Bye, bye Lutz

Mit dem Fahrrad zum Ortstermin am Eschenheimer Tor
Foto: Fritz Biel

Es sollte eine Zwischenbilanz werden. Soll und Haben nach viereinhalb Jahren Verkehrsdezernat anlässlich der bevorstehenden Kommunalwahl. Die Nachricht vom Tod Lutz Sikorskis explodiert in der Stille der ruhigen Neujahrstage, wirft kurz vor Redaktionsschluss alles über den Haufen. Versuch eines kurzen Rückblicks.

Mit der Wahl Lutz Sikorskis zum ersten grünen Verkehrsdezernenten Frankfurts im Juli 2006 verbanden sich auch für den ADFC große Hoffnungen. Das lag nicht nur daran, dass er ein Grüner war, der dem Radverkehr besondere Bedeutung zumaß. Hoffnung verbreitete das neue Konzept eines integrierten Verkehrsdezernats, das endlich die missliche Trennung zwischen Planung und Umsetzung im Verkehrsbereich überwinden sollte. Die vielen schönen Pläne zur Förderung des Radverkehrs sollten nach so vielen Jahren der zögerlichen Umsetzung endlich Wirklichkeit werden. In mühsamen Verhandlungen, die sich über Jahre hinzogen, baute Sikorski ein völlig neues Dezernat auf, das alle nötigen Kompetenzen unter einem Dach zusammenführte. Mit großer Selbstverständlichkeit ist der Radverkehr inzwischen in die allgemeine Verkehrsplanung integriert. Dabei hilft es sehr, dass die Straßenverkehrsbehörde in der Ära Sikorski deutlich flexibler geworden ist.

Die größte Leistung aus Sicht des ADFC war zweifellos die seit vielen Jahren immer wieder geforderte Einrichtung eines Radfahrbüros. Drei Jahre nach dem Start der schwarz/grünen Koalition konnte der Verkehrsdezernent Vollzug melden. Mit der Einstellung von zwei neuen Mitarbeitern im Frühjahr 2009 war die Vierer-Mannschaft im Straßenverkehrsamt komplett und entfaltet seitdem ihre segensreiche Wirkung zugunsten der Frankfurter Radfahrer/innen (www.radfahren-ffm.de).

Besondere Aufmerksamkeit verdient das von Lutz Sikorski nach seinem Amtsantritt mit großer Energie vorangetriebene Projekt der stadtweiten Öffnung von Einbahnstraßen für den Radfahrer in beiden Richtungen. Es hat großen Anteil an der Steigerung des Radverkehrs in Frankfurt.

Immer gesprächsbereit - Lutz Sikorski mit seinen engsten Mitarbeitern 2009 am Stand des ADFC, Foto: Jürgen Johann

Für die Wünsche der Ortsbeiräte hatte der grüne Verkehrsdezernent ein offenes Ohr. Immer öfter konnten sie in den Stellungnahmen der Verwaltung die lapidare Mitteilung lesen: „Der Anregung wird entsprochen".

Ganz vorne mit dabei waren Forderungen nach der Aufstellung von Fahrradständern. Die formschönen grauen Anlehnbügel zieren inzwischen zu Tausenden die Stadt und werden eifrig genutzt. Besonderer Dank verdient in diesem Zusammenhang der Einsatz von Lutz Sikorski für die Beibehaltung der Fahrradabstellplätze auf der Zeil.

Wie erfolgreich seine Arbeit war, beweist nicht zuletzt das Abschneiden Frankfurts im letztjährigen Wettbewerb der Deutschen Umwelthilfe um den Titel der «Bundeshauptstadt im Klimaschutz». Im Themenfeld Verkehr belegte Frankfurt unter den 73 teilnehmden Kommunen den Spitzenplatz.

2012 wäre Lutz Sikorskis erste Amtszeit ausgelaufen. Die lange Liste der zur Umsetzung anstehenden Radverkehrsprojekte hätte genügend Stoff geboten für eine zweite. Sie war ihm nicht vergönnt. Sehr traurig darüber ist

Fritz Biel

Inhalt Ausgabe 1 (Jan/Feb) / 2011


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