Wozu eigentlich „Städtevergleich“?

Leider ist uns in Heft 6/2008 im Beitrag „Unfälle in Frankfurt – im Vergleich bis 2007“ ein Fehler unterlaufen: es wurden versehentlich falsche Diagramme abgedruckt. Aufmerksamen Lesern wird dies nicht entgangen sein. Die Redaktion bittet um Entschuldigung. Der Autor kommt hier nochmals auf das Thema zurück. 
Peter Sauer

Wir wollen die Entwicklung der Unfallzahlen im Straßenverkehr in einigen Städten vergleichbarer Größe und Struktur verfolgen und vergleichen. Gemeinsamkeiten und Unterschiede sollen ermittelt werden. Wenn möglich sollen Gründe dafür gefunden und verkehrspolitische Konsequenzen für Maßnahmen im Straßenverkehr und für die Infrastruktur gezogen werden. Dies gilt vor allem für den Radverkehr.

Grundlage für den Vergleich sind die Unfallstatistiken, die uns von den betreffenden Polizeipräsidien jeweils mitgeteilt werden. Dies geschieht seit dem Jahre 2002. Ursprünglich haben wir die absoluten Zahlen für den Vergleich verwendet. Dabei sind nur grobe Aussagen möglich. Zum ersten Mal berichteten wir darüber in  Frankfurt aktuell, Heft 6/2005. Später bekamen wir Hinweise zu den Vergleichsverfahren aus Dortmund, einer der betrachteten Städte. Die Diplom-Statistikerin Frau A. Henter machte uns Vorschläge für den Umgang mit den Daten. Frau Henter war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und arbeitet inzwischen selbstständig im Bereich von Datenmanagement und -analyse. Ihre Vorschläge sind uns sehr hilfreich.
Einer davon ist, den Vergleich auf der Basis von Quoten durchzuführen. Unter der Quote versteht man in diesem Zusammenhang die Zahl der Unfälle, berechnet auf je 100.000 Einwohner. Diese einheitliche Bezugsgröße liefert eine geeignetere Grundlage für einen Vergleich der Unfälle in den fünf Städten. Eine weitere Anregung von Frau Henter ist, die Entwicklung anhand von prozentualen Veränderungen über die Jahre zu betrachten und zu vergleichen. So geschah es in unserem Artikel im letzten Heft. Aber die abgebildeten Diagramme passten nicht zu unserem Text. So soll hier nochmals verkürzt auf die drei Diagramme eingegangen werden.

Für den Vergleich wurden die Quoten des Jahres 2002 jeweils als Basisquote zu 100 % gesetzt und die Veränderung  der Quoten in den Folgejahren als Prozentwerte berechnet. Bewusstmachen muss man sich bei diesem Vergleich, dass die absoluten Unfallzahlen bzw. die Höhe der Quoten keine Rolle spielen. Es werden lediglich relative Veränderungen betrachtet, bezogen auf die Zahlen im Basisjahr 2002. (Die Prozentwerte der Quotenveränderungen sind in den Abbildungen als Liniendiagramme dargestellt.)
Veränderung der Quoten für Verletzte und Getötete insgesamt (Grafik 1):
Vom festgelegten Wert 100 ausgehend springen die Linien in 2003 auseinander. Die prozentualen Veränderungen sind also in den fünf Städten unterschiedlich. In drei Städten nehmen die Gesamtunfallzahlen ab, in zwei nehmen sie zu. Am stärksten weichen die Veränderungen im Jahre 2004 voneinander ab. In Dortmund steigen die Unfallzahlen um 15 Prozent an, in Nürnberg sinken sie um 16 Prozent. Im Jahre 2005 liegen die Veränderungen wieder näher und 2007 sehr nahe um den Wert 100 beieinander.

Über die 6 Jahre zeigen Frankfurt und Düsseldorf die geringsten Schwankungen, Dortmund und Nürnberg die größten. Abgesehen von 2004 liegen die Schwankungsbreiten zwischen 10 und 20 Prozent, im Jahre 2007 nur bei 7 Prozent. Die Gesamtunfallzahlen lagen also im Jahre 2007 wieder bei denen von 2002
Veränderung der Quoten für Radfahrunfälle (Grafik 2):
Die Veränderungen der Radfahrerunfälle zeigen ein völlig anderes Bild. Hier gibt es keine parallelen Entwicklungen und, mit Ausnahme von Düsseldorf, erhebliche Veränderungen. Die Schwankungsbreite liegt zwischen 87 und 157 Prozent, macht also maximal 70 Prozent aus.

