Schmandkuchen und Wespenstiche

Eine Dreisterne-Radtour ins Waldecker Land

Zwölf gut gelaunte RadlerInnen konnte ADFC-Tourenleiterin Theda Bunje am 14. August 2004 zur dreitägigen Tour ins Waldecker Land begrüßen. Kaum hatte der Zug um 8.22 Uhr den Frankfurter Hauptbahnhof verlassen, wurde schon das Flickzeug ausgepackt. Doris hatte einen Platten, den Manfred fachmännisch reparierte. So konnten wir gleich nach unserer Ankunft in Wabern starten.

Erstes Etappenziel war die alte Dom- und Kaiserstadt Fritzlar, wo wir uns zunächst mit leckerem Picknickproviant versorgten, um dann die hübschen Fachwerkhäuser, den Dom und die Bonifatiusstatue an der Donareiche zu bewundern. Auch wir hatten eine Attraktion zu bieten, nämlich das Liegerad von Günter. Er schreibt unter dem Synonym Velo Sachs oft Berichte im ADFC-Heft.

Theda aus Hamburg führte die Gruppe geduldig und souverän mit ihrem ADFC-Fähnchen am Rad. Sie kennt selbst die öffentlichen WCs  in Fritzlar, die sich in den Resten der mittelalterlichen Stadtmauer befinden. Von Fritzlar ging es dann über Naumburg an der Elbe weiter nach Wolfhagen, wo wir eine Cafépause einlegten. Peter aus Neu-Isenburg, in Frankfurt-Höchst aufgewachsen, aß hier seinen geliebten Schmandkuchen. Eine kleine Panne sorgte für eine weitere, unplanmäßige Rast. Michael rutschte der hintere Mantel von der Felge, den er  jedoch gemeinsam mit Reinhold  noch stabiler als vorher aufziehen konnte. Dann kam der große Auftritt der drei  trittschnellen Bergzicken Heike, Doris und Edelgard, die  mit Peter und Michael öfters kleine Bergrennen austrugen. Theda behielt immer den Überblick, wer wo in der Gruppe radelte. Nachdem wir den Twistesee fast komplett umrundeten, erreichten wir nach 61 km sehr bergiger Strecke Bad Arolsen und unsere Pension Salewski. Das Interieur mit vielen Gewehren an der Wand erinnerte an einen aktiven Jäger. Es blieb noch Zeit für eine heiße Dusche und ein wenig Olympia, bevor wir italienisch zu Abend speisten.  Für einen Kneipenbesuch waren die meisten Teilnehmer zu müde, nur Theda, Peter und Günter zeigten noch Kondition.

Am nächsten Morgen trafen wir uns um 8 Uhr am Frühstückstisch und um 9.15 Uhr gings los. Doch schon nach wenigen Metern platzte der Schlauch an  Herberts Rad. Mit einer selbstklebenden Folie flickte Theda notdürftig das Leck im abgefahrenen Mantel. Aber um  weitere Pannen zu vermeiden, radelten Theda und Herbert am Sonntagmorgen zum Radladen, um einen neuen Mantel und Schlauch zu kaufen. Der Rest der Gruppe machte es sich in der Sonne gemütlich, bewunderte das barocke  Schloss und das Treiben im Enten- und Fischteich. Die Entspannung und Zeit für eigene Betrachtungen tat gut!

Nach gut einer Stunde hieß es dann endgültig: „Auf die Radeln“.  In Twiste war selbstverständlich noch Zeit, um in einem Lebensmittelmarkt Proviant einzukaufen. Die erste Rast gab es dann in Korbach am Dorfplatz. Ringsum hübsche Fachwerkhäuser, zudem ein  Pranger und ein Brunnen, in dem sich zahlreiche Goldfische tummeln. Ein schönes Plätzchen, gäbe es nicht die lästigen Wespen. Erst wurde Theda gestochen,  dann traf es Herbert. Es war wirklich nicht sein Glückstag!

Gestärkt radelten wir weiter über Vöhl zum Edersee. Wir genossen den  Blick über den See und die Fahrt entlang des Wassers bis wir  an die Eder gelangten. Wir folgten zum Teil direkt der Eder bis wir Frankenberg und unsere Unterkunft in der noblen Ratsschänke erreichten. Alle waren froh, nach 71 sehr bergigen, super anstrengenden Kilometern endlich anzukommen. Zwischendurch war mir zudem zweimal durch zu spätes Schalten die Kette vom vorderen, kleinsten Ritzel runter gefallen. Zum Glück half mir wie immer Manfred. In der Ratsschänke aßen wir sehr gut zu Abend. Anschließend kehrten wir noch auf einen Drink bei Aldo im „Goldenen Engel“ ein.  Der „Orgasmus“,  ein Schnaps mit einer oberen Schicht aus Baileys und einer unteren aus Sambuco, erhitzte uns sehr. Einfach mal Zuhause ausprobieren, ist echt lecker! Nicht nur Theda, Heike und Angelika testeten ihn, sondern auch Günter.

Am dritten Tag radelten wir nach dem Gruppenfoto durch Battenberg und an der Sackpfeife (674 m hoch) vorbei zur Lahn. Unterwegs noch ein Schreck: Reinhold, mit 71 Jahren ältester Teilnehmer, übersah einen hohen Bordstein und stürzte schwer auf den Ellbogen.  Tapfer  fuhr er trotzdem weiter. An der Lahn wurde es eben und daher ziemlich gerast. Zur späten Mittagsrast kehrten wir in Biedenkopf beim Italiener ein. Pizza und Salat schmeckten super. Die letzte Etappe über Cölbe nach Marburg ging dann flott. Margot, Reinhold und Michael fuhren schon einen Zug früher nach Hause. Der Rest ging noch ins „Kalimera“. Die strapazenreiche Radtour durch das landschaftlich wunderschöne, wenn auch sehr bergige Waldecker Land endete nach 215 km. Der Regionalexpress um 20.25 Uhr brachte uns nach Frankfurt zurück.

Da sogar Angelika die Tour – zwar häufig als Schlusslicht – durchhielt, ist diese  auch Radlern mit wenig Bergerfahrung zu empfehlen. Allerdings sollte man Durchhaltevermögen,  eine möglichst hohe Trittfrequenz und den Mut für eine 3-Sterne Tour mitbringen. Die abwechslungsreiche Landschaft ist aber eine Radreise wert.

Die Radler, die sich als ADFC-Mitglied früh anmeldeten, kamen in den Genuss des Frühbucherrabatts. So  kostete die Reise einschließlich Zugfahrt und Unterkunft 110 Euro. Übrigens versucht Theda Bunje gerade, sich als Rad- und Wandertourenanbieterin unter dem Namen „ThedaTours“ selbständig zu machen. Bei Interesse einfach mal das Programm per Mail bei

Theda.Bunje@gmx.de, Tel. 06145-990110, anfordern.

Den Bericht schrieb das Tourenrücklicht dieser 3-Sternetour Angelika aus Frankfurt am Main. 

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