Auch in Frankfurt gibt’s Provinz
Wie im Leserbrief von Jörn Paulini in frankfurt aktuell 1/2004 bereits anklang, scheint das Klima in Rödelheim für RadlerInnen eher frostig zu sein. In dieses Bild passt der Antrag „Präventiv gegen rücksichtlose Fahrradfahrer“, mit dem die Fraktion der Grünen im Ortsbeirat 7 die RadfahrerInnen seit September 03 beglücken möchte.

In der jüngsten Ortsbeiratssitzung am 10.02. 2004 stand der Antrag nun erneut auf der Tagesordnung. Im Wortlaut: „Am 14. September 2003 ist wieder eine Fußgängerin von einem Fahrradfahrer angefahren worden. Der Unfall ereignete sich auf der Niddabrücke an der Marquardstraße in Frankfurt-Rödelheim. Ohne sich um das Opfer zu kümmern, fuhr der Mountainbikefahrer davon. (…)

Der Magistrat wird aufgefordert,

  1. Die zuständigen Behörden zu beauftragen, vor allen an Fußgängerbrücken über die Nidda im Ortsbezirk 7 so genannte Drängelgitter, falls noch nicht existent, aufstellen zu lassen
  2. die Schilder „Radfahrer absteigen“, falls noch nicht geschehen, anzubringen bzw. zu erneuern und sichtbar zu platzieren
  3. sowie Geschwindigkeitsbeschränkungsschwellen quer zum Fahrbahnverlauf (so genannte „Schweinsrücken“) an Fußgängerbrücken über die Nidda im Orsbezirk 7 zu installieren. (...)“

Der Unfall und das Verhalten des Verursachers sind sehr bedauerlich. Es ist jedoch gegenüber der großen Mehrheit der rücksichtsvoll fahrenden RadlerInnen unfair, diese mit den o. a. Maßnahmen in Kollektivhaft büßen zu lassen. Wie bekannt, handelt es sich beim Niddauferweg sowohl um eine Radroute mit überregionaler Bedeutung als auch um ein innerstädtisches Ausflugsziel für FreizeitradlerInnen. Hat sich die antragstellende Fraktion Gedanken gemacht, wie in Zukunft z. B. schwerbepackte ReiseradlerInnen oder Familien mit Kindersitz bzw. Kinderanhänger diese von ihr erwünschten Schikanen bewältigen sollen?

Eine Partei, die zumindest bei ihrer Gründung den Umweltschutz auf ihre Fahnen geschrieben hatte, sollte sich folgende Frage gefallen lassen: Ist es ihr lieber, wenn sich der geschilderte Personenkreis – durch die von ihr geforderten Maßnahmen „überzeugt“ – zukünftig in die große Gemeinde der im Autostau stehenden Bürger einreiht?

Da ich dies als ADFC-Mitglied nicht annehmen möchte, hoffe ich, dass die Grünen zukünftig vor der Formulierung solcher Anträge die betreffenden kompetenten Verbände (z. B. ADFC) kontaktieren werden.

Christina Romeis

HomeArchivnach oben

10. März 2004 ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt