Zum Beispiel: Rossmarkt/Ecke Kaiserstraße
Oder: Wie man Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern anheizt

Noch immer ist es offensichtlich die vornehmste Aufgabe hochwertiger Stadtgestaltung, Radwege möglichst unsichtbar zu machen. Das ist an dieser Stelle schon oft beklagt worden. Dass wir da trotz aller Diskussionen, Ortstermine und Vereinbarungen noch immer nicht entscheidend weiter sind, zeigt der Umbau an der Ecke Rossmarkt/Kaiserstraße im Zuge der Arbeiten an der neuen Verkehrsführung Innenstadt, die den Weg ebnen soll für die Sperrung der Hauptwache.

Er ist nur wenige Meter lang, der neue Radweg zwischen Kaiserstraße und Großer Gallusstraße. Er soll den vom Eschenheimer Tor kommenden Radstreifen entlang des Goetheplatzes mit dem Radweg in der Kaiserstraße verbinden.

Wenn man weiß, dass es ihn gibt, sieht man ihn auch – zumindest tagsüber bei schönem Wetter. Vorausgesetzt, man erfreut sich voll erhaltener Sehkraft. Seine bauliche Gestaltung hat keinerlei Signalwirkung (s. Foto), die die zahlreichen Fußgänger veranlassen könnte, den Radweg den Radfahrern zu überlassen. Besonders krass stellt sich das an der Ecke der Kaiserstraße dar.

Seit vielen Jahren fordert der ADFC die Vereinbarung verbindlicher Bau- und Planungsstandards für Radverkehrsanlagen. Im Juni 2002 beschloss das Parlament:

„Der Magistrat wird beauftragt, in Abstimmung mit dem ADFC Standards für  die einheitliche Gestaltung von Radverkehrsanlagen in der Stadt Frankfurt zu entwickeln und sie allen Neu- und Umbauprojekten verpflichtend zugrunde zu legen. Diese Standards sollen die leichte und sichere Befahrbarkeit sowie durch ein einheitliches Erscheinungsbild die eindeutige Erkennbarkeit der Radwege sicherstellen.“

Seitdem gab es nicht weniger als acht Magistratsberichte zu dem Thema, aber keinerlei substantiellen Fortschritt, der den weiteren Bau solcher Katastrophen-Radwege endlich unterbinden würde. Schlimmer noch: Der ebenfalls in derselben Manier neu gepflasterte Anfang des Zweirichtungsradwegs in Richtung Theater deutet an, dass man gewillt ist, diesen Unsinn in der Kaiserstraße fortzusetzen.

Der dortige Zweirichtungsradweg unterscheidet sich zwar nicht in der Farbgebung, aber immerhin in der Pflasterwahl deutlicher von dem daneben verlaufenden Gehweg, als die neue Ausführung. Es ist ja keineswegs so, dass nicht genug Platz da wäre für beide, auch wenn der Fußweg immer wieder durch Sondernutzungen eingeengt wird. Es fehlt nur an eindeutig erkennbaren Gestaltungsmerkmalen, die allen Beteiligten behilflich sind, die Rechte der anderen zu respektieren, ohne dass man den größten Teil seiner Zeit damit zubringen muss, zu kontrollieren, ob man noch auf dem richtigen Grauton unterwegs ist.

Was will der ADFC?

  1. Es wurde schon oft geschrieben, noch öfter gesagt, aber ich wiederhole es gerne so oft, bis es endlich dort angekommen ist, wo die Entscheidungen fallen:
  2. Radwege werden grundsätzlich asphaltiert.
  3. Radwege werden von den Gehwegen durch eine für Sehbehinderte tastbare Fläche abgegrenzt.
  4. Radwege werden an den Kreuzungen nicht in den Laufweg der Fußgänger verschwenkt, sondern geradlinig durchgeführt.
    Wo – aus welchen Gründen auch immer – nicht asphaltiert, sondern – in welcher Form auch immer – gepflastert werden soll, wird der Radweg in Anlehnung an die standardisierte Asphaltoberfläche anthrazitfarben, der Gehweg in einer auch unter widrigen Bedingungen erkennbaren hellen Kontrastfarbe ausgeführt. Das ist in der Regel ein helles Grau.
    4.1. Zur Unterstützung der optischen Trennung werden die Oberflächen der Geh- und Radwege mit deutlich unterscheidbaren Formaten belegt. Radwege erhalten einheitlich ungefaste quadratische Platten von 20x20 cm, unabhängig vom Format des Gehwegs.
    4.2. Zur weiteren Verstärkung dieses Effekts, erhalten Gehwegeplatten ein diagonales, Radwege ein orthogonales (rechtwinkliges) Fugenbild.

Natürlich muss -– neben vielen anderen Fragen – auch das leidige Problem der Absenkungen endlich einer nachhaltigen Lösung zugeführt werden. Aber all diese Details werden Gegenstand der Gespräche sein müssen, die hoffentlich nach mehr als fünfjähriger Verzögerung demnächst beginnen werden.          

Fritz Biel

Fotos: (ps)

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