Kriminellparker

Freitag Mittag gegen 14 Uhr, Eschersheimer Landstraße / Ecke Melemstraße. Ich will zu dem Copy-Laden an der gegenüberliegenden Ecke. Aber der Weg ist versperrt. Ein schwarzer Audi Kombiwagen steht quer über Zebrastreifen und Fahrradfurt. Der Wagen ist leer. Weit und breit kein Fahrer zu sehen. Fußgängern und Radfahrern bleiben nur wenige Zentimeter Abstand zur Fahrbahn der Eschersheimer Landstraße. Ich stelle mein Fahrrad ab, gehe in das Geschäft und erledige meine Kopierarbeiten. Als ich nach einigen Minuten zurückkehre, steht das Fahrzeug noch immer da. Eine Frau mit Kinderwagen bahnt sich ihren Weg durch die enge Lücke. Ich zücke den Fotoapparat, um die Szene festzuhalten, dann radle ich davon. Das Bild der Frau mit dem Kinderwagen geht mir nicht aus dem Kopf. Wie lange mag das Auto da wohl noch gestanden haben. Vielleicht hatte der Fahrer ja einen Termin beim benachbarten Friseur. Was geht im Hirn eines Menschen vor, der sich derart brutal über die Rechte von Fußgängern und Radfahrern hinwegsetzt? Kein gewöhnlicher Falschparker, zweifellos, sondern ein ganz besonderes Exemplar. Eben ein Kriminellparker.

Über den Einzelfall hinaus bleibt festzuhalten: Es muss schon ziemlich weit sein mit der Verrohung der Sitten im Verkehr, wenn ein Autofahrer (oder war es eine Autofahrerin?) davon ausgehen kann, dass er (oder sie) sich folgenlos so menschenverachtend verhalten kann. Es wird also höchste Zeit, dass die Stadtpolizei deutliche Zeichen setzt – und das nicht nur in der Innenstadt. Und bevor jetzt wieder die üblichen Retourkutschen über die bösen Radfahrer in die Tasten gehauen werden, zum Schluss eine Klarstellung: Ja, auch Radfahrer, die sich ähnlich rücksichtslos verhalten, müssen ohne Nachsicht zur Kasse gebeten werden.

meint   Fritz Biel

Foto: Fritz Biel

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