Jürgen Johann, langjähriges Mitglied im ADFC, vertritt die Interessen des Radverkehrs im Fahrgastbeirat der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft traffiQ. Hier erläutert er uns die Arbeit des Beirats sowie seine persönliche Intention, sich seit Jahren in diesem Gremium ehrenamtlich zu engagieren.
Jürgen Johann
privat
Die Interessen des Radverkehrs im Fahrgastbeirat von traffiQ
Was eigentlich ist der Fahrgastbeirat?
Der Fahrgastbeirat (FGBR) vertritt die Interessen der Nutzer und Nutzerinnen der öffentlichen Verkehrsmittel in Frankfurt und versteht sich als Bindeglied zwischen den Fahrgästen auf der Aufgabenträgerseite (traffiQ) und den Verkehrsunternehmen auf der anderen Seite.
Die Zuständigkeiten der Beiräte
Da es sich um den Fahrgastbeirat der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft traffiQ handelt, ist dessen Zuständigkeit auf die von traffiQ beauftragten Verkehrsunternehmen beschränkt. Diese sind die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) bei Straßenbahn und U-Bahn, sowie diverse Busunternehmen bei den einzelnen Linienbündeln.
Für die S-Bahn, Regionalzüge und Regionalbusse auch innerhalb der Stadt ist indessen der Fahrgastbeirat des RMV zuständig. Denn diese Verkehre werden durch die Deutsche Bahn und ihre Tochterunternehmen sowie teilweise andere Bahnunternehmen (z. B. Hessische Landesbahn) betrieben und vom RMV beauftragt.
Jedoch sind die Fahrgastbeiräte untereinander vernetzt, so dass diese Grenzen eher weich sind.
Der Fahrgastbeirat existiert in dieser Form seit 1998. Das Ergebnis seiner Arbeit sind zahlreiche Leitlinien, Positionspapiere und Beschlüsse, die man nicht nur auf der Homepage von traffiQ wiederfinden kann, sondern auch im täglichen Leben, wenn man die Busse und Bahnen in Frankfurt nutzt.
Deutliche Kennzeichnung von Stellplätzen
Beispiele dafür sind das helle Interieur vor allem der neueren Fahrzeuge, deutliche Kennzeichnung von Stellplätzen, bessere Lesbarkeit von Anzeigen und auch das verbesserte Vorgehen bei Störungen und klarere Hinweise zum Umgang bei Baustellen. Wer aber Fahrradpiktogramme in den Bahnen vermisst: Leider konnte meine Anregung, zusätzlich zu Rollstuhl- und Kinderwagen- auch Fahrradpiktogramme an den Stellflächen anzubringen, keine Mehrheit im FGBR finden.
Zahlreiche weitere Maßnahmen benötigen einen längeren Atem. Zu nennen wäre da an erster Stelle eine Beschleunigung des Öffentlichen Nahverkehrs – Frankfurt hat eines der bundesweit langsamsten Tramnetze. Hier gibt es allerdings auch Konfliktpotenzial, wie z. B. bei der gemeinsamen Nutzung von Busspuren durch Fahrradverkehr.
Auf die Tarife hat der FGBR durch die Tarifhoheit des RMV kaum Einflussmöglichkeiten.
Facharbeitsgruppen für Einzelthemen
Der Fahrgastbeirat wird alle fünf Jahre neu gebildet und setzt sich aus insgesamt 22 Menschen zusammen. Von diesen bewerben sich 11 direkt bei traffiQ.
Weitere 11 werden von Organisationen und Vereinen (wie DGB, IHK, VCD, ProBahn und auch dem ADFC) entsendet.
Das Gremium tagt im Plenum viermal jährlich. Darüber hinaus ist es in Facharbeitsgruppen untergliedert, die sich um bestimmte Einzelthemen kümmern. Zu nennen wären hier unter anderem die Fahrzeugausgestaltung, Störungsmanagement, die Einrichtung und Ausstattung von Haltestellen oder die barrierefreie Ausgestaltung von Stationen und Fahrzeugen.
Was mich persönlich bewegt, im Fahrgastbeirat mitzumachen
Jürgen Johann, ADFC-Vertreter im Fahrgastbeirat:
„Der öffentliche Nahverkehr interessiert und begeistert mich bereits seit meiner Kindheit“
Leider gab es seinerzeit in meiner Heimatstadt Saarbrücken keine Straßenbahn mehr (heute fährt sie wieder), sonst wäre ich womöglich auch beruflich dort gelandet. Durch die dort herrschenden topografischen Gegebenheiten stand seinerzeit das Fahrrad nicht für die täglichen Wege im Fokus.
Anders ist es in Frankfurt, wo ich seit 1989 lebe. Hier lege ich die meisten täglichen Wege per Rad zurück, über die ADFC-Touren habe ich die Stadt aus dieser Perspektive ab 1992 Schritt für Schritt kennengelernt. Damals waren die Verkehrsverhältnisse noch deutlich anders und als Radler war man immer wieder Exot.
Den Pkw nutze ich eigentlich nur für Reisen und für größere Transporte. Die sind durch mein Engagement im Bereich Modellbahnen (www.fremo-net.eu) sowie mein Hobby Licht und Ton immer wieder bedingt. So bleibe ich häufig Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel und möchte über mein Mitwirken im Fahrgastbeirat meinen Beitrag dazu leisten, dass diese immer besser werden.
Die Gelegenheit ergab sich seinerzeit, als Lutz Ritzel, der den ADFC im Fahrgastbeirat bis dahin vertrat, Frankfurt verlassen hat und ich seine Nachfolge antrat. Das Ehrenamt ist nämlich an den Wohnsitz in Frankfurt gekoppelt.
Durch Mitwirkung des Fahrgastbeirats hat sich in Frankfurt einiges zum Positiven entwickelt. So gibt es heute reichlich Abstellmöglichkeiten in Bahnen und auch Bussen, das war mal anders. Die Inneneinrichtungen sind hell und freundlich gestaltet und der Zugang zu vielen Stationen ist deutlich barrierefreier als noch vor wenigen Jahren.
Das Verkehrsangebot bei U-Bahn und Tram besteht fast rund um die Uhr und wird ergänzt durch die zahlreichen Metrobuslinien (Buslinien mit 24 Stunden-Service und vergleichsweise enger Taktung).
Die ideale Ergänzung zum ÖPNV ist das Fahrrad
Daher setze ich mich dafür ein, dass es möglichst an allen Stationen gute Abstellmöglichkeiten gibt. Die kostenlose Radmitnahme in Bahn und Bus muss erhalten bleiben und in den Fahrzeugen sollten entsprechende Freiflächen vorgesehen werden, um Konflikte mit anderen Reisenden möglichst zu vermeiden. Rollstühle und Kinderwagen genießen in jedem Fall Priorität vor der Mitnahme von Fahrrädern. Zu Schwachlastzeiten sollte es damit keine Probleme geben, aber zu Zeiten ohnehin gut gefüllter Züge und Busse dagegen schon.
Hier appelliere ich an die notwendige Rücksichtnahme von uns Radfahrenden. Dazu gehört auch, im Zweifel auf die nächste Bahn zu warten. Das letzte Wort hat in jedem Fall das Fahrpersonal.














