Hier sprüht der Chef selbst
Verkehrsdezernent stellt Website des Radfahrbüros und Imagekampagne vor

Wir Radfahrer sollen mehr werden, nicht nur im Sommer. Ganzjährig sollen wir in Frankfurt mit dem Rad unterwegs sein. Denn Frankfurt eignet sich zum Radfahren zu jeder Jahreszeit, Klima und Topographie bieten beste Voraussetzungen für eine Steigerung des Radverkehrsanteils.

Dies ist die Meinung von Lutz Sikorski, grüner Verkehrsdezernent in Frankfurt. Erklärtes Ziel sei es, den Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen demnächst auf 20 Prozent auszubauen. Wahrscheinlich bereits im nächsten Jahr  werde die ursprünglich erst für 2012 angepeilte Marke von 15 Prozent erreicht sein. Deshalb sei er optimistisch, dass auch das hochgesteckte Ziel von 20 Prozent in den nächsten Jahren zu erreichen sei. 

Um diese Ziele zu erreichen, wird unter anderem nun auch auf Öffentlichkeitsarbeit gesetzt. Eine erste Aktion stellte der Verkehrsdezernent im Oktober vor. Vor Ampelanlagen und Kreuzungen wurden Sprüche und Piktogramme auf Radstreifen gesprüht. „Auf dem Rad zur Tat!“, „Würde Goethe Rad fahren?“, „Fährst du auch im Regen?“ lesen Radler und Radlerinnen auf dem Asphalt, in der Regel ergänzt um „www.radfahren-ffm.de“. Die Sinnsprüche sollen zusätzliche Denkanstöße zur ganzjährigen Nutzung des Velos geben, die Internetadresse verweist einprägsam auf eine neue Institution in der Stadt. Damit will das Straßenverkehrsamt Kontakt zu den Radfahrern aufnehmen und auf die Website des neu eingerichteten „Radfahrbüros“ hinweisen.

Martin Boré, Thomas Friede, Eike Schulz und Hans-Georg Breitenfelder heißen die Mitarbeiter dieses Büros. Sie sollen, so der Wunsch des Dezernenten, der Radverkehrsförderung in Frankfurt ein Gesicht geben und Ansprechpartner für alle Fragen zum Radverkehr sein. Die Mitarbeiter werden häufig auf den Straßen unterwegs sein, um Mängel im Radverkehrsnetz aufzuspüren. Sie sollen Radfahrer auch direkt auf regelwidriges Verhalten ansprechen. Ziel sei letztendlich eine Verbesserung des allgemeinen Verkehrsklimas. Denn, so Sikorski, wir alle sind Radfahrer – aber wir sind alle auch Autofahrer, auch Fußgänger oder Straßenbahnnutzer. Deshalb müssen die Belange aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden.

Die Sprühaktion als Teil einer größer angelegten Imagekampagne für den Radverkehr ist inzwischen „gelaufen“. Die weiße Farbe verblasst langsam und wird vom Regen fortgespült. Aber es werden weitere Aktionen folgen, „...auf dass noch mehr Frankfurterinnen und Frankfurter das Radfahren für sich entdecken“ wie auf der Website des Radfahrbüros zu lesen ist.

Mit Einrichtung des Radfahrbüros wird sicher nicht schlagartig eine Verbesserung der Radverkehrssituation in der Stadt einhergehen. Auch werden nicht alle Anfragen an das Büro umgehend beantwortet werden können. Oft sind zuerst Recherchearbeit und Ortsbesichtigungen notwendig, um kompetent Auskunft geben zu können. Die Mitarbeiter stöhnen bereits unter der Flut von E-Mails, die sie erreichen. „Ich könnten den ganzen Tag ausschließlich Mails beantworten“, sagt Eike Schulz, „doch dann wäre eine zielorientierte Arbeit nicht mehr möglich“. 

Und diese Arbeit ist bitter nötig. Beim Pressetermin zur Vorstellung der Sprühaktion im Nordend weist Eike Schulz auf eine kritische Situation in Sichtweite hin. Hier rollt der Kraftverkehr zweispurig auf der Eckenheimer Landstraße stadteinwärts und trifft in Höhe der Nationalbibliothek auf die Überleitung des Bordstein-Radstreifens auf die Fahrbahn. An dieser Stelle kam es im Laufe des halbstündigen Pressetermins mehrfach zu kritischen Situationen zwischen Radverkehr und Autofahrern – der nächste Unfall ist dort vorprogrammiert.

Das Radfahrbüro ist zu erreichen über radfahrbuero@stadt-frankfurt.de
oder über das Römertelefon 212-40000.
Wer über einen Internetanschluß verfügt kann sich auch hier schlau machen: http://www.radfahren-ffm.de

(ps)

BU

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15 April, 2012 I ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt