Erwartungen im Realitätscheck

Die Zentrale der Deutschen Bundesbank beteiligt sich seit 2004 an
bike + business. Darüber wurde in Frankfurt aktuell 3/2012 im Beitrag
„bike + business im Realitätscheck“ berichtet. Die Deutsche Bundesbank kommt in diesem Artikel nicht so gut weg. Das erscheint mir nicht ganz gerechtfertigt. Ich nehme dies zum Anlass, unsere Erwartungen und Ansprüche einem Realitätscheck zu unterziehen.

Wir sind im ADFC aktiv, um die Rahmenbedingungen für das Radfahren zu verbessern, um mehr Leute direkt oder indirekt dazu zu bringen, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu nutzen und um mit anderen Fahrradbegeisterten zusammen Rad zu fahren. Diesen Zielen dienen Veranstaltungen wie das Große Radlerfest in Bonames, verkehrspolitische Interventionen und Projektarbeiten.

Der Realisierung der ADFC-Ziele gilt das Augenmerk sowohl der ehrenamtlich Aktiven, als auch unserer festen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im letzten Jahr feierten wir in Hessen das 25-jährige Bestehen des Landesverbandes. Wir sind uns in der Regel darüber im Klaren, dass alles seine Zeit braucht. Dabei ist es manchmal hilfreich, unsere Erwartungshaltung und unsere Wünsche an der Realität zu messen und zu überprüfen.

Die Zentrale der Deutschen Bundesbank ist für bike + business ein wichtiger Referenzpartner. Aufgrund der hervorragenden Ergebnisse bei der sukzessiven Umsetzung unserer Handlungsempfehlungen, unserer „Wünsche“, in den Bereichen Infrastruktur und Kommunikation, erhielt die Bank im April 2010 den bike + business Award. Das Infrastrukturangebot muss im Vergleich zu vielen anderen Unternehmen als vorbildlich bezeichnet werden. Die berüchtigten „Felgenkiller“ gibt es bei der Zentrale nicht. Im Gegenteil, auf unsere Empfehlung hin beschaffte man ADFC-zertifizierte Fahrradabstellanlagen.

Nun besteht die Deutsche Bundesbank aus der Zentrale (die den Award erhielt) mit rund 3.000 Beschäftigten in Frankfurt und aus Hauptverwaltungen in neun deutschen Großstädten. Eine davon befindet sich mit rund 1.100 Beschäftigten ebenfalls in Frankfurt. Im Artikel wurde insbesondere dieser Standort der Kritik unterzogen.

Im Herbst 2011 beauftragte uns die Bundesbank – was durchaus keine Selbstverständlichkeit ist, – für alle Hauptverwaltungen Gutachten mit Handlungsempfehlungen zur Radverkehrsförderung zu erstellen. Dies hatten wir bis zum Frühjahr 2012 erledigt. Die im Frankfurt aktuell-Beitrag monierten fehlenden bzw. sich noch im Bau befindlichen Fahrradparker waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits fertiggestellt (sie waren dies allerdings noch nicht, als der Beitrag verfasst wurde). Insgesamt ist schon jetzt das Angebot an Fahrradstellplätzen am kritisierten Standort als relativ gut zu bewerten. Auch in anderen Hauptverwaltungen der Bank werden unsere Empfehlungen Schritt für Schritt umgesetzt.

Es versteht sich von selbst, dass nicht in allen Hauptverwaltungen jede Empfehlung sofort umgesetzt werden kann. Es gibt sicherlich auch Wünsche unsererseits, die nicht realisiert werden, weil unsere Auftraggeber zu anderen Einschätzungen gekommen sind als wir. Damit müssen und können wir leben, wenn sich insgesamt das Ergebnis sehen lassen kann.

Unser Zeitempfinden ist von vielen Faktoren abhängig. Manchmal erscheint uns Ungeduld als Tugend. Was wurde nicht schon alles Dank vorwärtsdrängender Ungeduld vollbracht. Manchmal nerven wir durch Ungeduld uns selbst und andere und erreichen trotzdem nicht das, was wir wollten. Zu wenig oder zu viel Ungeduld – auch bei unseren ADFC-Aktivitäten sehen wir meistens erst zeitverzögert, was es nun war.

Norbert Sanden
Geschäftsführer ADFC Hessen e.V.

Inhalt Ausgabe 6 (Nov/Dez) / 2012


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