Düsseldorf hat die geringsten Veränderungen. Die Radfahrerunfälle steigen in den sechs Jahren allmählich um 16 Prozent und zeigen in keinem Jahr eine Verringerung. Eine durchgehende Steigerung der Unfälle hat auch Nürnberg, allerdings mit stärkerem Anstieg als Düsseldorf.
Auffällig sind die Auf- und Abbewegungen der Veränderungen in Dortmund und Duisburg. Wie in allen anderen Städten auch zeigt die Grafik für das Jahr 2003 einen deutlichen Sprung nach oben. In den folgenden Jahren sind die Veränderungen in den beiden Städten sehr unterschiedlich. Dortmund hat im Jahre 2006 die niedrigsten Zahlen überhaupt und liegt auch im Jahre 2007 noch unter dem Wert von 2002, während Duisburg in 2005 einen Sprung nach oben macht, der auch durch den Abfall der Unfallzahlen in den beiden folgenden Jahren nicht mehr wett gemacht werden kann.

Den stärksten Anstieg der Radfahrunfälle hat Frankfurt zu verzeichnen. Gegenüber 2002 steigen die Unfallzahlen der Radfahrerinnen und Radfahrer um 57 Prozent. Es zeigt sich also bei den fünf Städten eine sehr unterschiedliche Entwicklung der Radfahrerunfälle.

Es wäre sicher sinnvoll, den Gründen für diese Entwicklungen genauer nachzugehen. Für unsere Stadt können wir davon ausgehen, dass dieser starke Anstieg der Unfälle mit der ganz sicher erheblichen Steigerung des Radverkehrs zusammenhängt. Es wäre aber wünschenswert, dass diese Unfälle auf die Ursachen hin genauer untersucht würden. Welchen Anteil hat das Fehlverhalten der einzelnen Arten der Verkehrsteilnehmer?  Welches Fehlverhalten liegt mit welchem Anteil vor? Gibt es hierzu Auswertungen der Unfallstatistiken in den verschiedenen Städten? Gibt es in der Unfallforschung Ansätze, sich mit dem Radverkehr auseinander zu setzen? Diesen Fragen wollen wir in der nächsten Zeit nachgehen und hoffen, dass der ADFC-Bundesverband dabei Unterstützung leisten kann.
Veränderung der Quoten der Fußgängerunfälle (Grafik 3):

Betrachten wir abschließend noch die Fußgängerunfälle. In diesem Bereich zeigt sich die Entwicklung unruhiger als bei den Radunfällen. Die Veränderungen sind in den fünf Städten sehr unterschiedlich. Tendenzen lassen sich nicht erkennen. Einzig Dortmund fällt auf durch eine starke Abnahme bis 2006, der aber in 2007 wieder eine deutliche Zunahme der Unfallopfer folgt. Nürnberg verzeichnet wie Frankfurt Ab- und Zunahmen. Nach der starken Zunahme in diesen beiden Städten im Jahre 2006 gibt es in Nürnberg wieder eine Abnahme in 2007, während Frankfurt auf dem hohen Niveau bleibt. Frankfurt erreicht in 2007 die höchste Zahl an verunglückten Fußgängern (wie auch bei den Radfahrer-Unfällen). In Duisburg gibt es einen starken Anstieg der Unfallopfer unter den Fußgängern nach einer kontinuierlichen Abnahme seit 2003. Die geringsten Veränderungen hat wiederum Düsseldorf. Allein das Jahr 2004 fällt hier durch eine stärkere Zunahme auf.

Fitz Bergerhoff

Andere Länder, andere Sitten! In Deutschland muss alles streng geregelt werden, damit jeder weiß, wie er/sie sich zu verhalten hat. Ampeln, Markierungen, Geschwindigkeitsvorgaben! Es gibt Länder, da regeln die Verkehrsteilnehmer sich selbst und es funktioniert offenbar. So erlebt in Ho-Chi-Min-City (Saigon) in Vietnam. Ein scheinbares Chaos mit gegenseitiger Rücksichtnahme. Die Abbildung kann nur einen schwachen Eindruck von der Situation an Kreuzungen vermitteln. Stillschweigende Rücksichtnahme ist hier das Gebot, während Verbote ebenso ignoriert werden.

Foto: Fitz Bergerhoff

HomeArchivnach oben

24. 1. 2009 I ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt