Bike & Business: Pilotprojekt bei der GTZ

Die GTZ beteiligt sich am Projekt „Bike & Business“ mit dem Ziel, den Anteil des Radverkehrs am Modal Split des Berufsverkehrs zu erhöhen. Damit soll sowohl eine umweltgerechte, moderne und intelligente Mobilität gefördert, als auch die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der etwa 1.000 MitarbeiterInnen verbessert werden.
Neben Maßnahmen auf betrieblicher Ebene wurden dabei auch die Belange der GTZ beim Ausbau der Bahnhöfe Eschborn und Eschborn Süd, beim innerörtlichen Radverkehrskonzept der Stadt Eschborn sowie bei der überörtlichen alltagsverkehrsbezogenen Radverkehrsplanung einbezogen.

Projektverlauf
Auf Einladung des Umweltbeauftragten und unter Beteiligung der Geschäftsführung und des Betriebsrates fand im Oktober 2002 ein erstes Fachgespräch zur Fahrradsituation bei der GTZ, in der Stadt Eschborn und bei den Fahrradrouten nach Eschborn statt. Von Seiten der GTZ besuchten 35 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Veranstaltung, darüber hinaus waren Vertreter der Projektgruppe anwesend.

Bei diesem Gespräch gaben GTZ-MitarbeiterInnen zahlreiche Anregungen, wie die Situation der Fahrradfahrer beim Unternehmen, in der Stadt Eschborn, am Bahnhof Eschborn sowie bei den überörtlichen Radverkehrsverbindungen nach Eschborn verbessert werden könnten. Deutlich wurde, dass der wichtigste externe Ansprechpartner die Stadt Eschborn ist.

An infrastrukturellen Defiziten bei der GTZ wurden genannt (hier und im folgenden sind die bereits weitgehend erledigten „Aufgaben“ kursiv dargestellt):

  1. Mangelhafte Qualität und zu geringe Anzahl von Abstellplätzen für Fahrräder.
  2. Fehlende ebenerdige Abstellmöglichkeiten an den Haupteingängen (v.a. für Besucher).
  3. Unzureichende Beleuchtung der Abstellplätze in den Tiefgaragen.
  4. Zu geringe Kontaktsensibilität bei den Ein- und Ausfahrten der Tiefgaragen.
  5. Zu geringe Zahl von Dusch- und Umkleideräumen in Arbeitsplatznähe.
  6. Fehlende Spinde in Umkleideräumen, nicht genügend Platz, bzw. keine Hängemöglichkeiten, um regennasse Kleidung zu trocknen.

Außerdem gab es weitere Anregungen zur Verbesserung der Fahrradsituation

  1. Schaffung eines internen Kommunikationsmediums zum Thema Fahrrad und zwischen Fahrradfahrern (biker-Forum im Intranet)
  2. Bereitstellung von Informationen über attraktive Routen von den Wohnorten zur GTZ
  3. Benennung eines kompetenten und interessierten Mitarbeiters als Ansprechpartner für Fahrradfahrer.
  4. Regelmäßige Erhebungen, um quantitative Veränderungen bei der Nutzung des Fahrrads feststellen zu können.
  5. „Fahrradeinsteiger-Pakete“ für neue Mitarbeiter (Routenpläne, Informationen über Fahrradkarten, Lage der Umkleide- und Duschräume, sowie der Abstellplätze).
  6. Kontaktaufnahme zu anderen Unternehmen in Eschborn, um u.a. eine stärkere Position gegenüber der Stadt einnehmen zu können.

Die Geschäftsführung, die Umweltbeauftragten und der „Ansprechpartner für Fahrradfahrer“ bei der GTZ (um hier auch einen Namen zu nennen: Stefan Pohl, GTZ-Mitarbeiter und ADFC Aktiver) haben sich als sehr aufgeschlossene und kooperative Partner erwiesen, die wesentlich zum Erfolg des Projektes und der teilweise erstaunlich zeitnahen Umsetzung der Verbesserungsvorschläge und Anregungen beigetragen haben.

