Lust auf mehr

Ein Virus grassiert in Frankfurt, das immer mehr Menschen infiziert, die Radlust. Beim Runden Tisch Radverkehr am 22. Oktober hat es im Haus am Dom auch den Frankfurter Verkehrsdezernenten erwischt. Damit ist der Beweis erbracht: Radlust ist ansteckend, wenn auch nicht hochinfektiös! Es bedarf eines Überträgers.

Diesen Part übernahm Professor Heiner Monheim mit seinem „Radlust“-Team von der Uni Trier. Mit einem Feuerwerk von Fakten und Argumenten warb er dafür, die Menschen mit einer groß angelegten Kampagne bei ihren Gefühlen zu packen, wie das die Automobilindustrie so erfolgreich vormacht, anstatt sie immer nur auf der Ebene der Vernunft anzusprechen.

Erstmals in seiner Rolle als Verkehrsdezernent hatte auch Lutz Sikorski am Runden Tisch Platz genommen, um über den Stand der Dinge zu berichten. „‚Radlust‘ hat mir Lust gemacht“, gestand Lutz Sikorski am Ende seines Vortrags und versprach, umgehend für die weitere Verbreitung des Virus Sorge zu tragen, auf dass die erfreuliche Steigerung der Fahrradnutzung in Frankfurt baldmöglichst epidemische Ausmaße annehme.

Die „Kommunikationslücke“ in Sachen Radverkehr ist an dieser Stelle immer wieder beklagt worden. Dabei geht es natürlich nicht nur um Gefühle, sondern es braucht auch Information. Eine Arbeitsgruppe des Runden Tischs hat dazu Vorschläge ausgearbeitet. Im Haushalt stehen 100.000 Euro bereit für Kommunikationsaufgaben rund ums Rad. Beste Voraussetzungen also für den Start. Damit nicht nur der Start gelingt, müssen auch in den nächsten Jahren die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt werden, wenn eine nachhaltige Wirkung erzielt werden soll.

„Bei der Schaffung der nötigen Infrastruktur für das Fahrrad ist Frankfurt auf einem guten Weg“, so eine der Kernaussagen von Stadtrat Sikorski. Der ADFC teilt diese Einschätzung. Der Tanker hat die Kurswende geschafft. Er ist auf dem richtigen Kurs, nur ein bisschen mehr Fahrt könnte er nach unserem Geschmack noch aufnehmen. Lutz Sikorski hat zugesagt, die bereits beschlossenen Projekte in den nächsten Jahren beschleunigt abzuarbeiten. Er will bis 2010 damit fertig sein. Da haben wir unsere Zweifel, denn dafür sind es – und wir sehen das ja durchaus mit Wohlgefallen – denn doch schon zu viele Planungen, die auf ihre Umsetzung warten, aber das Signal war klar: Die Straßenbauverwaltung muss schneller werden in Sachen Radverkehr. Im Kleinen gelingt das ja schon immer öfter, wie nicht zuletzt die zahlreichen positiven Rückmeldungen radfahrender Mitmenschen über erfolgreiche Mängelbeseitigung belegen.

ADFC tagt in Frankfurt

Als weiteres Kompetenzzentrum in Sachen Verbreitung der Radlust tagte am ersten Novemberwochenende die Bundeshauptversammlung des ADFC in Frankfurt – erstmals seit der Gründung des Verbandes im Jahre 1979 (mehr dazu sicher in der nächsten Radwelt).

Mit der Veranstaltung im frisch renovierten Haus Gallus sollte nicht zuletzt die Politik der Mainmetropole honoriert werden, die über alle Parteigrenzen hinweg nun schon seit vielen Jahren auf die Förderung des Radverkehrs setzt.

Zu Gast im Kaisersaal

Nur wenige Tag nach seinem Auftritt beim Runden Tisch musste Lutz Sikorski schon wieder in die Bütt, um die Erfolge dieser Politik über die Grenzen Frankfurts hinauszutragen. Der Magistrat hatte die 150 Delegierten aus ganz Deutschland und viele weitere Gäste zu einem Empfang in den Kaisersaal im Römer geladen. Unter den Blicken der deutschen Kaiser, die hier über viele Jahrhunderte gewählt wurden und an den Wänden ringsum versammelt sind, präsentierte der Stadtrat den stattlichen Strauß von Entscheidungen und Maßnahmen, die die Grundlage der Fortschritte auf breiter Front sind.

„Wir werden das selbst gesteckte Ziel erreichen, den Anteil des Radverkehrs in Frankfurt bis 2012 auf 15 Prozent zu steigern“, so seine Prognose, „aber wir wollen mehr. Vor einigen Jahren sind die Vertreter Frankfurts nach Münster gereist, um zu schauen, wie man erfolgreiche Radverkehrspolitik macht. In zehn Jahren werden wir die Vertreter Münsters gerne hier empfangen, wenn sie sich darüber informieren wollen, wie Frankfurt es geschafft hat, sie von der Spitze der fahrradfreundlichen Großstädte zu vertreiben.“

„Das wird nicht leicht sein“ so der Bundesvorsitzender Karsten Hübener in seinem Grußwort, „der Wettbewerb ist hart“, aber er freue sich, dass die Städte den Kampf aufgenommen haben. Mit Hinweis auf die Anstrengungen der Stadt Kopenhagen rückte er die Maßstäbe ein wenig zurecht: „Die haben 35 Prozent Radverkehrsanteil und wollen den auf 50 Prozent steigern.“

Nun denn, an die Arbeit!

meint   Fritz Biel

Fotos: Ecki Wolf

 

          

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