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Eschborn, Klimaschutz und neue Mobilität

Auf der Suche nach innovativen Lösungen und neuen Perspektiven im Bereich der Mobilität

Bild zum Artikel Geballte Kompetenz auf dem Podium in Eschborn (v. l. n. r.): Stefan Burger (Hess. Wirtschafts- und Verkehrsministerium), Norbert Sanden (ADFC Hessen), Thomas Ebert (1. Stadtrat in Eschborn), Prof. Dr. Stephan Rammler, Jürgen Schultheis (House of Logistic and Mobility)
Foto: Helge Wagner

Die Stadt Eschborn veranstaltete am 23.11.2016 im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit für Klimaschutz und nachhaltige Mobilität eine Podiumsdiskussion mit Vortrag in Kooperation mit der Heinrich-von-Kleist-Schule. Die Veranstaltung trug den Titel „Mobilität der Zukunft – Bewegungsfreiheit oder Kollaps?“.

Edmund Flößer-Zilz, verantwortlich für Energie- und Klimaschutzmanagement in der Stadtverwaltung, führte kompetent durch die Veranstaltung. Nach der Eröffnung durch den 1. Stadtrat Thomas Ebert wurden Preise und Urkunden an erfolgreiche Teilnehmer beim Stadtradeln 2016 verliehen. Anschließend hielt Prof. Dr. Stephan Rammler, Mobilitäts- und Zukunftsforscher und Autor des Buches „Schubumkehr – Zukunft der Mobilität“, einen Vortrag zum Thema des Abends. Es folgte eine angeregte Podiumsdiskussion mit den Experten Stefan Burger, Referent für Nahmobilität beim Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, Jürgen Schultheis, Leiter der Abteilung Netzwerk und Kommunikation vom House of Logistic and Mobility (HOLM), sowie Norbert Sanden, Geschäftsführer des ADFC Hessen.

These 8:
Eine Modernisierungsoffensive für die kollektiven Verkehrsträger (öffentlicher Nahverkehr, Fern- und Regionalbahnen, Schienengütertransport) ist der Dreh- und Angelpunkt zukunftsfähiger Mobilitätspolitik nach dem Erdöl. Die Verknüpfung von Mikromobilität (Fahrräder, E-Fahrräder, Elektroleichtfahrzeuge, E-Leichttransporter, Segways etc.) und öffentlichem Transport wird der Grundpfeiler der urbanen Mobilität sein.

Stephan Rammler: „Neue Erfindung der Mobilität – 14 Thesen zur Mobilitätspolitik“. Institut für Transportation Design (ITD), Braunschweig

In den Fokus von Vortrag und Podiumsdiskussion, in die das Publikum und besonders eine mit Fragen gewappneten Schülergruppe eingebunden war, wurde die Suche nach innovativen Lösungen und neuen Perspektiven im Bereich der Mobilität, wie Nahmobilität, Mobilitätsmanagement, E-Mobilität u. ä., gestellt. Den Eschborner Bürger/-innen sollten Potenziale und Chancen diverser Verkehrsmittel oder -systeme näher gebracht werden. Dazu bestand die Möglichkeit, E-Mobilität mit E-Mobilen vom Solo-Wheel bis zum Elektro-Auto auszuprobieren und kennenzulernen.

Warum fand diese Veranstaltung nun in Eschborn statt? Sicher auch wegen einiger engagierter Leute in der Stadtverwaltung, in erster Linie aber aufgrund des immensen Verkehrsaufkommens und den regelmäßigen weitläufigen Staus in der Stadt. Eschborn liegt an einem günstigen, aber überlasteten Verkehrsknoten des Rhein-Main-Gebietes, hat 21.000 Einwohner und etwa 32.000 Arbeitsplätze. Rund 60% der Kohlendioxid-Emissionen in Eschborn stammen aus dem Verkehrssektor. Stickoxide, andere Schadstoffe und Verkehrslärm sind weitere belastende Faktoren. Das Handlungsfeld Mobilität steht daher im Mittelpunkt des Eschborner Klimaschutzkonzeptes.

So weit, so gut. Leider nicht! Da nach den letzten Kommunalwahlen die neue politische Konstellation im Stadtparlament auch in die einzelnen Eschborner Dezernate hineinstrahlt, mangelt es diesem Themenkomplex an Aufmerksamkeit über die Parteigrenzen hinweg. Außer den Grünen waren so gut wie keine Vertreter der im Kommunalparlament vertretenen Parteien und Wählergruppen gekommen. Selbst beim Stadtradeln hatten sich lediglich neun Kommunalparlamentarier beteiligt.

Was wurde inhaltlich gesagt? Wenngleich immer wieder mal der Begriff einer verkehrstechnischen Apokalypse in die Runde geworfen wurde, sahen die Teilnehmer nicht übermäßig skeptisch in die Zukunft – vorausgesetzt, es wird schnellstens umgedacht in Sachen Klimaschutz und Mobilität – und gehandelt. Prof. Dr. Rammler präsentierte seine Analysen, Vernetzungen, Perspektiven und Lösungsansätze und diagnostizierte den Anfang vom Ende der Automobilität. Eine stärkere Vernetzung und Integration der Verkehrssysteme erachtet er als bedeutend für die Zukunft. Für die meisten Anwesenden dürften Rammlers Darstellungen recht theoretisch und abstrakt gewesen sein. Sie boten aber Anreize zum Hinterfragen, welche Gefahren, welche Chancen, welche Perspektiven die aktuelle Situation in sich birgt. So waren dann alle Redner bemüht, einen Bezug zur Praxis herzustellen.

So sehen Sieger aus: Preisverleihung an erfolgreiche Teilnehmer beim Stadradelns in Eschborn
Foto: Helge Wagner

Deutlich wurde das beim Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und Mobilitätsformen. Der Mensch müsse sich ein neues Mobilitätsverhalten aneignen. Notwendig sei bei den vielen Gewerbegebieten um Eschborn, eine effektive Anschlussmobilität aufzubauen. Hier könne das Fahrrad an Bedeutung gewinnen, wenngleich, so Norbert Sanden, das Fahrrad kein Allheilmittel sei. Man müsse vernetzt denken. Eine Veränderung müsse in der Kommune beginnen, so weitere Redner. Der Nahverkehr benötige mehr finanzielle Mittel, eine Veränderung des Straßenraums zugunsten des Rades sei wichtig. Ebenso wurde angerissen, dass die Digitalisierung die Mobilität weiter durchdringen wird. Insbesondere aus der Schülergruppe kamen Fragen an die Experten auf dem Podium, die dann Rede und Antwort standen. Klimaschutz stand dabei im Vordergrund. Deswegen wird auch die regelmäßige Teilnahme beim Stadtradeln hier großgeschrieben.

Helge Wagner

Inhalt Ausgabe 1 (Jan/Feb) / 2017

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