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Bild zum Artikel

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links: „… nur schnell mal Spargel holen … Radstreifen? Nicht gesehen!“
Theo Sorg
rechts: Gut gefüllt, nicht erst seit gestern: Fahrradabstellanlage in der Innenstadt am Niddaplatz
Joachim Brendel

Bad Vilbel und Karben leicht verbessert

Fahrradklima-Test 2018

Die Ergebnisse des achten Fahrradklima-Tests des ADFC liegen vor. Die Umfrage fand vom 1. September bis zum 30. November 2018 statt. Bundesweit nahmen rund 170.000 Bürgerinnen und Bürger teil. In Hessen waren es rund 12.700, 23 Prozent mehr als bei der letzten Befragung im Jahr 2016. 71 hessische Kommunen gelangten in die Wertung.

Der generelle Befund

Der generelle Befund für ganz Deutschland ebenso wie für Hessen: Das Fahrradklima hat sich im Vergleich mit 2016 eingetrübt. Im Durchschnitt haben die Radelnden schlechtere Noten vergeben als vor zwei Jahren. In Hessen ist es nur acht der besagten 71 Kommunen gelungen, ihren Notenwert leicht zu verbessern. Die gute Nachricht: Bad Vilbel (Note 4) und Karben (Note 3,27) gehören zu diesem Kreis. Karben gelang es sogar, sich im hessischen Vergleich am stärksten zu verbessern.

Im Ranking der 71 hessischen Städte, das angeführt wird von Baunatal (Note 2,67), liegt Bad Vilbel auf Platz 48. Karben belegt mit weitem Abstand Platz 5. Auch im bundesweiten Ranking der 311 bewerteten Städte gleicher Größenklasse erreicht Karben mit Rang 16 ein sehr beachtliches Ergebnis.

Dass die Bürgerinnen und Bürger Bad Vilbels und Karbens die Situation für den Radverkehr in ihren Kommunen mittlerweile wohlwollender bewerten, kann nicht über ihre anhaltende Unzufriedenheit mit den Radverkehrsbedingungen hinwegtäuschen.

Die Stimmung in Bad Vilbel

Am schlechtesten kommt in Bad Vilbel, wie in anderen Städten auch, die Kontrolle von Falschparkern weg. Häufig sind Radwege von Autos zugeparkt, aber auch Straßeneinmündungen und Teile der Gehwege. Falschparker gefährden alle Verkehrsteilnehmer und verstärken, ebenso wie die bemängelte unzureichende Führung des Radverkehrs an Baustellen, das Gefühl der Unsicherheit beim Radfahren. Das betrifft vor allem ältere Menschen und Familien mit jungen Kindern. Eltern, die ihre Kinder mit dem Rad zur Schule fahren lassen, tun dies oft nur mit einem flauen Gefühl im Magen. Bad Vilbel wird denn auch von den Radfahrenden nicht als familienfreundliche Stadt wahrgenommen. Das Problem unrechtmäßiger Nutzung knappen Straßenraums könnte das Ordnungs- und Verkehrsdezernat in den Griff bekommen, indem es Kontrollen verstärkt und mehr Bußgelder ausspricht.

Vergleichsweise positiv wird die Erreichbarkeit des Stadtzentrums bewertet. Sicher ist, dass der Ausbau des Nidda-Radwegs zwischen Gronau und Dortelweil, der neu gestaltete Radwegeabschnitt zwischen Römerbrunnen und Rathausbrücke durch den Burgpark sowie die Sanierung der Wegeoberfläche zwischen Dottenfelder Hof und Büdinger Straße positiv registriert wurden. Ebenfalls positiv zu Buche schlagen dürften die überdachten Radabstellanlagen an den Vilbeler Bahnhöfen sowie die Öffnung von vier Einbahnstraßen. Gleichwohl liegt Bad Vilbel bei allen Punkten außer den Radabstellanlagen noch immer unter dem Durchschnitt anderer Städte ähnlicher Größenordnung.

Andererseits: Dass die wahrgenommene Fahrradförderung in jüngster Zeit positiv zur Gesamtnote beiträgt, sollte die für die Verkehrspolitik in der Stadt Verantwortlichen ermutigen, ihre Arbeit fortzusetzen und zu intensivieren. Zwar lässt das Anfang 2018 in Kraft gesetzte Radverkehrskonzept eine mitreißende Vision vermissen, doch immerhin ist in Bad Vilbels Rathaus durchaus der Wille erkennbar, mehr für den Radverkehr zu tun. Gut so, denn die radelnden Bürgerinnen und Bürger sind, was eine sichere und komfortable Radverkehrsinfrastruktur vor allem auch für die alltäglichen Wege betrifft, sensibler geworden. Probleme wie fehlende, zu schmale, holprige oder zugeparkte Radwege und in Stoßzeiten überfüllte Abstellanlagen werden heutzutage immer weniger hingenommen.

Unterm Strich lässt sich nicht ausschließen, dass der nächste Fahrradklima-Test eine bessere Bewertung ergibt – je nach dem, in welchem Tempo die weiteren, im Radwegekonzept skizzierten Maßnahmen umgesetzt werden.

In Karben insgesamt weniger Unzufriedenheit

Karbener Radelnde äußerten sich vergleichsweise zufrieden über die Erreichbarkeit des Stadtzentrums. Die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für den Radverkehr zog die Stimmung nach oben. Was die Werbung für das Radfahren betrifft, so stellen sie der Stadtverwaltung ein besseres Zeugnis aus als ihre Mitbürger/-innen in ähnlich großen Städten. Hingegen bemängeln sie die Verkehrsführung an Baustellen, die ihnen das Leben unnötig schwer macht. Und auch die Bedingungen bei Fahrten im Mischverkehr ziehen Karbens Note stark nach unten. Zu denken ist hier etwa an die Brunnenstraße, wo es den Radfahrenden an ausreichendem Platz fehlt. Deshalb gilt auch in Karben das Motto der aktuellen ADFC-Kampagne „Mehr Platz fürs Rad“.

Karbens Resultat dürfte darauf beruhen, dass die Stadt Karben in den letzten Jahren vor allem im Bereich der Infrastruktur für Freizeitradelnde einiges getan hat. Doch auch zur Verbesserung der Situation für den Alltagsradverkehr will man viel bewegen. Dies haben die Karbener Bürgerinnen und Bürger, die am Fahrradklima-Test teilgenommen haben, offensichtlich vorsorglich honoriert. Jetzt muss aber auch geliefert werden.

Ausblick

Derzeit liegt der bundesweite Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr bei rund 11 Prozent. Möglich und sinnvoll wären 30 Prozent, wie in den Niederlanden. Doch dafür ist es zwingend notwendig, dem Radverkehr deutlich mehr Platz im Straßenraum zu verschaffen. Da Radverkehr in Hessen zu einem großen Teil Sache der Gemeinden ist, lautet die Herausforderung gemäß dem Motto der Agenda 21: „Global denken, lokal handeln.“ Es gibt viel zu tun, rascheres Handeln soll auch durch die neue ADFC-Kampagne „Mehr Platz fürs Rad“ gefördert werden.

Ute Gräber-Seißinger, Christian Euler,
Christian Martens, Karl Pfeil,
Theo Sorg

Inhalt Ausgabe 3 (Mai/Jun) / 2019

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