Ausgabe 2/1999   Mar. / Apr.


Von Haftfragen und Profilierungssucht

Tips zur Fahrradbereifung

Schaltwerk XTR, Mäntel aus dem Baumarkt? Die Bereifung ist ein stiefmütterlich behandeltes Bauteil am Fahrrad. Dabei sind die Veränderungen im Fahrverhalten bei der Verwendung unterschiedlicher Reifenarten und Qualitäten immens, denken wir nur einmal an die Formel-I-Rennen. Auch eine regennasse oder vereiste Stra8e ist mit der richtigen Bereifung und etwas Übung sicher zu befahren. Billigreifen für 15 bis 20 DM nutzen sich schnell ab, bieten einen geringen Pannenschutz und setzten unter Umständen die Bodenhaftung herab.

Den richtigen Mantel für jede Jahreszeit
Die Reifen bilden die Kontaktpunkte unseres Fahrrades zur Straße. Machen wir uns deutlich, was für eine Last sie täglich zu ertragen haben, und widmen wir ihnen deswegen die gebührende Aufmerksamkeit. Im Herbst und Winter sollte man keine zu schmalen Reifen sowie keine mit einer relativ glatten Oberfläche und zu harter Gummimischung verwenden. Ein voluminöser Reifen, mit nicht zu hohem Luftdruck gefahren, liefert eine größere Kontaktfläche zum Boden. Eine weiche Gummimischung (mit geringem Rußanteil) paßt sich besser an Unebenheiten an und haftet stärker auf glatten Untergründen (z. B. hochwertige MTB-Wettkampfreifen für felsiges Terrain). Ein dichtes, tiefes Stollenprofil mit abgerundeten Reifenflanken sorgt für guten Zug in Schnee und Matsch und wirkt auf nassen Straßen dem Aquaplaning entgegen. Je dichter das Profil in der Reifenmitte ist, um so geringer ist der Rollwiderstand. Nicht nur die kalte Jahreszeit hat mit ihren glatten nassen oder vereisten Straßen ihre Tücken, auch der Sommer bringt seine Probleme mit sich. Mit der falschen Bereifung kann das Fahrrad auf aufgeheizten Straßenbelägen in Kurven oder bei Bremsmanövern zu rutschen beginnen. Gründe dafür sind ein ungeeignetes Profil, eine zu weiche Gummimischung oder aber auch ein zu geringer Luftdruck. Das bedeutet im Klartext: Reifen mit stark ausgeprägtem und sehr weit stehendem Profil an den Flanken sowie Gummimischungen mit geringem Rußanteil (Mäntel sind meist nicht schwarz) sind im Sommer nur noch für Geländefahrten mit dem Mountainbike geeignet. Die gängigen Größen sind 26, 27 und 28 Zoll, wobei verwirrend ist, daß 27"-Räder größer als 28"-Räder sind. Verwenden Sie nur Mäntel, die für die Breite Ihrer Felgen geeignet sind!

Richtige Behandlung erhöht Fahrsicherheit
Der beste Reifen kann seine Aufgabe nicht erfüllen, wenn er unsachgemäß behandelt wird. Richten Sie sich beim Luftdruck nach den Herstellerangaben auf der Reifenflanke. Wählen Sie für warmes Wetter und ebene, trockene Fahrbahn einen hohen Wert (durchaus bis zu 7 bar) und für rutschige Untergründe und kalte Tage einen niedrigen Wert aus dem angegebenen Bereich aus. Wenn Sie Ihren Reifen selbst auf die Felge montieren, achten Sie unbedingt auf den korrekten, rotationssymmetrischen Sitz im Felgenbett. Eine kleine umlaufende Linie auf der Reifenflanke dient hierbei als Orientierungshilfe. Die Lebensdauer ist bei den unterschiedlichen Modellen sehr verschieden. Für einen Touringreifen mit harter Gummimischung kann man 8000 km, für einen weichen Geländereifen 1500 bis 3000 km als Orientierung ansetzen. Tauschen Sie die Reifen auf jeden Fall aus, wenn das Profil zum größten Teil abgefahren ist oder die Mäntel gar brüchig sind. Letzteres ist oft nach einer langen Winterpause, in der das Fahrrad unbenutzt herumsteht, der Fall. Verschlissene Mäntel erhöhen das Pannenrisiko und senken die Fahrsicherheit, z. B. beim Bremsen.

Ein guter Mantel hat seinen Preis
Schrecken Sie nicht zurück, wenn ein Mantel zwischen 40,– und 65,– Mark kostet, eine lange Lebensdauer und hohe Pannensicherheit sind der Gegenwert. Allerdings bekommt man auch manchmal hochwertige Markenreifen weit unter ihrem Listenpreis.

Mark Pätzold
RadZeit Berlin

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