An die Stadt Eschborn richten sich folgende Forderungen:

  1. Ausarbeitung eines innerörtlichen Radverkehrskonzeptes mit besonderer Berücksichtigung der Belange fahrradfahrender Berufspendler.
  2. Verbesserung der Reinigung und Wartung landwirtschaftlich und als Fahrradrouten im Berufsverkehr genutzter Wirtschaftswege.
  3. Beteiligung am Bike & Business-Projekt, sowohl innerhalb der Stadtverwaltung, als auch in Form der Ansprache weiterer Unternehmen in Eschborn.

Innerörtliches Radverkehrskonzept Eschborn
Der Magistrat der Stadt Eschborn beschloss die Erarbeitung eines innerörtlichen Radverkehrskonzeptes. Das Planungsbüro Cooperative (Darmstadt) wurde beauftragt, dieses Konzept zu erstellen.

Im Kontext zum Bike&Business-Projekt und den zahlreichen und teilweise sehr detaillierten Anregungen von Mitarbeitern der GTZ wurde großer Wert auf attraktive innerörtliche Fahrradverbindungen zu den Unternehmen in Eschborn gelegt. Der Berufsverkehr mit dem Fahrrad stellt daher einen Schwerpunkt des Radverkehrskonzeptes dar.

Da es sich hierbei aber um ein innerörtliches Konzept handelt, bleiben außerhalb der Stadtgrenze liegende überörtliche und regionale Verbindungen zwischen den Wohnorten und Arbeitsstätten unberücksichtigt. Daher wurde auf Initiative des Planungsverbandes und des ADFC Hessen Treffen der „Radverkehrsbeauftragten“ der Kommunen und Kreise der Rhein-Main-Region organisiert.

Mit Hilfe des Pilotprojektes bei der GTZ – das als „Beschleunigungsmittel“ wirkte – gelang es, die Stadt Eschborn stärker als bisher zu motivieren, sich mit dem Fahrrad als Verkehrsmittel auseinander zu setzen und die Umsetzung des nunmehr fertiggestellten Radverkehrskonzeptes voran zu treiben. Das Konzept wurde im Juni im Magistrat der Stadt Eschborn angenommen und es wurden 650.000 Euro zur Umsetzung bereit gestellt.

An die Adresse des RMV wurden folgende Wünsche geäußert:

1. Fahrradgerechte Modernisierung des Bahnhof Eschborn.

2. Verbesserung der Fahrradmitnahmemöglichkeiten während der Hauptverkehrszeiten (mehr Waggons).

3. Abschließbare Fahrradboxen am Bahnhof, oder zumindest diebstahlsichere Abstellmöglichkeiten.

4. Schließfächer, unterschiedlich groß für Koffer und Handgepäck (möglichst im Bahnsteigbereich).

Modernisierung der S-Bahnstationen Eschborn Süd und Eschborn Mitte
Die Modernisierung der Station Eschborn Süd soll 2004 erfolgen. Die Maßnahme beinhaltet eine Verbreiterung der Unterführung sowie eine barrierefreie Erschließung durch Rampen, die behindertengerecht mit geringem Neigungswinkel ausgebaut werden. Sie werden auch gut nutzbar für Fahrradfahrer sein. Der Bahnsteig wird so ausgebaut, dass ein niveaugleicher Zugang zu den S-Bahn-Fahrzeugen möglich wird. Neue Bike & Ride-Anlagen sind vorgesehen.
Der Modernisierungsbeginn für die Station Eschborn Mitte ist für 2005 vorgesehen. Der Mittelbahnsteig wird durch zwei Außenbahnsteige ersetzt. Die Erschließung erfolgt ebenfalls barrierefrei über behindertengerechte Rampen. Neue Bike & Ride-Anlagen sind wenigstens auf der der Stadt zugewandten Ostseite vorgesehen.
Für beide Stationen wäre nach Aussage des RMV ein Konzept „Bike & Ride im Abbringerverkehr“ denkbar. Unternehmen könnten für ihre Mitarbeiter Boxen anmieten, in denen (weitgehend) wartungsfreie Firmenfahrräder oder Fahrräder der Mitarbeiter abgestellt werden können. Bei Ankunft mit der S-Bahn könnte auf die Fahrräder zugegriffen werden und so die „Feinverteilung“ der Pendler zu ihren Arbeitsstätten erfolgen.

Norbert Sanden

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8. Mai 2003 ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt