U5-Bahnsteige Eckenheimer Landstraße
Nachbesserungswünsche an eine „geniale Lösung“

„Stadtbahnlinie U5 – Hochbahnsteige an den Haltestellen Musterschule und Glauburgstraße“, so lautet der Titel der Magistratsvorlage M 139, die nun seit mehr als zwei Jahren auf Eis liegt, zurückgestellt vom Stadtparlament „bis auf Wiederaufruf“. Hintergrund ist der Grundsatzbeschluss des Stadtparlaments, dass an allen Stationen des Öffentlichen Nahverkehrs die uneingeschränkte Barrierefreiheit herzustellen ist. Nun warten alle auf die Fertigstellung eines Gutachtens, das der Verkehrsdezernent zur Prüfung möglicher Alternativen zu den ungeliebten Hochbahnsteigen in der Straßenmitte der engen Eckenheimer Landstraße in Auftrag gegeben hat.

In der nächsten Sitzung des Verkehrsausschusses Anfang Dezember wollte Lutz Sikorski das Ergebnis vorstellen. Der Zeitplan ist seit der letzten Sitzung dieses Gremiums erst einmal Makulatur. Dort stellte eine Gruppe junger Männer, die sich Initiative „Rettet die U5“ nennt, eine erstaunlich detailliert ausgearbeitete Planung für die beiden fraglichen Haltestellen vor, die bei den Ausschussmitgliedern auf großen Widerhall stieß. Der Magistrat hat nun den Auftrag, den Vorschlag „wohlwollend zu prüfen“.

Zentraler Ansatzpunkt der Gruppe ist die Absenkung der Fahrbahn im Bereich der Haltestelle mitsamt den Gleisen um 40 cm. Um auf die für Stadtbahnfahrzeuge erforderliche Bahnsteighöhe von 80 cm zu kommen, sollen darüber hinaus die Gehwege entsprechend angehoben werden. Die Idee der Initiative „Rettet die U5“ hat, verglichen mit den bisher bekannten Alternativen, zweifellos einigen Charme, aber für den ADFC geht es weder um die Frage Stadtbahn versus Niederflurstraßenbahn, noch geht es darum, die Trennwirkung von Mittelbahnsteigen gegen die Vorschläge der Initiative abzuwägen. Es geht auch nicht darum, Haare in der Suppe zu suchen, sondern ausschließlich darum, was die Umsetzung dieser Planung für den Radverkehr bedeutet.

Dabei kann es hier nur um eine kurze Einschätzung auf Basis der zur Verfügung stehenden Informationen gehen. Eine detaillierte Stellungnahme wird der ADFC im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Routinesitzungen mit Vertretern der Stadtverwaltung abgeben.

In dem betroffenen Abschnitt der Eckenheimer Landstraße gibt es bis auf einen kurzen Abschnitt mit Radstreifen zwischen Oberweg und Jahnstraße keine separaten Radverkehrsanlagen. Auch dieser Radstreifen entstand nicht im Zuge einer geordneten Radverkehrsplanung, sondern wurde – quasi als Wiedergutmachung – markiert, nachdem vor einigen Jahren an der Musterschule ein signalisierter Fußgängerüberweg mit bis an die Gleise vorgezogenen Gehwegnasen eingerichtet worden war, ohne einen Gedanken an die zahlreichen Radfahrer zu verschwenden.

Radverkehr findet auf der unteren „Eckenheimer“ auf der Fahrbahn statt. Das ist insofern kein Problem, als sich die Automassen in vergleichsweise erträglichen Grenzen halten und die Fahrbahn breit genug ist, um ein verträgliches Miteinander zu ermöglichen.

Die Pläne der Initiative sehen nun im Bereich der Haltestellen 1,60 Meter breite Radwege zwischen Gehweg und Haltestelle vor. Die Radfahrer sollen also für 100 Meter die Fahrbahn verlassen und sich durch das Gewimmel der Fußgänger schlängeln, um nach der Haltestelle wieder auf die Fahrbahn zurückzukehren. Erschwerend kommt an der Haltestelle Musterschule hinzu, dass sie dabei nicht nur das Auf und Ab von vier Rampen zu bewältigen hätten, sondern ihnen auch noch ein enger Zickzack-Parcours im Bereich der Straßeneinmündungen von Oberweg und Rappstraße zugemutet würde (siehe Bild). Eine solche Konstruktion führt erfahrungsgemäß zu erheblichen Konflikten mit den Fußgängern. Sie darf also auf keinen Fall als benutzungspflichtig ausgewiesen werden. Es muss den Radfahrern überlassen bleiben, ob sie auf der Fahrbahn weiterfahren wollen oder nicht.
An der Glauburgstraße stellt sich die Situation etwas günstiger dar, weil der Straßenraum nicht so eng ist. Aber auch hier gibt es im Detail eine ganze Menge kritisch anzumerken. Das gilt vor allem für die Ausgestaltung der Radverkehrsführung im Bereich der Einmündungen der Seitenstraßen. Die Einzelheiten würden hier zu weit führen. Nur so viel: Eine Führung, die – wie in dem Vorschlag vorgesehen – den Radverkehr auf der vorfahrtberechtigten Hauptstraße dem nachrangigen Verkehr aus den Seitenstraßen unterordnet, ist für den ADFC nicht akzeptabel.

Die vorgetragenen Kritikpunkte stellen den Vorschlag nicht grundsätzlich in Frage, aber zunächst einmal muss die genaue Sachlage in Gesprächen mit der Verwaltung im Detail erörtert werden. Dabei ist vor allem zu klären, inwieweit es für die unbefriedigende Führung des Radverkehrs an der Haltestelle Musterschule im Rahmen des Vorschlags der Initiative Optimierungsspielräume gibt. Als Bauernopfer für die von allen Beteiligten ersehnte Auflösung des gordischen Knotens ist der Radverkehr jedenfalls ungeeignet. Die Zeiten sollten vorbei sein.

Fritz Biel

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