihäusergasse „so weit auseinander zu setzen“, dass sie ohne Behinderung passierbar sind (OM 505 vom 5.10.06).

Licht am Ende des Tunnels? Naja, ein bisschen. Im Rahmen der anstehenden Diskussion über „Bau- und Planungsstandards für den Radverkehr“ wird sicher auch über dieses Thema zu reden sein –meint jedenfalls        

Text und Fotos: Fritz Biel, Foto1: Rolf Oeser

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