Ausgabe 2/1999   Mar. / Apr.


Kleines ABC
großer Radfahr-Irrtümer

(10. Fortsetzung)

(Um Hinweise auf weitere Stichwörter bittet Harald Braunewell)

HANDVERLÖTUNG eines Rahmens als Herstellerangabe sei unbesehen ein Qualitätsprädikat...

Mitnichten: Wenn nicht ausdrücklich vermerkt, dass ausschließlich mit Silberlot gearbeitet wurde, kann immer noch Messing genommen worden sein und mit dem höheren Schmelzpunkt dieses Materials ist dann das spezifische Kristallgefüge des Edelstahls ebenso zerstört worden wie beim verpönten Schweißen...

HELMÜBERZÜGE seien (nichts anderes als) modischer Schnickschnack, bestenfalls – vor den Belüftungsschlitzen – Wespensperren, aber ansonsten keineswegs sicherheitsrelevant...

Mitnichten: Tragische (Genickbruch)-Unfälle auf sommertemperiertem Asphalt lassen die Vermutung aufkommen, daß der auf dem weichem Straßenbelag festklebende Bezug (vielleicht allein schon durch die entstehende Reibungswärme!) den über die Straße schlitternden Kopf ins Genick gerissen hat...

HYBRID - EINSPEICHUNG (Terminus technikus für seitenabhängig-unterschiedliche Einspeichungsarten im hinteren Laufrad) sei eine Marotte überspannter Rad-Freaks...

Mitnichten: Wer links mehrfach, z.B. 3-fach gekreuzt und rechts radial fährt, kann Ersatzspeichen auf der großen Tour gern zu Hause lassen! Erfahrungsgemäß reißen Speichen direkt hinter dem Speichenkopf in der Krümmung – und ausgerechnet immer auf der Antriebsseite, auf der das Ritzelpaket das Einfädeln unmöglich macht! Und das kommt so: Die durch die Kette übertragene Kraft greift am (rechten) Nabenflansch an und versucht ihn zu verdrillen, woran ihn im Falle mehrfach-gekreuzter Einspeichung die Elastizität des Naben-Materials und die Hälfte der rechten Speichen hindert – die ebenfalls vorgespannte andere Hälfte der rechten Speichen hingegen wird ein wenig entlastet! Dadurch werden bei jedem Kurbeltritt Speichen langgezogen, was die Krümmung (zumal sie kaltverformend vorgenommen wurde) nur eine begrenzte Zeit verkraftet - wenn aber die Speiche (radial eingesetzt) senkrecht zur wirkenden Kraft steht, wird das Kopf-Ende der kraftübertragenden Speichen lediglich in Richtung der im Nabenflansch ja peripher wirkenden Kraft verschoben und dementsprechend nur venachlässigbar gering gelängt (was auch, in allerdings ein wenig geringerem Maß, immer noch auch für den 'runden Tritt gilt)... Begrenzungen des Einsatzes dieser Antriebsart stellen einerseits die sehr viel stärkere Kraft des Rad-Athleten und andererseits Materialeigenschaften dar – erstere hebt den radialen Effekt durch Verdrillung der Hinterradnabe um einen sehr viel größeren Winkel auf und letztere führen bei minderwertigen Naben zum Ausreißen von Nabenlöchern.

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